Top Gun
Artikel vom 20.05.2011 | Heimkino->DVD

TOP GUN



Sie fürchten weder Tod noch Teufel


Es gibt diese Momente, in denen man merkt, dass man älter wird. Mal spürt man es beim Sport, mal bei dem Blick in den Spiegel und manchmal merkt man es, wenn man nach langer Zeit wieder Filme oder Serien sieht, die man als Kind geliebt hat. Der 1986 entstandene Film Top Gun ist so ein Fall. 105 Minuten und unzählige inhaltslose Dialoge später, blickt man verständnislos zurück, auf die eigene verschwendete Jugend...

Mediafacts
Top Gun
Cover: Top Gun
Titel: Top Gun – Sie fürchten weder Tod noch Teufel
Originaltitel: Top Gun
getestete Version: DVD
Cast: Tom Cruise, Kelly McGillis, Val Kilmer
Regie: Tony Scott
Produktionsland: USA
Studio/Verleih: Paramount Home Entertainment
DVD-Release: 2003
Produktionsjahr: 1986
Spieldauer: 105 Minuten
Format: PAL, Surround Sound, Widescreen
Sprache: Deutsch (DD 2.0 Surround), Englisch (DD 5.1), Italienisch (DD 2.0 Surround), Italienisch (DD 2.0), Französisch (DD 5.1), Französisch (DD 2.0), Spanisch (DD 2.0 Surround), Spanisch (DD 2.0)
Regioncode: 2
Format: 16:9 - 1.77:1
FSK: Freigegeben ab 16 Jahren

Kurze Inhaltsangabe


Lt. Pete Mitchell, Codename "Maverick" (Tom Cruise), ist ein Draufgänger und Fliegerass. Bei einem Routineflug über dem Indischen Ozean sichtet und vertreibt er zwei feindliche Kampfjets vom Typ MiG-28. Zusammen mit seinem Co-Piloten "Goose" (Anthony Edwards) wird er daraufhin an die United States Navy Fighter Weapons School, genannt Top Gun, beordert, wo er ein spezielles Training zum Elite-Piloten erhalten soll. Am Abend bevor der Lehrgang beginnt, lernt Maverick in einer Bar Charlotte Blackwood (Kelly McGillis) kennen. Am nächsten Morgen betritt Charlotte Mavericks Klasse und er findet heraus, dass sie ein ziviler Ausbilder mit dem Codenamen "Charlie" ist. Zwischen dem Schüler Maverick und seiner Ausbilderin entwickelt sich in der Folge eine Liebesbeziehung, die plötzlich endet, als Charlie einen Job in Washington annimmt und gezwungen ist, wegzuziehen. Während des Lehrgangs entbrennt ein heißer Konkurrenzkampf mit Lt. Tom "Iceman" Kazanski (Val Kilmer) um die Auszeichnung der besten Crew der Klasse. Maverick, der eigentlich der bessere Pilot ist, kommt durch seine Unbeherrschtheit schnell ins Hintertreffen. Immer wieder fällt er durch riskante Manöver und eigensinnige Aktionen auf. Bei einem Flugunfall, an dem Mavericks Konkurrent Iceman nicht ganz unschuldig ist, kommt sein Co-Pilot und bester Freund Goose ums Leben. Maverick ist am Boden zerstört und es erscheint fraglich, ob er nach dem Tod des Freundes überhaupt noch in der Lage ist, die Ausbildung bei Top Gun zu beenden. Doch dann tritt der militärische Ernstfall ein und die besten Piloten der US-Navy sind gefordert.

Verherrlichung der Kriegsmaschinerie


Da ist also diese Kampfpiloten-Eliteschule in Miramar (Kalifornien), namens Top Gun. Ein Blick ins Internet verrät: Das ist keine Erfindung. Die gibt es wirklich. Die Verblüffung hält sich in Grenzen. Die USA ist nun mal das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Und da überrascht es auch nicht, dass das Filmprojekt finanziell ordentlich vom US-Verteidigungsministerium unterstützt wurde. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Niemals sah man Kampfjets so gut in Szene gesetzt, nirgendwo gab es je so perfekt getimte Flugaction zu sehen. Verantwortlich dafür sind der Regisseur Tony Scott und Produzent Jerry Bruckheimer, der nach Top Gun ein Meister des Fachs "materialschlachtender" Actionfilme wurde. So locker, so cool wirken die Piloten in ihren bewaffneten Überschall-Jägern, dass man sich am liebsten gleich selbst rekrutieren lassen würde, um Teil dieser furchtlosen Männerbande zu werden. Wäre da nur nicht diese völlig distanzlose, unproblematische und ironiefreie Darstellung der Kampfpiloten und ihrer Tötungswerkzeuge. Man nehme diese Eingangssequenz, in der die Romantik im Sonnenaufgang startender Düsenjäger gefeiert wird. Dann die Stelle, in der sich unser Held kopfüber Cockpit-an-Cockpit über ein feindliches Flugzeug setzt. So weit, so gut. Doch spätestens, wenn Maverick bevor er in die Luftschlacht zieht, zärtlich über die Rakete an der Tragfläche seines Jets streichelt, wirkt der Film derart absurd, dass sich der Anflug von soldatischer Begeisterung recht schnell wieder zerstreut.

"Da oben hat man keine Zeit zu denken. Wenn man denkt, ist man tot"


Filmisch hat Top Gun außer den gelungenen Flugszenen leider nicht viel zu bieten. Sobald die Kamera mal nicht mehr in der Luft ist, beschränkt sich Tony Scott auf die Aneinanderreihung immer gleicher Nahaufnahmen – meist von Tom Cruise, der sich hier, euphemistisch gesprochen, noch in der schauspielerischen Selbstfindungsphase befindet. Ein gefühltes Drittel des Films zeigt ausschließlich schwitzende Männer, mal in Uniform, mal in Unterhose. Dazu passen auch die völlig sinnbefreiten Dialoge, die einem Drehbuch entnommen sein müssen, das offensichtlich mit hochprozentiger Testosteron-Tinte geschrieben wurde. Wie sonst lassen sich Sätze, wie diese erklären: "Ich spür die Gier... die Gier... nach Tempo in mir!" Wenn sich dieses Inhaltsvakuum nur auf die Cockpit-Gespräche beschränken würde, wäre es wohl halb so schlimm – das Fliegen mit Mach 2 drückt schließlich das Blut raus aus dem Kopf. Doch Dialoge dieser Art ziehen sich sogar bis in die unvermeidlichen Liebesszenen (vielleicht, weil sich das meiste Blut auch hier nicht in den Gehirnen der Charaktere befindet).



Onyourscreen.de Fazit: Sie fürchten weder Spott noch Häme


Über 350 Millionen Dollar hat Top Gun in den Kinos eingespielt, bei lediglich 15 Millionen Dollar Produktionskosten. Außerdem war der Bruckheimer-Blockbuster das Sprungbrett für so manche spätere Hollywoodgröße, wie Meg Ryan, Tim Robbins oder Val Kilmer. Und jetzt ist sogar eine Fortsetzung geplant; sogar Tom Cruise soll wieder mit von der Partie sein... Ob das wirklich sein muss, bleibt die Frage. Dennoch war Top Gun in den 80er Jahren ein Meilenstein des Kinos. Und vielleicht ist Tony Scotts Leistung auch erst auf den zweiten Blick richtig einzuschätzen. Tatsächlich macht der Film in seiner ganzen Eindimensionalität ab einem gewissen Punkt sogar irgendwie Spaß. Am Ende muss man sich Fragen, warum es überhaupt der Top Gun – Parodie Hot Shots! bedurft hatte, schließlich kann man auch mit der Originalvorlage ausreichend viel lachen. Eine besondere kulturelle Leistung hat der Film ganz sicher erbracht: Seit der berühmten Gesangseinlage, bei der Goose Maverick half, "Charlie" Blackwood in der Bar aufzureißen, ist der Begriff "Wingman" aus dem Kneipenjargon nicht mehr wegzudenken. Zwar wusste man das als Kind nicht, noch hat man damals an irgendeiner Stelle des Films gelacht, trotzdem kann man seinem vergangen jüngeren Ich nun imaginär auf die Schulter klopfen und sagen: "Du hattest recht, es ist ein Klassiker!" Man muss daher vielleicht Top Gun 2 erst mal abwarten, bevor man ihn zerreißt. Hauptsache es gibt nicht wieder derart viele schwitzende Menschen zu sehen und wenn doch, dann bitte nicht in 3-D.


© Text: onyourscreen.de / MAD

 

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