The Raid 2 © Koch Media
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Artikel vom 10.06.2014 | Echtes Kino

The Raid 2



Zwei Meinungen zum Action-Sequel aus Indonesien


Mit seiner knüppelharten Nonstop-Action bewegte 2012 The Raid - Redemption (aka The Raid, OT: Serbuan maut) selbst Kritiker zu Begeisterungsstürmen, auch wenn von den kolportierten "30 Stockwerken der Hölle" des deutschen Kinoposters gefühlt höchstens ein Drittel der Etagen durch Kampfsport-Cop "Rama" von Gangstern übelster Sorte befreit wurden. Übrigens war das nahezu die gesamte Handlung der Instant-Independent-Martial-Arts-Ikone aus Indonesien ... und das war gut so. 97 Minuten Action und Kampfkunstchoreographie pur!

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Rama lässt es erneut krachen

Kann da das mit 148 Minuten deutlich längere Sequel The Raid 2 (OT: The Raid 2: Berandal), das am 24. Juli 2014 in den deutschen Kinos startet, mithalten oder gar einen oben drauf setzen? Wir haben uns den Film zu zweit angesehen und präsentieren euch erstmals zwei unabhängig voneinander verfasste Meinungen in einem Review... viel Spaß!

Filmkurzbeschreibung


Kaum dem SWAT-Einsatz gegen Tama lebendig entronnen, muss Rama seine Familie schützen.Dazu muss er sich auf eine Undercover-Mission in Jakartas Unterwelt einlassen. Mit neuer Identität als knallharter Kämpfer Yuda arbeitet er sich im Gefängnis innerhalb der Hierarchie der Gesetzlosen nach oben. Schließlich gelingt es ihm, die Gunst von Uco zu gewinnen: Der skrupellose Sohn eines mächtigen Gangster-Bosses ist sein Schlüssel in die engsten Kreise der indonesischen Mafia. Vollkommen auf sich allein gestellt, sagt er dem gesamten verrotteten System den Kampf an.

Das meint Alex zum Film


2011 begeisterte Gareth Evans mit The Raid Action- und Martial-Arts-Fans mit seiner innovativen, eiskalten Art Kampfszenen darzustellen. Selten zuvor hatte der Zuschauer den Eindruck so nah an der Action dran zu sein - ein wirklich intensives Seherlebnis! Und das obwohl die Idee hinter dem ersten Teil mehr aus Not entstand. Zeit und Budget waren zu knapp. Evans arrangierte um: Ein Hochhaus voller Gangster, ein SWAT-Team und dann gib ihm! Die mit etwa 1 Million USD überschaubare Produktion aus Indonesien wurde zum Erfolg und Evans sah die Chance die Ursprungsidee in einer Fortsetzung umzusetzen. So läuft nun diesen Sommer The Raid 2 in unseren Kinos an. Ein fulminantes Action-Highlight.. oder etwa doch nicht?
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Ein wenig überladen, das bisherige Teaser-Poster zu The Raid 2
Werfen wir einen Blick aufs Papier. Schnell wird klar, dass dem Fortsetzungsspektakel nichts im Weg zu stehen scheint: Die gleichen Hauptdarsteller, (u.a. Iko Uwais und Yayan Ruhian, beides professionelle Kampfsportler) die gleichen Kampfchoreographen, die gleichen Leute an der Kamera... aber, was steht da? Laufzeit: 148 Minuten? "Perfekt! Noch mehr Kampfszenen!", hört man die Hardcore-Fans rufen. Doch sie werden enttäuscht.
Teil Eins wurde nicht ganz zu Unrecht wegen der zu flachen Charaktere und der fast nicht existenten Handlung kritisiert. Doch für diese Elemente ist in einem Werk, wie The Raid letztlich wenig Platz. Es besteht ein klarer Interessenskonflikt und man muss den Eindruck gewinnen, dass Evans Versuch sich dieser Problematik zu nähern und ein breiteres Publikum zu erreichen, darin besteht, sämtliche Erfolgselemente des ersten Teils zu nehmen und zusätzlich eine interessante, schmutzige Mafiageschichte über Macht und Einfluss zu erzählen. Leider wirkt die Story wie von der Stange und einige Charaktere zu allem Unglück geradezu albern. Das hielte selbst ein guter Spannungsbogen keine 2,5 Stunden aus. Zu oft reißt dieser ein und der Zuschauer wünscht sich während der meisten Dialoge sehnlichst die nächste Schlägerei herbei. Die rauhe, kalte Stimmung und die Innovation des Vorgängers leiden unter diesen Anstrengungen, die auf ihre Art gekünstelt anmuten.

The Raid 2 scheint dem Mainstream-Zwang zu erliegen und läuft dabei sogar Gefahr, die Fans der Martial-Arts Szenen zu verschrecken. Diese – und das muss man betonen - sind erneut von höchster Qualität. Die langen Takes, die perfekte Abstimmung von Choreographie und Kameraführung sowie die herrlich passende Ausgestaltung der Szenen lassen erahnen, wieviel Zeit und Mühe hier investiert wurde. Dabei sind manche Einstellungen extrem brutal und ungemein blutig; im Ganzen kann man jedoch sagen, dass die Fortsetzung dem ersten Teil in puncto Action in nichts nachsteht, ja – diesen vielleicht sogar noch übertrifft. Und eins ist dabei ganz klar: der Zuschauer ist zu jedem Zeitpunkt hautnah am Geschehen dran. Das ist es wahrscheinlich auch, was Befürworter des ersten Teils erwartet haben. Deshalb ein Vorschlag um wenigstens den einen Teil des Publikums hervorragend zu unterhalten: Wie wäre es mit einer Cut-Version, in der zur Abwechslung mal die Story herausgeschnitten wird? (AK)

 

Das meint Achim zum Film


148 Minuten sind lang. Sehr lang. Zu lang? Wie zu befürchten war, ja! Und das obwohl alle im Vorgänger vorhandenen Zutaten genauso exzellent auch in The Raid 2 landeten, nur leider nicht so kurz und knapp arrangiert wie im Prequel. Der Regisseur und Hauptdarsteller sind die Gleichen, die Kampfsport- und Stunt-Choreographien sind groß, deren Schnitt absolut dynamisch, die Brutalität zum Vorgänger fast nochmal gesteigert ... eigentlich passt alles. Nur die viel zu sehr in die Länge gezogene, genau so schon tausendmal gesehene Gangsterposse, sorgt für zu große, wenig interessante Pausen zwischen der fulminanten Action. Natürlich braucht auch ein banaler Hau-Drauf-Streifen eine Basis, aber die sollte tragen und nicht runterziehen. Doch ist man als Zuseher gerade noch gebannt von einer der fabelhaften Martial-Arts-Sequenzen, reisst einen die Story danach wieder in ein verkomplizierendes Tief ... unnötig. Hier wäre weniger mehr gewesen.
Auch die drei rivalisierenden Parteien und ihre Schergen bergen eine gewisse Diskrepanz. Da gibt es also die indonesische und die japanische Gangstertruppe. Beide halbwegs seriös, eiskalt und cool. Mafiastyle! Dazwischen aber stachelt Bandenboss "Bejo" den Krieg zwischen diesen Parteien an. Seine humpelnde, nahezu lächerlich eitele Figur wird von seinen ebenso überzeichneten Schlägern "Hammer Girl" und "Baseball Bat Man" ergänzt. Diese Truppe trägt zum Unterhaltungswert eindeutig bei, aber konterkariert auch die stilistisch leicht an klassische John Woo-Filme erinnernden, ruhigeren Szenerien. Denn immer wenn diese Partei auftritt, erinnert das ganze eher an einen Comic - wobei die Kämpfe der beiden "Supervillains" als solches mit zu den innovativsten im Film gehören. Ebenso fragwürdig erscheint es, dass man mit Yayan Ruhian (der im ersten Teil "Ramas" irren Gegner "Mad Dog" gespielt hat und - nebenbei bemerkt - gestorben ist!), hier für eine ähnliche Figur erneut ausgewählt hat. Zumindest Kenner des ersten Teils wundern sich zunächst schon arg über die wunderliche Widerauferstehung ... seltsames Casting.
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Hammer Girl in Action

Doch um es nochmal zu betonen - die Sequenzen die den ersten Teil berühmt und beliebt gemacht haben, gibt es auch im zweiten Teil zu Hauf. Alleine die unglaublichen, scheinbar schnittlosen Schlamm-Massenprügelszenen, die adrenalingeladene Autoverfolgungsjagd oder der nahezu abstrus in die Länge gezogene Endkampf entschädigen für die unnötige Tristese der Möchtegern-Handlung.

Sicher, Gareth Evans hätte es sich einfacher machen können - noch ein Hochhaus, nochmal null Story, nochmal absahnen. Auch damit wären wir nicht zufrieden gewesen.. Jedoch aus einem reinen Actioner mittels aufgepfropter Geschichte nun ein generisches Bandenkriegs-Drama mit - zugegebenermaßen - wiederum beeindruckenden Actionsequenzen zu basteln, war auch nicht der Weisheit letzter Schluss.
Fans des ersten Teils werden aber ganz sicher auch hier ihr Vergnügen finden. Spätestens bei der Heimkinoveröffentlichung, kann man ja per Vorspulen oder Skippen wieder einen reinen Kampfsportporno daraus machen. (AS)


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Das Onyourscreen.de-Fazit zu THE RAID 2


In Anbetracht der stark abweichenden Herangehensweise liegt es nahe, The Raid 2 nicht als Fortsetzung, sondern als unabhängiges Werk zu betrachten. Was bleibt, ist eine durchschnittliche 08/15-Mafiabanden-Story mit klaren Schwächen, dafür aber unverhältnismäßig guten, handwerklich einwandfreien Actionszenen, von denen sich Hollywood noch eine Scheibe abschneiden kann. Eine tragische Kombination, die leider einen unbefriedigenden, zähen Nachgeschmack hinterlässt.


© Text: onyourscreen.de / AK/AS


 
 
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