Wildling © capelight pictures
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Artikel vom 23.10.2018 | Heimkino->Blu-Ray

Wildling



Märchenhaft: Coming-of-age meets Creature feature


Im Deutschen bezeichnet man die verwilderte Kulturform einer Pflanze oder eines Tieres als Wildling. Da Fritz Böhm, Regisseur des vorliegenden Creature Movies Deutscher ist und diese Beschreibung durchaus passt, haben wir vermutlich den Ursprung des Filmtitels Wildling geklärt. Interessant ist, dass Böhm, der bisher als Production Manager diverser deutscher Produktionen (u.a. Krabat, Exit Marrakech, U-900, Männerherzen, Otto's Eleven, Friendship!) bekannt wurde, hier seinen ersten Langfilm als Regisseur (und Drehbuchautor) direkt mit scheinbar ausreichendem Budget - zumindest für eine Independent-Produktion - unter US-amerikanischer Flagge drehen durfte. Doch das bleibt nicht das einzig interessante ...


Filmkurzbeschreibung


Mediafacts
Wildling © capelight pictures
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Mediabook
Titel: Wildling
Originaltitel: Wildling
getestete Version: Mediabook
Darsteller: Bel Powley, Brad Dourif, Liv Tyler
Regie: Fritz Böhm
Produktionsland: USA
Studio/Verleih: capelight pictures
Erscheinungstermin: 2018
Produktionsjahr: 2018
Spieldauer: 92 Minuten
Regioncode: 2
FSK: ab 16 J.
Eingesperrt in einem kleinen Zimmer auf dem Dachboden eines abgelegenen Waldhauses und isoliert von der Außenwelt, wächst Anna (Bel Powley) unter der Obhut eines mysteriösen Mannes auf, den sie nur als „Daddy“ (Brad Dourif) kennt. Mit schaurigen Geschichten über ein kinderfressendes Ungeheuer schürt er seit jeher ihre Angst vor der Welt außerhalb ihres Gefängnisses. Als Anna im Alter von 16 Jahren von der örtlichen Polizei befreit wird, fällt es ihr schwer, sich an die neue Lebenssituation in Freiheit zu gewöhnen. Erst als Sheriff Ellen Cooper (Liv Tyler) den verstörten Teenager fürsorglich bei sich aufnimmt, beginnt Anna, ihre Angst vor der Außenwelt und dem Monster zu verlieren. Doch schon bald kommt es zu einer Reihe beunruhigender Ereignisse ...

Interessant an Wildling ist vieles. Nicht nur dass dieser das Langfilm-Regie-Debut von Fritz Böhm ist. Interessant ist auch die - für eine doch eher als "Indie" zu bezeichnende Produktion - hochkarätige Besetzung: Bel Powley, eine britische Nachwuchsschauspielerin mit einem unverwechselbarem, ausdrucksstarken Gesicht (u.a. Side by Side, The Diary of a Teenage Girl, A Royal Night) als Hauptcharakter Anna. Brad Dourif (u.v. a. Chucky, Alien – Die Wiedergeburt, Herr der Ringe 2 3 usw.), ein vielbeschäftigter Darsteller, der für seine Darstellung des "Billy Bibbit" in Einer flog über das Kuckucksnest sogar einen "Golden Globe Award" (bester Nachwuchsdarsteller) sowie eine Oscar-Nominierung erhielt, spielt hier großartig den "Daddy". Nicht zu vergessen Liv Tyler, die ikonische "Arwen Undomiel" aus der Herr der Ringe-Trilogie, die hier zum zweiten Mal in einem Horrorfilm mitspielt (zuvor: The Strangers) und die überzeugend die fürsorgliche Polizistin mimt. Weiterhin interessant ist, das - auch wenn eine Verwandschaft zur Werwolf-Mär nicht von der Hand zu weisen ist, Böhm hier eine glaubhafte, neue Kreatur vorstellt.

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Daddy und die noch junge Anna

Erzählt wird von dieser Kreatur in drei ganz unterschiedlichen Filmblöcken. Um nicht zu stark zu spoilern, lassen wir den letzten, auflösenden (aber auch Rätsel aufgebenden) dritten Part komplett ausser acht. Das einzige was wir dazu anmerken wollen, ist, das es der generischste Teil des ansonsten recht uniquen Horrorfilms ist. Im ersten Teil lernen wir Anna als Kind kennen, die zuerst von Arlo Mertz, etwas später von Aviva Winick und erst im Teenager-Alter von Bel Powley dargestellt wird. Wir befinden uns ausschließlich in einem Raum innerhalb einer Hütte, die, dem einzigen Ausblick in die Welt aus einem kleinen Fenster hinaus zufolge, mitten in einem sehr dunklen Wald steht. Der Türknauf hinaus aus dem Raum versetzt einem einen elektrischen Schlag. Doch warum sollte man auch hinaus wollen? Denn "Daddy", der sich dort scheinbar rührend um Anna kümmert, erzählt von den Kinder fressenden Wildlingen, die dort draussen lauern. "Daddy" ist es aber auch, der die heranwachsende Anna mit einem immer und immer wieder gespritztem Medikament am "Frau werden" hindert, sie dabei aber auch immer kränker und schwächer werden lässt. Die schließlich eskaliernde Situation endet darin, das Anna irgendwann von den Behörden gefunden wird.
Im zweiten Teil, aufgenommen bei Polizistin Ellen Cooper und deren Bruder Ray, entdeckt Anna die Welt, das Leben, die Nähe zu anderen Menschen, romantische Gefühle, das "draussen sein". Doch die jahrelang geschürten Ängste bleiben, der Hunger ausschließlich auf Fleisch beängstigt, körperliche Veränderungen passieren ...

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Teenager-Anna und die fürsorgliche Ellen

Das meint Onyourscreen.de zur Veröffentlichung


Wildling erscheint am 26. Oktober auf Blu-ray, DVD, digital und auch als 2-Disc Limited Collector’s Edition im Mediabook ... und gerade letzeres ist hervorragend, steht doch gerade Capelight für einen großartigen Umgang mit der Veröffentlichungsweise im Mediabook. So kann auch dieses mal wiederum die Verarbeitung überzeugen. Die zwei Disks (DVD & Blu-ray) liegen wohlbehütet in dem hier mit einer ledrigen Haptik (wie zuletzt schon bei Ghostland) versehenen, buchähnlichem Träger. Das Cover ziert ein ausdruckstarkes Porträt, in dem die unmenschlich blauen Augen des "Wildling" herausstrahlen. Die Rückseite zeigt ein Motiv aus dem ersten Part des Films.


Innen verbinden sich die Prints auf den Disks sehr schick mit den darunterliegenden Motiven - Details die dem Sammler durchaus auffallen werden. Das 24-seitige Booklet auf holzig-wertigem Papier, ist hier mal etwas anders befüllt: Neben fünf Seiten aus dem originalen Storybook der Macher, dürfen wir uns ein ausführliches Interview mit Regisseur Fritz Böhm gönnen. Prima. Leider nicht ganz dem Capelight-Standard entsprechend ist die Ausprägung der digitalen Extras. Ein paar Outtakes, entfallende Szenen sowie der Kinotrailer müssen dieses mal genügen. Trotz dieser Einschränkung wiederum ein den Fan mehr als befriedigendes Produkt, das sich auch inhaltlich in die qualitativ hochwertige Mediabook-Reihe von Capelight einsortieren lässt.

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WILDLING erscheint am 26. Oktober als 2-Disc Limited Collector’s Edition im Mediabook, auf Blu-ray, DVD sowie digital

Fazit


Gefilmt in großartiger Manier von Kameramann Toby Oliver (Get out), eingefangen in atmosphärisch dichten Bildern, entwickelt jeder Teil der Wildling-Erzählung von Fritz Böhm seinen eigenen Charme. Am besten hat uns der MIttelteil gefallen, die Verknüpfung der Ängste und Veränderungen mit der Entdeckung der tatsächlichen Welt und ersten nahezu romantischen Annäherungen sind einfach perfekt verwoben. Coming-of-Age trifft Creature feature mit märchenhaften Nuancen. Nice. Doch auch insgesamt ist Wildling ein starkes Regiedebut, auch wenn man dem Ende etwas mehr Originalität gewünscht hätte. Wir legen jedem Filmfreund den Kauf ans Herz, der Sammler sollte zum tollen Mediabook greifen.

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© Text: onyourscreen.de / AS


 
 
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