Watchman - Die Wächter
Artikel vom 03.06.2011 | Heimkino->DVD

WATCHMAN - DIE WÄCHTER



Ein DVD-Review


Finger weg von diesem Film, wenn man sich von Watchmen eine weitere heitere Version von Comic-Verfilmungen a la Spiderman, Superman, oder Die Fantastischen Vier erhoffft. Regisseur Zack Snyder, der bereits in der Verfilmung des Frank Miller-Comics 300 offene Knochenbrüche zur Kunstform erhob, zeigt mit Watchmen nun wirklich das Gegenteil von Superhelden-Unterhaltung für die ganze Familie. Durch perfekten Comic-Look, packende Actionszenen und nicht zuletzt auch durch die unverblümte Gewalt gelingt es Snyder, die als unverfilmbar geltende Story der Buchvorlage von Alan Moore zu vermitteln.

Mediafacts
Watchman - Die Wächter
Cover: Watchmen – Die Wächter
Titel: Watchmen – Die Wächter
Originaltitel: Watchmen
getestete Version: DVD
Cast: Jackie Earle Haley, Patrick Wilson, Carla Gugino, Malin Akerman, Billy Crudup
Regie: Zack Snyder
Produktionsland: USA
Studio/Verleih: Paramount Home Entertainment
DVD-Release: 2009
Produktionsjahr: 2009
Spieldauer: 155 Minuten
Format: Dolby, PAL, Widescreen
Sprache: Deutsch (DD 2.0 Surround), Englisch (DD 5.1), Türkisch (DD 5.1)
Regioncode: 2
Format: 16:9 - 2.40:1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren

Kurze Filmbeschreibung


In einem alternativen Entwurf der USA in den 80er Jahren: Die Ära der Superhelden, die in den Städten für Ordnung sorgten ist vorbei. Per Gesetz wurde die eigenmächtige Verbrecherjagd verboten, denn die kostümierten Schurkenjäger können, bei ihrem Kampf gegen das Böse, von niemandem kontrolliert werden. Eine Gruppe von Helden, die unter dem Namen „Watchmen“ aktiv war, könnte eigentlich ein ruhiges und normales Leben führen. Als jedoch Edward „The Comedian“ Blake, eines der Watchmen-Mitglieder, ermordert aufgefunden wird, holt sie ihre Vergangenheit ein. Jemand scheint Jagd auf die übrig gebliebenen Superhelden zu machen. Und das zu einem äußerst ungünstigem Zeitpunkt. Der Kalte Krieg ist auf seinem Höhepunkt. Die zwei Großmächte haben ihre Finger auf dem Roten Knopf und es droht die nukleare Selbstvernichtung der Menschheit. Die Amerikaner hoffen, dass Dr. Manhatten, ein Held mit gottähnlichen Superkräften, die Sowjets abschrecken wird, doch er hat sich von der Erde abgewandt. Währenddessen versucht Walter Kovac, alias Rorschach zusammen mit Nite Owl II und Silk Spectre II den Mörder des Comedian aufzuspüren.

Das meint onyourscreen.de zum Film


Das besondere an Snyders zweineinhalb Stunden Epos ist, das es nicht nach dem gängigen Muster verläuft, bei dem böse Schurken Böses und gute Helden Gutes tun. Sicherlich entsprechen zum Beispiel auch die Figuren des berühmten Marvel-Universums, wie Spiderman oder Die Fantastischen Vier nicht immer in jeder Hinsicht dem Ideal eines Superhelden, letztlich weist ihnen ihr innerer moralischen Kompass jedoch zielsicher den richtigen Weg. Die Watchmen sind hingegen so krank, wie die Gesellschaft, die sie beschützen wollen. Sie ziehen Kostüme an, weil sie desillusioniert sind (Rorschach), weil sie als einfache Normalos keine Selbstachtung haben (Nite Owl II), weil sie ihre Eltern nicht enttäuschen wollen (Silk Spectre II) oder weil sie schlichtweg an gar nichts glauben, aber Spaß an Macht und Gewalt haben (The Comedian). Diese Helden sind alles andere als Propheten der Tugendhaftigkeit.


Mehr als nur ein weiterer Superhelden-Film


Mit den Helden der Watchmen beleuchtet Erfinder Alan Moore die dunklen Gassen unserer modernen moralischen Landschaft, in der man zumindest im „aufgeklärten“ Westen gelernt hat, ohne Gott zu leben. Fragen, wie „darf man Schlechtes tun um Gutes zu erreichen“, „was ist Gerechtigkeit?“ oder „gibt es überhaupt gute und schlechte Handlungen und wenn nicht, darf man dann einfach seinen Spaß haben“? drängen sich dem Zuschauer geradezu auf. Stichwort „Gott“: Natürlich kümmert sich Snyders Film auch um diesen größten Superhelden aller Zeiten. Verkörpert wird er durch den Wissenschaftler Jon Osterman, genannt Dr. Manhatten. An seinem Schicksal wird vor allem das kniffligste aller Probleme mit dem Schöpfer verhandelt, die berühmte Theodizee-Frage: Ey Dude, wo ist Gott (wenn man ihn braucht)? Damit ist auch klar, wieso der Film so sehr auf rohe Gewaltszenen setzt. Ein Schädel wird regelrecht zerhackt, eine Schwangere wird erschossen, Menschen explodieren - Die starke Botschaft des Films dringt nicht trotz der expliziten Gewaltszenen durch, sondern gerade weil Snyder neben Armen und Beinen vor allem zahlreiche Tabus brechen lässt. Die Moral der Moral: Sie muss ständig überprüft und an unsere Bedürfnisse angepasst werden, denn nichts, was wir für unsere Handlungen als selbstverständlich erachten, ist vorgegeben, alle Moral ist letztlich relativ. Die Idee von Superhelden, die bei uns mal richtig aufräumen könnten, so verlockend das klingen mag, ist doch in Wirklichkeit sehr gefährlich. Denn wer weiß schon, ob unsere moralischen Verbindlichkeiten überhaupt irgendeine Bedeutung für sie hätten. Am Ende heißt es „Who watches the Watchmen?“ (Wer bewacht die Bewacher?) Damit wird der Film gleichzeitig zu einem Lehrstück über die Hinterhältigkeit des Faschismus. Alles ist relativ? Nein, eine Sache nicht: Traue keinem, der sagt, er habe unerschütterliche Überzeugungen, denn der merkt sein Irren als Letzter.

Große Kunst mit kleinen Abstrichen


Abzüge gibt es freilich in der B-Note. Es ist unerklärlich wieso Snyder in manchen Details nicht auf die üblichen Verlockungen des Genres verzichten konnte, zum Beispiel wenn er einen Feuerstoß aus dem Fluggerät Archie als Sinnbild für den sexuellen Höhepunkt benutzt. An Stellen wie diesen unterscheidet sich Watchmen ausnahmsweise nicht sonderlich von anderen Comic-Verfilmungen. Es bleibt allerdings bei wenigen kleinen Aussetzern. Kampfszenen in Zeitlupe funktionieren, ähnlich wie bei Matrix, indem sie dem Film insgesamt eine super coole Optik verschaffen. Ein wenig mehr Abwechselung in Snyders Werkzeugkasten hätte aber nicht geschadet.

Onyourscreen.de-Fazit zu WATCHMEN - DIE WÄCHTER


Ein Film für Freunde der härteren Gangart, der dennoch einen komplexen Stoff behandelt. Trotz der Überlänge ist Watchmen nie langweilig. Im Gegenteil, dank des düsteren Comic-Looks und der vielschichtigen Story kann man diesen Film mehr als einmal schauen. Und wer dann noch nicht genug hat, der findet im Bonus der DVD mit der Dokumentation über die Physik des Watchmen-Kosmos eine perfekte Zugabe. Der Film verbindet das Beste aus zwei Welten: Kurzweiliges Popcorn-Action-Vergnügen und so viel hintergründigen Tiefsinn, das man gut gerne nochmal zweieinhalb Stunden darüber reden möchte.


© Text: onyourscreen.de / MAD


 
 
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