Artikel vom 08.12.2010 | Themen

VIDEOSPIELE on your screen



Mehr schlecht als recht …


Videospielverfilmungen sind so eine Sache. Im Prinzip ja keine schlechte Idee, die Werbepower eines gutgehenden Spielefranchise als Vermarktungsgrundlage für einen Spielfilm zu nutzen. Das hat nur einen Haken, zumindest dann wenn der Produzent/Regisseur Uwe Boll heißt. Kennen Sie nicht? Hier das wichtigste: Uwe Boll vergleicht sich in dem einen oder anderen Interview mit den größten Regisseuren aller Zeiten. Dumm dabei ist leider, dass Uwe Boll eine Filmgraupe nach der anderen dreht und sich vor allem im Fach der Videospielverfilmungen einen mehr als zweifelhaften Ruf erworben hat. Denn wer glaubt, aus einem 3D-Shooter wie beispielsweise Far Cry einen Film machen zu können, der kann schon nicht mehr ganz bei Trost sein.

Spiele wie Alone in the Dark bieten da schon ein wenig mehr Grundlage für ein anständiges Movie-Erlebnis. Ein bisschen Grusel, ein bisschen Horror und ein paar sich bewegende Schatten an der Wand – fertig wäre ein annehmbarer Schocker, den man sich im Kino anschauen kann, zumindest wenn gerade nichts anderes läuft. Doch “uns Uwe” machte aus dem Spiel einen der schlechtesten Film des vergangenen Jahrzehnts und gab einen ohnehin nicht sonderlich beliebten Christian Slater endgültig der Lächerlichkeit preis. Denn obwohl der Uwe so ein Stümper ist, kann er immer wieder aufs Neue bekannte Schauspieler für seine Projekte begeistern. Und nein, ehrlich gesagt wollen wir nicht wissen, wie er das macht.
Wer das indizierte Spiel Postal kennt, der weiß, was jetzt kommt. Denn auch das hat sich Uwe Boll vorgenommen und auf die Kinoleinwand transportiert. Dass Postal der wohl zweitschlechteste Film der letztem zehn Jahre ist, stellt dabei keine wirklich große Überraschung dar. Dass Möchtegern-Gladiator Ralf Moeller mit von der Partie ist, sollte dann letzte Zweifel über die unterirdische Qualität des Trash-Streifens hinweg wischen.

Doch auch Hollywood versucht sich immer mal wieder an Videospielverfilmungen. Einem erfolgreichen Spiel einen Blockbuster folgen zu lassen, der imstande ist, Film-Fans in Scharen ins Kino zu locken, schaffte es aber bisher auch nicht wirklich. Remedys Mega-Spiel “Max Payne” etwa gelangte mit Mark Wahlberg in der Hauptrolle zwar in die Kinos, allerdings blieb der Erfolg an den Kassen und bei den Kritikern verwehrt. Und noch im Jahr 2010 versuchte Jake Gyllenhaal als Prince of Persia dem Videospiel-Klassiker neues und cineastisches Leben einzuhauchen. Harry Potter-Regisseur Mike Newell und ein Budget von 150 Millionen Dollar reichten allerdings nicht aus, um dem Film das gewisse Etwas zu verleihen, das es braucht, um zu einer Legende zu werden.

Weitere Tiefpunkte des Genres sind beispielsweise folgende “Perlen”: Super Mario Bros., Doom, Double Dragon, Mortal Kombat usw.

Aber es geht doch …


Dass man es aber auch besser machen kann, bewies die Verfilmung der Survival Horror-Ikone Silent Hill. Dass selbst der aufmerksamste Spieler den zuweilen mehr als verwirrenden Storys der verschiedenen Silent Hill-Teile nicht in der Lage war zu folgen, hinderte Christophe Gans 2006 nicht daran, einen Film auf die Beine zu stellen, der die grotesk-bedrohliche Atmosphäre der Spiele-Reihe durchaus ansehnlich und stimmig auf die Kinoweinland zu bannen verstand. Und dass Pulp Fiction-Co-Autor Roger Avary das Drehbuch zum Film schrieb, beweist darüber hinaus, dass Hollywood nichts unversucht lässt, Videospielverfilmungen im großen Stil aufzuziehen – wenn nicht gerade Uwe Boll seine Finger im Spiel hat.
Das trotz deutscher Beteiligung – Bernd Eichinger sicherte sich und Constantin 1997 die Rechte von Capcom – recht spannende Spielfilme aus Videogame-Stories entstehen können, beweißen zum Beispiel auch die Resident-Evil-Verfilmungen. Sicherlich keine Highlights, aber doch ansprechende bis gute Horror-Unterhaltung.

Und und? Zukünftige Videospielverfilmungen stehem bereits in den Startlöchern – so sind derzeit Filme zu “The Sims”, “Monopoly” und “You Don’t Know Jack” in Planung (ja, sie lesen richtig!). Und Mr. Boll wird schon wissen, wie man aus solchen Spielen Filme macht. Und falls nicht – drehen wird er sie trotzdem.

Was sich von dem schon auf DVD/Blu-ry vorhandenen bzw. noch kommenden Filmen als “Sammelobjekt” lohnt, muss jeder für sich selber entscheiden. Aber Abteilungen wie “Schlechte Videospielverfilmungen”, “Die Uwe Boll Film-Historie” oder ganz allgemein “Videospielverfilmungen” im DVD-Regal haben einen gewissen Reiz …


© Text: onyourscreen.de / AS


 
 
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