Wrong Turn - The Foundation © Constantin
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Artikel vom 24.05.2021 | Heimkino->Blu-Ray

Wrong Turn - The Foundation



Falsche Richtung oder neuer Schwung?


Das Horrorgenre ist zwar nicht so alt wie die Zeitrechnung, aber seine ganzen „Subgenre“, zu denen der sogenannte „Backwood-Slasher“ ebenfalls gehört, zählen mitunter schon einige Lenze. Unabhängig ob es Jeff Liebermann´s Just before Dawn (a.k.a Vor Morgengrauen), Wes Craven´s The Hills have Eyes oder Hoopers Meilenstein Texas Chainsaw Massacre ist, die man als fast schon als Grundstein für das genannte Subgenre benennen muss. Sie alle bewegen sich weit weg von dem ansonsten eher urbanen Treiben vieler Genrekollegen und verlagern den Schwerpunkt des Geschehens in die oft triste, ausweglos wirkende Einöde.

So richtig in Fahrt kam der Backwood-Horror im Jahre 2003, als ein gewisser Rob Schmidt seine Wald-und Wiesenhatz Wrong Turn auf die Menschheit los ließ. Alan B. McElroy, Autor des ersten vor 18 Jahren erschienenen Wrong Turn, schuf zusammen mit Regisseur Rob Schmidt ein Szenario, welches die damaligen Protagonisten um Eliza Dushku in die tiefsten Wälder West Virginias schmiss, welche sich gegenüber einer Horde grenzdebiler, entstellter Rednecks beweisen mussten. Dies praktizierte man sogar sehr erfolgreich, so dass Wrong Turn ebenfalls zu einer festen Größe im Horrorgenre mutierte und mitunter quasi zum „Inbegriff“ des „Backwood-Horrors“ wurde. Ganze fünf Sequels hielten Einzug, die in ihrer Qualität unterschiedlicher nicht hätten sein können, die aber durch ihre Kontinuität und klarer Marschroute, gespickt mit saftigen Goresequenzen und dem Mutantentrio Infernale rund um „Three Finger, One Eye und Saw Tooth“, bei den Fans überzeugten und für entsprechend Umsatz sorgten. Das Franchise sah sich durch Wrong Turn gefestigt und ein Stillstand in dieser Richtung demzufolge eher unwahrscheinlich.


Nach dem durchaus gelungenen sechsten Teil der Wrong Turn-Saga namens Last Resort , war es lange still um unsere Mutantensippe. Zwar war ein siebter Teil immer mal wieder Bestandteil in den weltweiten Fankreisen und es gab diverse Fake-Trailer im Netz, aber so richtig offiziell wurde es mitunter nie. Ganz verschwunden waren die Gerüchte aber nicht und Co-Produzent „Constantin Film“, die immer noch die Namensrechte des Franchise besitzen, wissen um die Beliebtheit der Wald und Wiesensaga, so dass anno 2021 - also 18 Jahre nach dem erfolgreichen Erstling - endlich das „Reboot“ vor der Türe steht. Das man nicht erneut dass aufgießen kann, welches zuvor nach Schema-F x-mal praktiziert wurde, das war von vorne herein klar. Und Ja, "Wrong Turn anno 2021" segelt zwar unter gleicher Flagge, driftet aber mitunter in andere Gefilde ab und das ist auch gut so. Warum das so ist, das versuchen wir etwas zu erläutern. Doch worum geht’s genau?

Die toughe Jen (Charlotte Vega) macht sich mit ihrem Freund Darius (Adrian Bradley) gemeinsam mit einem weiteren Pärchen, Milla (Emma Dumont) und Adam (Dylan McTee) sowie Luis (Adrian Favela) und Gary (Vardaan Arona) auf zu einer Wandertour in den Appalachen Virginias. Als eine Art „Selbstfindung“ sieht die Uni-Absolventin diesen Trip, um „sich selbst zu finden“ um für sich konstatieren zu können, dass sie nicht nur das studierte Töchterchen ist, welche einen Job im Bauunternehmen des Vaters Scott Shaw (Matthew Modine) in Aussicht gestellt bekommt. Alle versammelten Protagonisten träumen insgeheim von Veränderungen und einer anderen, besseren Welt, welches sie durch ihren Trip und dem Zusammenhalt auch irgendwie untermauern wollen. Doch es kommt gänzlich anders als erhofft.
Die sogenannte „Foundation“ ist ein Zusammenschluss von Familien, welche sich lange vor dem des amerikanischen Bürgerkrieges in die Wälder Virginias zurückgezogen haben. Ziel ist die Gründung einer kollektiven Gemeinschaft, welche später, wenn die USA als solches nicht mehr bestehen sollte, komplett eigenständig als neue Gesellschaft existieren kann. Und hier haben wir auch direkt das titelgebende Herzstück des neuen Wrong Turn. Die "Inzest geschädigten" Hinterwäldler hausen nicht mehr länger in den Wäldern in den Appalchen. Ironischer Weise offenbart sich hier eine Gesellschaft, die von den Idealen lebt und überzeugt ist, von denen unsere Protagonisten letztendlich selber träumen. Das eigentlich tragische ist jedoch, dass das Tor zu jener Welt unseren Protagonisten verschlossen bleibt, da im Eifer des Gefechts eines der „Familienmitglieder“ durch den von Panik getriebenen Adam getötet wird.

Parallel zu all dem Geschehen ist eine weitere Neuerung, dass wir zwei Handlungsstränge haben. Zum einen unsere besagten Protagonisten, welche in den Wäldern mit der Foundation ums nackte Überleben kämpfen und auf der anderen Seite den Vater Scott Shaw, der seine Tochter sucht, da jene sich seit Wochen nicht mehr meldet. Nachdem der Vater in der mehr oder weniger offensiven Art der örtlichen Einwohner gewisse Notiz von der „Foundation“ nimmt, macht er sich selbst auf dem Weg, seine Tochter zu suchen. Und am Ende laufen beide Handlungsstränge ineinander über, sorgen am Ende dann aber noch einmal für einen fiesen Twist.

Ein Plot, der gestrickt ist aus vielen Möglichkeiten, diversen Konflikten und guten Ideen, welche der Film aber nur bedingt umzusetzen weiss. Seine euphorisch anmutende Ambivalenz um zu unterscheiden, wer hier „gut und böse“ ist, jene hält leider nicht den ganzen Film über eine Konstante, so dass schlussendlich die Mitglieder der Foundation nichts weiteres sind als Monster und Dämonen, vor denen es zu fliehen gilt. Schade auf der einen Seite, aber kein Hindernis den aktuellen Wrong Turn besser darstehen zu lassen als andere Genrevertreter, da der Film auch sehr viel richtig macht. Auch wenn man im siebten Teil des Franchise schon mehr wagt, als sich das der beinharte Fan vielleicht im Vorfeld ausmalen konnte,fällt die Chancenverwertung dann leider nicht immer zu Gunsten des hochwertig anmutenden Filmes aus. Aber sei es drum, er macht ja auch vieles richtig und bricht zurecht mutig in andere Gefilde auf. Fühlt man sich insbesondere noch in den ersten 30 Minuten im vertrauten Terrain sicher und glaubt die Marschroute zu kennen, zeigt Regisseur Mike P. Nelson warum die Einschnitte und Wege einer neuen Marschroute so wichtig sind. Gewisser Maßen wird schon eine Art „roter Faden“ vorgegeben und der Film schwimmt auch auf der aktuellen „Wokeness“- Welle mit, welche strukturell und aktuell den letzten Vertretern des Genre zugeschrieben werden kann. Die inzestuöse Kannibalen-Sippe aus dem Erstling und den Sequels wird hingegen komplett zur Seite geschoben und machen Platz für in einer Autarkie existierenden Subkultur, welche sich namentlich „The Foundation“ nennt. Man trennt sich also komplett vom Kannibalismus der Vorgänger, auch wenn gewisse Züge strukturell und im Ansatz in einigen Szenen erhalten bleiben. Die Foundation entsagt jeglichem Anspruch moderner Technik und pflegt zudem auch eine eigene Sprache, eine gewisse paganistische Dogmatik sowie eine drakonische Form der Rechtssprechung. Wer der Foundation angehört, der hat streng genommen nur zwei Optionen. Absolute Hingabe oder Tod. Entweder man schwört eine bedingungslose Adaption an deren System und somit als Bestandteil der Gemeinschaft zu existieren oder man wird in einem der Höhlensysteme sich selbst überlassen und vegetiert elendig vor sich hin, zusammen mit weiteren ausgestoßenen , die der Foundation entsagt haben.

Wrong Turn - The Foundation © Constantin
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Optisch spielt der Film klar in der oberen Liga. Weitere Pluspunkte sind seine bedrückende Atmosphäre und der bedrückende Score, der permanent unterschwellig das düstere Treiben begleitet und ein besonderes Flair zu erzeugen weiss. Eine ähnliche, gelagerte Stimmung machte sich schon in Eden Lake breit und mit seinen großartigen visuellen Shots und den ein oder anderen „ jump-scare“ lastigen Einsprengsel (Szene im Zelt, Gewitter) ist man hier ähnlich unterwegs. Und auch wenn das Grundkonstrukt etwas abweicht, das Wrong Turn-Feeling ist mitunter durchaus noch präsent, wenn auch in der Wahrnehmung anders. Wo sich der Streifen dann doch noch etwas zügelt, dass ist sein Gewaltgrad, der überraschend nach unten reguliert wurde, dem Film aber erstaunlicher Weise nicht schadet. Die somit ehemals kultivierte Bildersprache und ihre einhergehende perfide ausufernde Brutalität kommt also nicht länger sensationalistisch zum tragen und ist hier eher Mittel zum Zweck. Zwar sind jene Pietät und Zurückhaltung schon gewisse Merkmale, die das Ganze unbewusst ein Stück weit "ad absurdum“ führen, aber es gibt der Reihe einfache neue Impulse und Ansätze, die das Franchise auch zukünftig in andere Sphären hieven könnten. Wer hier also der Meinung ist, ein Wrong Turn-Franchise kann ohne „Rednecks und Kannibalen“ nicht überleben und hofft, dass jedes Element einfach immer perfekt ausgearbeitet sein muss und man nicht zu sehr neue Impulse in altbekanntes einstreuen darf , der ist hier falsch. Wer sich aber mit der neuen Marschroute in Einklang bringen kann und zudem weiter offen ist für die vielleicht überambitionierten Macher und deren Ehrgeiz, der bekommt einen visuell einwandfreien, spannenden und trotz einer Länge von knapp zwei Stunden, kurzweiligen Backwoodhorror mit stimmig-dichter Atmosphäre, tollen Kostümen und einem reduzierten, aber wohl dosiertem Gewaltgrad.

Wrong Turn anno 2021 segelt also bewusst unter gleicher Flagge, bestreitet aber wie bereits erwähnt auch neue Ufer. Das ist in einem so gefestigten Franchise nicht nur erfreulich, sondern auch nötig und jener Schritt ist den Machern mit Bravour gelungen. Auch wenn der Film auf der großen Leinwand gewiss geeignet gewesen wäre (visuell einfach großartig), so hat sich situationsbedingt das Label „Constantin Film“ für eine direkte Auswertung für das Heimkino entschieden. Am 22.07.2021 erscheint der Wrong Turn - The Foundation auf Blu-ray und DVD. Am 22. Mai 2021 erscheint er zudem als „Deutschland Premiere“ auf Sky Cinema als regulärer Stream. Egal für welche Art der Veröffentlichung man sich entscheidet, angucken sollte in jedem Falle Pflicht sein. Bleibt zu hoffen, dass man jene Marschroute weiter verfolgt, denn das Franchise bietet jetzt gänzlich neue Facetten ... absolut gelungen.


© Text: onyourscreen.de / Frank Deutscher-Heister


 
 
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