Willard © Anolis Entertainment
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Artikel vom 11.06.2018 | Heimkino->Blu-Ray

Willard



Meine guten Freunde Ben und Sokrates


Tierhorror - also Horrorfilme, in denen Tiere für Grusel und Gänsehaut beim Zuseher verantwortlich sind - ist bei Heimkinofans seit jeher ein beliebtes Sammelgebiet. Ob riesige Insekten (oder tausende normal große), ob gewaltige Auswüchse diverser Meeresbewohner (oder eine gefräßige Schar derer), ob wildgewordene Bären, monströse Schlangen, fiese Wölfe oder gar blutrünstige Wildschweine - nichts tierisches ist vor den Machern dieses Horror-Subgenres sicher. 1971 entdeckte man dann auch Ratten als Hauptdarsteller und schuf nach einer Romanvorlage (Ratman's Notebooks) von Stephen Gilbert den spannenden Streifen Willard ... dem jetzt in der fabelhaften neuen Mediabook-Reihe von "Anolis" eine würdige Veröffentlichung wiederfuhr.

Mediafacts
Willard © Anolis
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Cover B: Willard
Titel: Willard
Originaltitel: Willard
getestete Version: Mediabook
Cast: Bruce Davison, Elsa Lanchester, Ernest Borgnine, Sondra Locke, Michael Dante, Jody Gilbert
Regie: Daniel Mann
Produktionsland: USA
Studio/Verleih: Anolis Entertainment
Erscheinungstermin: 2018
Produktionsjahr: 1971
Spieldauer: 95 Minuten
Sprache: Deutsch DTS HD-MA 2.0 Mono / Englisch DTS HD-MA 2.0 Mono
Bildformat: High Definition Widescreen (16:9 1,66:1) 1920x1080p
Regioncode: 2
FSK: ab 16 J.

Filmkurzbeschreibung


Der junge Willard hat es nicht leicht. Während er auf gleichaltrige Freunde verzichten muss und seine Geburtstagsfeier einer Zusammenkunft im Altenheim gleicht, muss er tagtäglich auch die Erniedrigungen seines Arbeitgebers Mr. Martin erdulden. Das ist umso härter, da Martin die Firma von Willards Vater übernommen hat und er den jungen Mann spüren lässt, dass er das kleinste Rad im Getriebe ist. Einziger Lichtblick ist Joan, die er gerne zu seiner Freundin machen würde. Leider sucht sich Willard dann Freunde in der Tierwelt, ein Rudel Ratten, das sich auf dem verwilderten Grundstück des Hauses tummelt, das er mit seiner anstrengenden Mutter bewohnt. Nach dem Tod der Mutter wird diese Bindung enger und Willard spürt zum ersten Mal ein Gefühl von Macht, was dramatische Entwicklungen nach sich zieht: Mit seinem Rattenheer sinnt er auf Rache an denen, die ihm übel mitgespielt haben...

Drama, Horror oder beides?


Sicher, die medium-blutige Mär um Einzelgänger Willard und seine mordlustigen Viecher ist augenscheinlich ein typischer Vertreter der Tierhorror-Genres. Die sorgsam ausgearbeitete, kontaktscheue Figur des Rattenfreunds, seine traurige Vorgeschichte und das damit verwobene Arbeitsumfeld, die seltsame Beziehung zu seiner anstrengenden Gluckenmutter und obendrauf deren bizzarer Freundeskreis machen aus Willard jedoch ebenso ein durchaus anspruchsvolles Drama.
Der schon zu Beginn des Film strange daherkommende Sonderling verdient auf jeden Fall unser Mitgefühl. Alleine seine Mutter würde uns in den Wahsinn treiben. Dazu darf er sich um die herrlich unangehme Charlotte herumdrücken oder mal wieder Mehrarbeit für Mr. Martin, seinen unbarmherzigen Chef leisten. Der einzige menschliche Lichtblick in seinem Leben ist da Joan, der er, wäre er zu allem übel nicht auch noch so furchtbar schüchtern, gerne näher kommen würde. Freude und Freunde findet er bei den Ratten im Keller des geliebten Hauses, welches seiner ansonsten nicht so gut situierten Familie geblieben ist. Die Ratten Sokrates und Ben gehorchen ihm dabei aufs Wort. Die restliche, inflationär anwachsende Schar der unbeliebten Nagetiere hört wiederum auf diese zwei. Was dann rasch dazu führt, das Willard die Macht über seine Fellfreunde nutzt, um Probleme mit seinen Mitmenschen auf blutige und endgültige Art zu lösen.

Willard © Anolis Entertainment
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Fabelhaft: Ernest Borgnine (als Mr. Martin) und Jody Gilbert (als Charlotte) beim Leichenschmaus

Ein bisschen Drama, ein wenig Psychothriller und ganz viele wuselnde Ratten (übrigens das erste Mal in einem Tierhorrorfilm) machen aus Willard, entstanden unter der Regie von Daniel Mann, ein vielschichtiges Werk. Einen Film der neben seiner Idee, dem sorgsam ausgearbeiteten Drumherum, den großartig trainierten felligen Darstellern vor allem aber durch seine Besetzung glänzt. Willard-Darsteller Bruce Davison (übrigens auch heute noch ein viel beschäftigter Akteur) ist ebenso ein Glücksgriff gewesen, wie der damals schon routinierte und leider 2012 verstorbene Ernest Borgnine (als Willards wahrhaft widerlicher Arbeitgeber). Dazu gesellen sich Elsa Lanchester, Sondra Locke, Michael Dante sowie die unvergleichliche Jody Gilbert - alle in fabelhafter, teils schon nahe am Overaction wandelnder Spiellaune und wie gemacht für ihre jeweilige Rolle. Toll! Auch durchgängig toll und sehr dramatisch beeinflusst der Soundtrack den Film. Alex North, der so vielen herausragenden Hollywood-Klassikern die Flötentöne beigebracht hatte, hat auch hier ganze Arbeit geleistet. Vereint mit den ausgewählten (und größtenteils echten) Locations und der abwechslungs- und einfallsreichen Fotografie von Kameramann Robert B. Hauser entstand ein Zeugnis dafür, das Tierhorror-Filme weder simpel noch reduziert auf Schock und Gewalt sein müssen.

Willard © Anolis Entertainment
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Willard trainiert Ben ... oder?

Interessante Randnotiz die wir auch recht überrascht der Pressemitteilung von Anolis entnehmen durften: Produziert wurde Willard von "Bing Crosby Productions" (ja, dem Bing Crosby), die sich auch gleich für die Fortsetzung namens Ben ein Jahr später verantwortlich zeichnete. Von 1945 bis 1979 (also sogar noch nach dem Tod von Crosby) produzierte das Studio zig Filme aus jedem Genre aber auch Serien wie Ein Käfig voller Helden für diverse Hollywood Studios.

Das meint Onyourscreen zur Veröffentlichung


Nachdem Willard wohl lange als verschollen galt (so darf man zumindest diverse Aussagen von Willard-Darsteller Bruce Davison interpretieren), dürfen wir uns hier über ein prächtig gemastertes Stück Filmgeschichte freuen, das auch beim Ton glänzen kann. Perfekt! Der Film erscheint bei Anolis in deren noch frischen Mediabook-Reihe "Phantastische Filmklassiker", die mit Mutant (OYS-Review) ihren ersten und dem nun vorliegenden Willard erst ihren zweiten Eintrag erhielt. Der Sammler darf hier zwischen zwei sehr unterschiedlichen Covervarianten wählen. Nicht wählen kann man zwischen DVD oder Blu-ray - wie so einige Hersteller verzichtet Anolis hier auf die Zugabe der DVD. Das wie üblich eingeklebte, 28-seitige Booklet rechtfertigt dann aber gerade noch den Begriff "Media"-book, der zumindest für uns nicht nur für die Buchform, sondern auch für die Zugriffsmöglichkeiten auf die unterschiedlichen Datenspeicherformen steht.


Folgende Extras fanden ihren Weg in die Veröffentlichung: ein informativer Audiokommentar von Bruce Davison, der mit einigen sehr persönlichen Meinungen und Anekdoten wahrhaft zu unterhalten weiß. Kleiner Nachteil: naturgemäß liegt dieser Kommentar nur im O-Ton mit Untertitel vor. Dazu darf man sich noch ein über zwölf Minuten langes Interview mit dem charismatischen Davison geben, Trailern und Radiospots lauschen, Bildergalerien sowie Werberatschläge begutachten. Ein Highlight unter den Extras ist hier wiedereinmal die deutsche Super-8-Fassung, die mit ihren 16:30 Minuten den Film naturgemäß auf den Horroranteil reduziert.

Willard © Anolis Entertainment
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Die beiden Covermotive

Fazit


Die Mediabooks zu Willard sind bereits am 30. Mai 2018 erschienen und erfreuen sich scheinbar großer Beliebtheit. Die Käufer wird es dann natürlich ebenso freuen, das Anolis bereits Ben, den ein Jahr später gedrehten Nachfolger, ebenso in dieser Mediabook-Reihe veröffentlichen wird. Schade ist, dass das 2003 erschienene, gleichnamige und garnicht so schlechte Remake mit Crispin Glover in der Rolle des Willard Stiles, nicht in diese Edition passen wird (da sie anscheinend nur den phantastischen Film der 60er - 80er Jahre beinhalten soll). Aber erfreuen wir uns doch erstmal an dem vorliegenden Mediabook, das uns (mit einem Mini-Wehrmutstropfen durch die fehlende DVD) sehr gut gefällt. Kaufen, schauen, staunen was so alles mit einem guten Drehbuch, tollen Darstellern, motivierten Machern, Geduld, Training und ohne große Tricksereien im Bereich Tierhorror möglich war.

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  • Willard<br>© Anolis Entertainment
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© Text: onyourscreen.de / AS


 
 
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