Texas Chainsaw Massacre © Turbine Media
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Artikel vom 11.12.2018 | Heimkino->Blu-Ray

Texas Chainsaw Massacre - eine kleine Retrospektive



...jetzt auch als Amaray


Schwierig, über DEN Klassiker, Wegbereiter und Mitbegründer des Slasher-Genre noch etwas zu schreiben, was man noch nicht gehört hat. Dabei gibt es so unendlich viel zu sagen über Hooper's Meisterwerk, doch diese Zeilen reichen nicht aus, um diesem Klassiker auch nur ansatzweise gerecht zu werden. Allem voran nicht dann, wenn der Verfasser dieser Zeilen von Anbeginn ein großer Verehrer des Franchise ist ...

Daher gibt’s jetzt eher eine kleine Retroperspektive


Mann kann es auch drehen und wenden wie man will ... für den einen ist es "Schund" und für diejenigen, die seit jeher dem Slasher und dem Horror-Gerne im allgemeinen zugetan sind, ist es "Kult" ... und sein Name hat seit Beginn an einen elektrifizierenden Klang: The Texas Chainsaw Massacre. Gebündelte Attribute wie Gewalt, Splatter, Wahnsinn und Genialität prägen bis heute diesen Titel, wobei der "Splatter" eher unbewusst und im Zusammenhang damaliger aufkommender Trittbrettfahrer unfreiwillig mit aufgenommen wurde, denn Splatter gab und gibt es nicht in Tobe Hooper's Meisterwerk. Wenn dann wie vieles nur im Kopf der Zuschauer.

Im Grunde begann alles was den Klassiker betrifft, der unzählige Epigonen inspirierte, im Jahre 1974. Ein ambitionierter Filmemacher, namentlich Tobe Hooper, wollte einfach ins "Big Business" einsteigen. Inspiriert von Romero's Night of the living Dead sah er für sich im Horrorgenre die besten Chancen. Hooper selbst äußerte sich damals, dass ihm die Idee für jenen Film in einer Fleischwarenabteilung gekommen ist; abgehangenes Fleisch und dazu die bizarre und teils abartige Geschichte von Amerikas berühmtesten Massenmörder (Ed Gein), der harmlose Bürger abmurkste um aus ihren Knochen Möbel zu zimmern, reichten ihm als Vorlage vollkommen aus. Das Budget betrug gerade einmal lächerliche 160.000 Dollar und Hooper verstand es wie kein zweiter, aus dem Stoff einen der bis heute intensivsten Klassiker des Slashergenres zu kreieren. Seine Erfahrungen als Dokumentarfilmer kamen ihm dabei zugute, da sein Film diesen unverwechselbaren, dokumentarischen Stil inne hat und den Zuschauer auf eine intensive und unvergessene Achterbahnfahrt der Gefühle mitnimmt. Es prägen sich unweigerlich die Bilder beim Betrachter ein, die Hooper für die Untermalung seines dokumentarischen Stil auch nutzt: sengende Hitze, die von Texas direkt ins heimische Wohnzimmer Einzug zu halten scheint, die rohe und schroffe Inszenierung und das entsprechend bedrückende Setting, bleiben bis heute in den Köpfen der Zuschauer.

Texas Chainsaw Massacre © Turbine Media
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Der Cast seines Filmes war bis dato gänzlich unbekannt, jedoch war man auch aus Budgetgründen bereit, den Protagonisten (allesamt Studenten an der University of Texas) eine Chance einzuräumen. Allen voran natürlich dem eigentlichen Star des Films, „Leatherface“, gespielt von dem Isländer Gunnar Hansen. Hansen, der am 7. November 2015 leider verstorben ist, prägte wie kein anderer diesen Charakter, der bis heute als eine der wichtigsten Slasherikonen gilt. Somit gehört Gunnar Hansen's „Sägentanz“ zu den wohl plastischsten Beispielen außer Kontrolle geratenden Wahns ... denn man ließ Hansen ohne Regieanweisung freien Lauf.

Erfolgreich wurde der Film natürlich dennoch und unbeachtet blieb er nicht nur bei den Fans. Selbst das Museum of Modern Art in New York sicherte sich seinerzeit eine Kopie. Der auf 16mm gedrehte Film spielte recht respektable 40 Millionen Dollar ein. Reich aber wurden alle, nur nicht die Darsteller. Der größte Horror war jedoch noch nicht einmal der Film selbst, sondern der Vertrieb. Niemand kann bis heute eigentlich sagen, wo die ganzen Millionen hingeflossen sind. Nachdem die ursprüngliche Verleihfirma "Bryanston" mit rund 20 Mio. Dollar vom Erdboden verschwand und die Vertriebsrechtler sich die Klinke in die Hand gaben, blieben die Darsteller auf der Strecke. Auch Hooper wurde nicht reich, hat aber sein Ziel erreicht und schaffte somit den Sprung in die Top Ten der Liga der Horrorfilmer.

In Deutschland hatte es der Klassiker nicht einfach, zumal der Vertrieb nach der Beschlagnahmung 1985 alles andere als einfach wurde. Der deutsche Rechteinhaber "Turbine Media" kämpfte seit 2008 für die Rehabilitierung dieses Klassikers ... mit Erfolg. Am 6. September 2008 kam dann der große Befreiungsschlag. Die 31. große Strafkammer des Landgericht Frankfurt am Main hob die Beschlagnahme auf und sprach somit nach insgesamt 26 Jahren, diesen Klassiker vom Vorwurf der Gewaltverherrlichung und menschenunwürdigen Darstellungen frei. In Zusammenhang mit der Listenstreichung gab Turbine auch den Termin für die erste Neuveröffentlichung bekannt. Am 16 März 2012 wird "TCM" erstmal offiziell in Deutschland veröffentlicht. Turbine hat bereits eine Vielzahl Veröffentlichungen dieses Klassikers released und die Beliebtheit dieses Urgesteins, geben den sympathischen Münsteranern das benötige Feedback, auch weiterhin an tollen VÖ's für „Jedermann“ zu arbeiten. Zum letzten Mediabook, welches die Discs in neu bedruckten Design zeigte und zudem ein wahnsinnig informatives Booklet parat hielt, gesellt sich nun die reguläre Vanilla-Variante, in der für Turbine typischen, transparenten und schicken Amaray dazu. Somit wäre auch hier wieder jene Käuferschicht zufrieden, die nicht dem Hype des Mediabooks fröhnen möchte. Auch das Coverart der französischen Designvariante gefällt in dieser Konstellation ganz hervorragend.
Aber auch Teil 2, welcher ebenfalls von Turbine erfolgreich rehabilitiert wurde, darf sich einer Amaray-Variante erfreuen. Kurz ein paar Worte zum Sequel. Durch Hoopers Erfolg wurde die damals renommierte „Cannon“-Schmiede auf Hooper aufmerksam. Ein "Drei-Filme"- Vertrag sollte ihm weitere Lorbeeren sichern. Doch leider blieb der Erfolg aus, denn Lifeforce und Invasion vom Mars floppten gewaltig. Und somit wurde nach 12 Jahren die legendäre Kannibalensippe um Leatherface 1986 wiederbelebt um den gewünschten Erfolg zu sichern.

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Alle drei jetzt auch als "normale" Blu-ray

Natürlich wusste Hooper, dass er jenes Erfolgsrezept kein zweites mal genauso auftischen kann und somit eine Kurskorrektur an die heutigen Sehgewohnheiten vornehmen musste. Die Voraussetzungen waren denkbar günstig: Tobe Hooper als Regisseur, Kit Carson (Paris, Texas) als Autor und Tom Savini als Effekte-Guru und Kultstar Dennis "Easy Rider" Hopper als abgedrehter Ex-Bulle, der seine Verwandten aus dem Erstling rächen will, die von "Leatherface" zersägt wurden. Satte vier Mio. Dollar standen Hooper als Budget zur Verfügung. Dazu dann das Konzept mit mehr Witz und Tempo, Yuppies statt Kids und ein "Leatherface" mit dezenten Romeo-Attitüden, härtere FX und ein poppiger Soundtrack (The Cramps, Oingo Boingo etc.) sollten das Konzept abrunden.
Für die Kritiker ertrinkt dieser Bastard aus Selbstironie und Sozialkritik im eigenen Blut, aber für die Fans war auch dieser zweite Teil eine Offenbarung. Somit tat Hooper das einzig richtige und bewegte sich weg von seinen dokumentarischen Wurzeln und kreierte ein „poppig-buntes“ Effektfeuerwerk, welches aber trotz Selbstironie einen dennoch fortwährenden, düsteren Unterton mit sich brachte. Das Setting eines abgelegenen Freizeitparks samt seiner Katakomben, bot exzellenten Spielraum für die Sippe, die mal herrlich schräg und total überzeichnet agiert, aber auch angsteinflößend und morbid. Allen voran der Charakter "Chop Top" (Bill Moseley) sticht prägnant heraus und avancierte zum Kult.
Die Rolle des Leatherface wurde im übrigen erneut Gunnar Hansen angeboten, der aber aufgrund der teils nicht erfolgten und auch schlechten Bezahlung, „dankend“ ablehnte. Somit besetzte man zunächst diese Rolle mit Bill Johnson, der zumindest die physischen Qualitäten mitbrachte. Jedoch zeichnet sich schnell ab, dass Johnson die schwere Säge nicht „heben“ und gewisse Aktionen somit selbst nicht ausführen konnte. Die Szene zu Beginn, in der Leatherface auf dem Truck agiert, wurde in Cooperation mit Tom Morga und Bob Elmore ausgeführt. Da Bob Elmore alle Szenen mit der Säge ausführte, wurde er nicht nur als Stuntman, sondern auch als „Actor“ verpflichtet und spielte zu 98% die Rolle des "Leatherface".
Bill Johnson selbst, kehrte nur für zwei weitere Einstellung am Ende des Films, ans Set zurück. Leider ein Aspekt der extrem vernachlässigt wurde, da Bill Johnson im Vorspann immer noch kreditiert wird und Bob Elmore nur in den „Stunts“ erwähnt wird.

Wie dem auch sei ... beide Teile sind "Kult" und wurden gebührend in den weltweit besten Editionen von "Turbine Media" released. Egal ob als Digipack, Mediabook, Boxset, Steelbook/Futurepak - alles in bestmöglicher und fan-orientierter Art. Auch The Texas Chainsaw Massacre 2 bekam nun den verdienten Release in der Amaray ... und das Cover der Amaray ziert nun das eigens für das von "Turbine" veröffentlichte Boxset gezeichnete Motiv.

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Leatherface (2017)

Anmerken möchte ich noch, dass der ebenfalls ausgezeichnete Leatherface, sich perfekt neben den beiden Amarays von TCM 1 und TCM 2 einfügt. Denn immerhin ist er das Bindeglied zwischen dem Erstling und schließt somit den Kreis der TCM-Saga im Hause "Turbine Media" und gehört somit in "jede" gottverdammte The Texas Chainsaw Massacre-Sammlung. Ein wahnsinnig komplexes Franchise mit vielen Facetten, die es gilt immer wieder erneut zu entdecken. Und mit den vorliegenden Amaray's gibts nun keine Ausrede mehr, diese Klassiker nicht im Schrank stehen zu haben ... "Turbine" sei Dank.


© Text: onyourscreen.de / Frank Deutscher-Heister

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