The Hateful Eight © Universum Film
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Artikel vom 17.01.2016 | Echtes Kino

The Hateful 8




Epische 187 Minuten Westernfeeling in der Roadshow-Version, immerhin noch 167 für den "normalen" Kinogänger ...
Die Auferstehung eines epischen Filmformats: Ultra Panavision 70 mm ...
Ein epischer Cast, auch ohne Christoph Waltz ...
Dann kann der (erst) achte Film von Filmfreak Quentin Tarantino doch auch insgesamt nur episch werden, oder? Sorry, nope!

The Hateful Eight © Universum Film
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Kinoplakat: The Hateful 8

Filmkurzbeschreibung


Wyoming, einige Jahre nach dem amerikanischen Bürgerkrieg: Eine Kutsche bahnt sich mühsam ihren Weg durch den Schnee in Richtung der Stadt Red Rock. An Bord befinden sich der Kopfgeldjäger John „The Hangman“ Ruth (Kurt Russell), dessen Gefangene Daisy Domergue (Jennifer Jason Leigh) sowie der Anhalter Major Marquis Warren (Samuel L. Jackson), der früher Soldat war und nun ebenfalls als Kopfgeldjäger sein Geld verdient, und Chris Mannix (Walton Goggins), ein Deserteur aus den Südstaaten, der behauptet, der neue Sheriff der Stadt zu sein. Ein Schneesturm zwingt die Gruppe zu einem Zwischenstopp in Minnies Miederwarenladen. Sie treffen dort zwar nicht auf Minnie aber dafür auf den mysteriösen Mexikaner Bon (Demian Bichir), auf den verschwiegenen Cowboy Joe Gage (Michael Madsen), auf den Konföderierten-General Sandford Smithers (Bruce Dern) sowie auf Oswaldo Mobray (Tim Roth). Während der Sturm draußen immer heftiger tobt, begreifen die acht Fremden, dass ihr Zusammentreffen vielleicht gar nicht so zufällig ist und sie Red Rock möglicherweise nie erreichen werden…

Das meint Onyourscreen.de zum Film


The Hateful 8, Story und Regie Quentin Tarantino. Nach dem sensationellen Django Unchained wieder ein Western ... und der fängt auch ähnlich großartig an. Wyoming: irgendwann nach dem amerikanischen Bürgerkrieg, wuchtet sich eine Kutsche angetrieben von einem gewaltigen Sturm im Rücken durch den Schnee. Bereits in diesem beeindruckend festgehaltenen Szenario treffen vier der maßgeblichen acht Charaktere des Streifens aufeinander und duellieren sich ... wortgewandt! Hier darf man schon das eine oder andere mal schmunzeln, sei es aufgrund des geschliffenen Hin- und Her und Pro und Contra der Reisenden oder auch nur weil die Gefangene Daisy Domergue mal wieder den Ellbogen in die eh schon blutige Visage kriegt. Bereits hier zeigt sich das Tarantino erneut sein Gespür für die richtige Besetzung hat walten lassen: Sind Samuel L. Jackson oder Jennifer Jason Leigh per se eine Bank, können vor allem Kurt Russell und Walton Goggins richtig einen raus hauen. Wenn überhaupt mag man Tim Roth (als "Henker" Oswaldo Mobray) ein wenig hinterfragen, bei dem man irgendwie das Gefühl hat, das er Christoph Waltz ersetzen/imitieren wollte. Doch bis die Vier aus der Kutsche auf ihn und den Rest der haßerfülten Acht treffen, zieht es sich noch ein wenig und als Zuseher bleibt man trotz der Längen weiterhin guter Dinge. Hat man sich schlußendlich in "Minnie’s Haberdashery" gefunden, artet der Western in einen kammerspielartigen Krimi aus. Grundsätzlich nicht verkehrt und weiterhin fulminant anzusehen, immer wieder mal überraschend und trickreich verdreht aber leider viel zu selbstverliebt und ausdehnend verdialogt. Hier übertreibt es Tarantino und mutet dem Zuseher doch zu große Durststrecken zu, während sich ganz, ganz gemächlich herauskristallisiert wer wen kennt und warum genau diese acht genau jetzt und genau hier aufeinandertreffen, spannungstechnisch aber zu selten durch Highlights unterbrochen. Einfach zu wenig für 167 Minuten, viel zu wenig für die 187 der Roadshow-Version.

The Hateful Eight © Universum Film
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Beim Dreh

Das Onyourscreen.de-Fazit zu The Hateful 8


Nicht falsch verstehen, vermutlich ist The Hateful 8 tatsächlich das Highlight in der Ausnahme-Karriere des Quentin Tarantino und alle Fanboys werden aufschreihen gegen jede Kritik an diesem filmischen Meisterwerk. Und ja - das ist es: ein filmisches Meisterwerk, allerdings eines bei dem man vergessen hat Wert auf die Unterhaltung der Zuseher zu legen. So geschliffen die Dialoge sind, so überraschend wie die typisch tarantinoesquen Gewaltexzesse explodieren, so toll wie die Kamera die Details des einen maßgeblichen Drehortes auch einfangen, so deutlich macht sich der fehlende Unterhaltungsfaktor bemerkbar und lässt Tarantinos Achten trotz aller epischer Superlative nicht zu seinem Stärksten werden.



© Text: onyourscreen.de / AS


 
 
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