The Bird People in China
Artikel vom 27.01.2012 | Heimkino->DVD

THE BIRD PEOPLE IN CHINA



Miike kanns auch poetisch


Vielfilmer Takashi Miike - vermutlich ist er schon bei über 100 Streifen - der Anfang des neuen Jahrtausend vor allem durch Audition und Dead or Alive der weltweiten Öffentlichkeit ein Begriff wurde und dessen Markenzeichen oft Gewaltexzesse und morbid-skurrile Ideen sind, kann auch anders. Das hat der umtriebige Autorenfilmer schon mehrfach bewiesen, aber selten so extrem wie in The Bird People in China.

Mediafacts
The Bird People in China
Cover: The Bird People in China
Titel: The Bird People in China
Originaltitel: ?????, Ch?goku no ch?jin
getestete Version: DVD
Cast: Masahiro Motoki, Renji Ishibashi, Mako
Regie: Takashi Miike
Produktionsland: Japan
Studio/Verleih: Ascot Elite Home Entertainment
Erscheinungstermin: 2007
Produktionsjahr: 1998
Spieldauer: 119 Minuten
Format: Dolby, HiFi Sound, Letterboxed, PAL
Sprache:Deutsch (DD 2.0), Japanisch (DD 2.0)
Regioncode: 2
Format: 16:9 – 1.77:1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren

Filmkurzbeschreibung


Der junge Japaner Wada wird von seinem Arbeitgeber vom turbulenten, lauten und hektischen Tokio in eine entlegene Region Chinas geschickt. Seine Aufgabe, die eigentlich ein kürzlich erkrankter Kollege übernehmen sollte, ist es, die Wirtschaftlichkeit einer Jademine auszuloten und sie für die Firma zu erwerben. Gerade in China eingetroffen und von dem zur Verfügung gestellten Führer aufgelesen, macht er Bekanntschaft mit dem gewaltbereiten, nervösen Ujiie. Dieser macht Wada klar, das er ein Vertreter der Yakuza ist denen Wadas Firma Unmengen an Geld schuldet - aus diesem Grund weicht Ujiie ihm auch nicht mehr von der Seite. Die mehr als chaotische Reise zur Jademine führt die seltsamen Weggefährten auf beschwerlichem Wege in eine von der Außenwelt abgeschnittene Gegend. In dem Dorf das die Mine für sich beansprucht, finden sich nicht nur einige interessante Persönlichkeiten sondern auch eine faszinierende Legende. Diese erzählt von fliegenden Menschen - Übungen dazu sind hier gar Schulstoff. Wada der vor allem von der mysteriösen Schullehrerin fasziniert ist und der albtraumgeplagte Ujiie, der hier nach und nach seinen Frieden findet, erlangen hier beide eine Ruhe, der sie sich nicht mehr entziehen können oder wollen.

Das meint onyourscreen.de zum Film


Takashi Miike, dem wir ja schon mit Zebraman und Sukiyaki Western Django einige Aufmerksamkeit gewidmet hatten, schuf 1998 - also noch vor seinem internationalem Durchbruch (wenn man das so nennen möchte, denn in Wahrheit ist der Name des Ausnahmeregisseurs doch nur Filmkennern ein Begriff) - mit dem extrem langsam erzählten The Bird People in China seinen wohl ungewöhnlichsten und poetischsten Film. Allein die Altersfreigabe dürfte bei Fans schon für ein ungläubiges Stirnrunzeln sorgen, wir kennen ansonsten keinen Miike Movie der berieits ab 12 freigegeben ist.
Der Film fängt eigentlich recht typisch für diesen Regisseur an. In Rückblenden, ausgehend vom im Zug sitzenden Hauptprotagonisten Wada, wird in harten, teils absichtlich zu schnell laufenden Bildern das hektische Leben in Japan gezeigt und dargestellt, wie und warum unser Held mit dem Auftrag die Jademine in China aufzusuchen betraut wurde. Gerade diese Bilder stehen im krassen Gegensatz zu den fast melodischen Landschaftsaufnahmen und Stimmungsbildern des dritten Filmabschnitts. Der mittlere und verbindende Teil des ungewöhnlichen Werks zeigt das Treffen auf den Yakuza und die sehr beschwerliche Reise der Protagonisten zum Zielort.

Gerade der schon fast roadmovie-artige zweite Filmabschnitt zeigt komische Seiten, was leider aufgrund nicht optimaler Synchronisation im Originalton vemutlich bedeutend besser rüberkommt. Das fällt im späteren Verlauf dann glücklicherweise nicht mehr ganz so auf, da sich die Dialoge beruhigen und die Handlung anders getragen wird.

Das meint onyourscreen.de zur DVD


Frechheit. Ehrlich, eine absolute Frechheit. Kein Zusatzmaterial, bescheidene Synchro und ein wirklich mieses Mastering machen diese Kleinod an Film leider zum Teil zunichte. Gerade die weitläufigen Landschaftsaufnahmen leiden doch stark am rauschenden, pixeligen Bild. Mehr als schade, dieses cineastische Kleinod hätte wirklich besseres verdient. Nunja, zumindest das Cover ist schick.


Das onyourscreen.de-Fazit zu THE BIRD PEOPLE IN CHINA


Was uns genau an The Bird People in China so fasziniert hat, is schwer zu sagen. Die Geschichte ist verhältnismäßig einfach, die Mittel nicht sonderlich hochkarätig. Die Schauspieler sind solide, der Score ok. Möglicherweise ist es die ungewöhliche, subtile Lovestory zwische Wada und der Lehrerin? Vielleicht ist es Ujiie's Wandel vom rauhbeinigen Yakuza zum Naturversteher, vom Verbrecher mit Albträumen zum Verfechter der Einfachheit des Landes? Am wahrscheinlichsten sind es aber unterschwellig zumindest die faszinierenden Naturaufnahmen des fast ausschließlich in China abgedrehten cineastischen Kunstwerks zusammen mit den Möglichkeiten zur eigenen Interpretation der dem Film zu Grunde liegenden Legende der "Bird People".
Für experimentierfreudige Filmliebhaber ist dieses für Takashi Miike sehr ungewöhnliche und völlig unaufgeregt gefilmte Movie eine klare Empfehlung. Wer die für diesen Regisseur sonst stehenden Extreme wie in Ichi the Killer sucht, wird enttäuscht sein.


© Text: onyourscreen.de / AS


 
 
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