Tully © DCM
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Artikel vom 22.10.2018 | Heimkino->Blu-Ray

Tully



Vater, Mutter, Nanny, Kind


Regisseur Ivan Reitman (uva. Ghostbusters, Ghostbusters 2, Ich glaub mich knutscht ein Elch, Dave) hat einen Sohn, Jason Reitman, der auch Regisseur ist. Ähnlich wie sei berühmter Vater hat er ein Gespür für Komik und das damit verbundene Timing. Doch anders als sein Vater kommt dieser Humor nicht mit der groben Kelle, sondern wird dem geneigten Zuseher gekonnt, warm und intelligent serviert. So begeisterte er zusammen mit der Oscar®-prämierten Drehbuchautorin Diablo Cody bereits 2007 mit dem fantastischen Juno ... und genau das Autor-Regie-Gespann bringt uns nun mit Tully ein warmherziges, sensibles und humorvolles Movie zum Thema moderner Mutterschaft.

Filmkurzbeschreibung


Marlo (Charlize Theron) hat gerade erst ihr drittes Kind bekommen, als ihr Bruder ihr ein besonderes Geschenk macht: Eine Night nanny, die sich nachts um die Kinder kümmern soll. Marlo ist zunächst skeptisch gegenüber dem Gedanken, Hilfe von einer fremden Person anzunehmen, doch als sie die junge, schlaue und witzige Nanny namens Tully kennenlernt, entwickelt sich eine einzigartige Freundschaft zwischen den beiden Frauen.

Schon die Filmbeschreibung hier drüber gelesen? Nun, das klingt sicherlich recht unaufregend, macht aber durchaus Laune. Nicht ganz soviel Laune wie es ein Juno tat, aber es gereicht allemale für einen unterhaltsamen Abend auf der Couch. Präsentiert wird uns hier eine unfassbar uneitele Charlize Theron, die unfrisiert, ungeschminkt und mit einigen Kilos zuviel im schlabbrigen Bademantel die überforderte Dreifach-Mutter mimt. Sie nimmt uns mit in eine Welt aus Alltag, zuviel arbeitendem Partner, zweier anstrengender Kinder, einem das unterwegs ist, Frust, Wäschebergen und uneinfühlsamen Schulbehörden. Doch das relativiert sich alles, als Tully (zuckersüss: Mackenzie Davis) als Nachtnanny in ihr Leben tritt. So nach und nach erleichtert Schlaf das Leben der geplagten Mutter, eine Freundschaft entsteht und um diese herum passieren humorige und rührende Ereignisse.
Leider weiß man in Tully nie so genau, auf was die Macher hinaus wollten. Man fühlt sich konstant unterhalten, kann dem ganzen am Ende aber nicht ganz so viel abgewinnen, da irgendwie der Grund fehlt, warum man dem recht kurzen Zeitabschnitt im Leben dieser Familie gefolgt ist.

Zwei typische Szenen aus Marlos Leben bevor Tully in ihr Leben tritt


Koffeinfreier Kaffee – ja oder nein?!
Marlo erlebt in TULLY anstrengende Tage – als Mutter von zwei kleinen Kindern und außerdem hochschwanger, gehetzt von Termin zu Termin. Obendrein leidet der kleine Sohn Jonah an einer neurologischen Störung, braucht viel Zuwendung und hat Probleme in der Schule. Ehemann Drew wurde gerade erst befördert und muss den ganzen Tag lang schuften oder auf Dienstreise unterwegs sein. Da bleibt die meiste Arbeit mit den Kids an Marlo hängen. Wenn sie dann noch während einer kurzen Auszeit im Coffee Shop, die Kundin nebenan belehren möchte, dass koffeinfreier Kaffee trotzdem Spuren von Koffein enthalten kann, hängen die Nerven am seidenen Faden. Damit spiegelt TULLY einen Trend der Gesellschaft wieder: Mütter und werdende Mütter stehen gegenwärtig immer wieder unter Erwartungsdruck, perfekt und angepasst handeln zu müssen.

Von Gigolo Doku Soaps berieselt einschlafen
Während Marlo die nächste Muttermilch-Portion abpumpt und versucht, ein wenig abzuschalten, hilft ihr das klassische Entertainment TV: Abgehalfterte alte Männer werden hier von jungen Frauen umworben. Die studierte und clevere Marlo könnte sich natürlich auch anspruchsvolles Kulturprogramm einverleiben, ist aber schlicht und einfach zu müde, um mehr aufzunehmen. Geschweige denn TV zu schauen ohne auf dem Sofa einzuschlafen. Und so ist es doch auch irgendwie im wahren Leben: Das Buch wird gegen die seichte Netflix-Serie oder Trash-TV getauscht, Berieselung ohne großartig nachdenken zu müssen. Eine kleine Pause für den müden Kopf.

Tully erscheint ab dem 12. Oktober 2018 auf DVD & Blu-ray.


© Text: onyourscreen.de / BM


 
 
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