Texas Chainsaw Massacre - Die Rückkehr © Sony
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Artikel vom 09.12.2019 | Infos und Gewinnspiele

Texas Chainsaw Massacre: Die Rückkehr



... aka "The next Generation"


Texas Chainsaw Massacre - Die Rückkehr © Sony
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Cover der ungeschnittenen Blu-ray
Es ist ein fast schon "legendäres" Kulturgut, dass das inzwischen Acht Teile umfassende "Texas Chainsaw Massacre"-Franchise umgibt. Aneinander gereihte Sequels, die in ihrer Qualität unterschiedlicher nicht hätten sein können. Egal ob frenetisch abgefeiert oder verhasst, bis hin zur mangelnden „Existenzberechtigung“ - Fans des Franchises hatten es oftmals nicht leicht. Insbesondere der vierte Teil Texas Chainsaw Massacre - The next Generation oder auch schlicht und ergreifend Die Rückkehr, hat bis heute einen nicht ganz so einfachen Existenzstatus inne. Vielmehr gilt diese Sequel bisweilen als das „schwarze Schaf“ des Franchise. Grund genug, uns einmal ausführlich mit diesem Titel auseinander zu setzen, was wir in diesem ausführlichen Bericht auch tun werden. Der Autor ist selbst größter „TCM“- Fan seit weit über 25 Jahren und sieht das Ganze dann deutlich differenzierter.

Fangen wir mal etwas weiter vorne an, ohne das Franchise und die Vorgänger näher zu durchleuchten, denn das würde den Rahmen dann noch einmal sprengen. Der 1990 erschienene Leatherface - Texas Chainsaw Massacre 3, enttäuschte insofern die damaligen Rechteinhaber „New Line Cinema“, da dieser aufgrund des eher schlechten Einspielergebnisses regelrecht floppte. Demzufolge ließ New Line die Lizenzen auslaufen und realisierte auch nicht die eigentlich vertraglich vereinbarten, zwei weiteren Fortsetzungen. Doch auch wenn die Rechteinhaber des "TCM"-Franchise, in erster Linie Robert Kuhn, sich wenig glücklich über die Zusammenarbeit von "Cannon" und auch "New Line" zeigten, wollte man das Franchise nicht so ohne weiteres zu Grabe tragen. Kim Henkel, der zudem prozentual an den Rechten beteiligt ist, war ebenfalls nicht abgeneigt, den ein oder anderen Dollar einzuheimsen und setzte sich selbst daran, ein neues Drehbuch zu verfassen. Da man komplett in Eigenregie das vierte Kapitel der Sägensaga verwalten wollte, gründete man kurzer Hand die Firmen „River City“ und „Ultra Muchos“ und begab sich auf die Suche nach einem Verleiher und potenziellen Geldgebern. Diese blieben jedoch aus und Henkel sammelte mühselig den eher bescheidenen Betrag von knapp 600.000 Dollar ein, den er sich bei dem ein oder anderen Befürworter seines Drehbuchs geliehen hatte. Aus Kostengründen führte er gleich selbst Regie und gab somit auch gleich sein Regiedebüt ab.
Grundidee war es, nicht ein direktes Sequel hinterher zu schieben, sondern sich am „Original“ von Hooper zu orientieren. Zwar finden sich im Prolog zu Beginn des Films die ein oder anderen Hinweise auf die vorherigen Sequels, doch im Film selbst werden diese komplett außen vor gelassen. Jedoch wurden zum Ende des Films die Cameo-Auftritte von Marilyn Burns (Sally Hardesty im Original), Paul A. Partain (Fanklyn) und John Dougan (Grandpa) eingebaut, um den Fans den nötigen Tribut zu zollen. Zum eher „zweitrangigen“ Cameo-Cast gesellten sich zwei inzwischen echte Weltstars, nämlich Matthew Mc.Conaughey und Renée Zellweger, doch dazu später mehr.

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  • Texas Chainsaw Massacre - Die Rückkehr<br>© Sony
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Gedreht wurde im Jahre 1993 in einem abgelegenen Farmhaus in Pfluggerville, Texas und Bastrop. Der gesamte Cast, als auch die Crew, kamen allesamt aus Texas, Austin und Umgebung. Lediglich James Gale (Rothman) kam aus Houston. Gedreht wurde überwiegend Nachts, wie der damalige Make-Up Artist J.M. Logan verkündete, da die Temperaturen am Tage fast unerträglich waren. Nachdem sich die Post-Produktion bis 1994 hinzog (Henkel musste immer wieder neues Kapital besorgen), feierte der Film seine Premiere im Jahre 1995 auf den „South by Southwest Film and Media Conference“ Festival. Dort noch unter dem ursprünglichen Produktionstitel Return of the Texas Chainsaw Massacre. Im Jahre 1995 erwarb Columbia Pictures den Film für 1.3 Millionen Dollar. Mit einem Werbebudget von rund 500.000 Dollar brachte man den Film am 22. September 1995 regulär in allerdings nur 27 US-Kinos. Man erzielte lediglich ein Einspielergebnis von 44.727 Dollar.
Im späteren Verlauf des Jahres 1995, wurde der Film in Japan auf Laserdisc released, welcher dort in einer besonderen „Langfassung“ zu sehen ist und bis heute ein begehrtes Sammlerobjekt ist. Da Mc.Conaughey und Zellweger in der Zwischenzeit zu namhaften Stars in Hollywood wurden, dachte sich Columbia Pictures, den Film erneut ins Kino zu bringen, um eben fortan mit den nun bekannten Namen die Kassen klingeln zu lassen.Der Film wurde in seinen Handlungssträngen deutlich gestrafft und sollte dann unter dem Titel Texas Chainsaw Massacre- The next Generation erneut ins Kino gebracht werden. Doch der Release sollte sich weiterhin hinauszögern, da die recht einflussreiche Agentur von McConaughey namens C.A.A., einen nicht unerheblichen Druck auf Columbia ausübte.
In einem Interview mit dem „Austin Chronicles“ äußerte sich Robert Kuhn, dass man Matthew McConaughey nicht als reines Werbemittel und Aushängeschild für den Film nutzen würde. Zwar zeigte man sich gewisser Maßen für die Situation verständlich, war zugleich aber auch verärgert, dass C.A.A auch keinen Kinostart realisieren wollte. Zu allem Übel wurden Henkel und Kuhn vom Rechteverwalter Chuck Grigson verklagt, da der vertraglich zugesicherte Kinorelease ausblieb. Den jedoch sollte es ursprünglich geben, trotz fehlender Kopienanzahl und vorzeigbarem Marketingbudget.

Texas Chainsaw Massacre - Die Rückkehr © Nameless Media
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Um weitere Kosten und etwaige Klagen auszuschließen, gab man die Rechte zurück an den Independent „CFP“. Diese stellen dann die um sieben Minuten gestraffte Next Generation-Variante in 20 ausgewählte Kinos. Zu diesem Zeitpunkt spielte der Film schlappe 190.000 Dollar ein. Bis auf einige wenige positive Kritiken, scheiterte der Film an der Kinokasse und gilt mitunter als einer der schlechtesten Sequels im Horrorgenre. Doch ist das wirklich so? Und warum ist das so?

Kim Henkel selbst sagte, dass er ganz bewusst überzeichnete Figuren im Sequel haben wollte. Karikaturen der typischen, amerikanischen Jugend. Henkel machte nie einen Hehl daraus, dass er die Mordfälle der bekannten Serienmörder „Ed Gein“ und „Elmer Wayne Henley“ zitiert und sie als Einfluss für seinen Film nutzte. Ebenfalls völlig bewusst, hat er eine gewisse weibliche, sehr feminine Note ins Drehbuch geschrieben, allen voran was den Charakter von „Jenny“ (Renée Zellweger) betrifft. „Es ist ihre“ Geschichte, so äußerte sich Henkel. Es geht um ihre persönliche Verwandlung, ihre Weigerung den Mund zu halten und somit ein Opfer zu werden. Jenny sollte in eine Welt gebracht werden, in der die Kultur schon fast grotesk übertrieben anmutet und ihr somit die Möglichkeit zu geben, ihre Welt ein Stück weit klarer zu sehen. Es sollte eine albtraumhafte Welt gezeigt werden, die mit der neuen Chainsaw Familie in Einklang gebracht werden und neue Sichtweisen auf ihre eigene Welt erlauben.
Wie man hier schon sieht war und ist Henkels Film von Anfang an ein „missverstandener Bastard", den man viel zu früh zu Unrecht abgestraft und vergessen hat. Seine Version ist nichts anderes, als eine zynische Neuinterpretation des Originals, wobei er diese mitunter sogar bewusst parodiert. Leatherface's Ineffektivität wird ebenso zitiert, wie auch die archetypischen Teenager-Charaktere als Beweis dafür, dass der Film ein gewisses Statement setzt; nämlich dass der Film einen Kommentar zum abflauenden Horrorboom der späten achtziger Jahre inne hätte: Leatherface, einst im Umgang mit seinen Opfern effizient, methodisch und eher lautlos, ist fortan ein permanent schreiender Bastard, der die Protagonisten eher kreischend jagt, anstatt sie zu töten. Die Familie selbst ist auch fortan keine Kannibalensippschaft mehr, sondern birgt eher stereotype Persönlichkeiten, die statt Menschenfleisch lieber eine Pizza essen. Also gänzlich andere Aspekte, als sie Hooper damals anführte und bis dato in den Sequels thematisiert wurden.

Eines der wichtigsten Elemente, ist natürlich der Charakter von Leatherface selbst. Ein ganz wichtiges und wohl markantes Element, welches von Fans und Filmkritikern nicht immer wohlwollend aufgenommen wurde. Zwar wurden diese „Cross Dressing“-Elemente schon im original Film von Hooper angewandt, aber in „Next Generation“ bewusster umgesetzt. Leatherface Darsteller Robert Jacks löst jenes Unterfangen gänzlich individuell und bringt neben der physischen Präsenz auch die benötigte Körpersprache mit. Der ehemalige (inzwischen schon länger verstorbene) Radiomoderator aus Austin, Texas, der mit dem „Butthole Surfer“ Gibby Haynes eine eigene Radioshoiw moderierte, bringt den Charakter „Leatherface“ auf eine ganz neue Ebene ... eine gänzlich andere, die man zuvor so nicht kannte.
Leatherface hatte schon immer, so wie Hooper dies damals auch zitierte, eine „verwirrte Sexualität“, welche zudem recht komplex anmutet. Damalige „deleted Scenes", in denen sich Leatherface (Gunnar Hansen) vor dem Spiegel schminkte, festigen dieses Attribut. Es hat also durchaus Gründe, warum es neben der regulären „Slaughter"- und "Grandma"-Maske, auch eine „Pretty-Woman“-Maske gab, da eben jene Attribute als grundsätzliche Charakterzüge, immer präsent waren. Auch wenn die späteren Sequels, diesen wichtigen Aspekt nie wieder thematisierten. Denn die unaufhaltsame „Killermaschine“, die Michael Bay aus diesem Charakter geformt hat, war nie die Ausgangslage von Hooper und schon garnicht seine Intention. Jedenfalls darf konstatiert werden, dass Robert Jacks, nicht nur von seiner physischen Präsenz, sondern auch von seiner Performance als Leatherface, alles richtig macht und die drei Charakterstufen eindrucksvoll darstellt.

Matthew McConaughey sollte ursprünglich eine ganz andere Rolle bekleiden. Er sprach für die Rolle eines jungen Motorradfahrers vor, der Jenny am Ende des Films rettet und in bester Romeo-Manier mit ihr in den Sonnenuntergang fährt. Diese Szene wurde jedoch komplett aus den Script entfernt. Bevor er das Casting verließ fragte Regisseur Kim Henkel, ob er jemanden kenne, der für die Rolle des Bösewichts „Vilmer“ geeignet sei. McConaughey schlug zwei Schauspielkollegen vor und wollte sich wieder in seinen Truck setzen, realisierte aber dann, was er da gerade tat. Er ging zurück und fragte, ob er für die Rolle des „Vilmer“ vorsprechen kann. Henkel gab ihm einen Löffel aus der Küche und forderte ihn auf so zu tun, also ob dies ein Messer wäre und er die Sekretärin erschrecken sollte. Er war so überzeugend, dass er die Rolle bekam.

Texas Chainsaw Massacre - Die Rückkehr © Sony
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Fakt ist, dass Matthew McConaughey mit dem Charakter des „Vilmer“, den wohl mitunter bedrohlichsten und durchgeknalltesten Protagonisten im gesamten TCM-Franchise mimen konnte. Seine Performance ist komplett abgedreht und sucht ihresgleichen. Sein später zum Markenzeichen avanciertes „Alright, alright, alright“ stammt aus jenem Film und ist inzwischen Kult.
Ein ebenfalls interessantes und bis dato als Phänomen zu deutendes Mysterium, ist der Protaginist „Rothman“, der von James Gale verkörpert wird. Wer er ist, woher er kommt und welche Funktion er hat, ist ohne Hintergrundwissen auch kaum zu verstehen, da der Film diese Fragen nicht beantwortet. Rothman besitzt einen englischen Akzent, liest zudem eine europäische Zeitung (Le Figero), ist offensichtlich sehr reich und hat mit der Familie als solches nicht direkt etwas zu tun. In einer älteren "Fangoria" sagte Kim Henkel, dass Rothman einem höheren Rang angehört. Am Ende des Films erwähnt er gegenüber Jenny, dass dies ein „spirituelles Erlebnis“ sein sollte, quasi angelehnt an etwas kannibalisches. Er war verärgert darüber, dass „Vilmer“ dieses spirituelle nicht umsetzte und lediglich einen Terrorakt verüben wollte und zudem die Opfer nicht isst, sondern einfach nur terrorisiert. Aber das sind ebenfalls nur wage Vermutungen, die mal beiläufig geäußert wurden. Die kannibalistischen Anleihen rühren auch daher, das der „Körperschmuck“ von Rothman die ein oder andere kannibalische Ader legitim zulässt, ebenso seine Handlung, Jenny das gesamte Gesicht abzulecken.

Texas Chainsaw Massace - Die Rückkehr ist also ein eher zweischneidiges Schwert, welches die Fans in zwei Lager spaltet. Es gibt hier kein Mittelmaß oder Zwischending ... das typische „Love and Hate“-Syndrome kommt hier zum tragen. Wer sich tolerant und mit leichten Hang zum „Trash“ darauf konzentriert, was TCM im Grunde immer war und sich auf die immer schon präsenten Charakterzüge von Leatherface einlässt, der bekommt einen wirklich gelungenen Terrorfilm mit einem herausragenden Matthew McConaughey, der das Terrorlevel auf ein ungeahntes Niveau transportiert.
Dazu haben wir einen agilen und extremst verstörenden Leatherface und ein eindrucksvolles „Final Girl“, sowie ein vertrautes und gut gewähltes Setting mit der dazugehörigen schmuddeligen Atmosphäre. Man muss sich einfach darauf einlassen können und sich von den nachfolgenden Sequels und deren Marschroute lösen. Denn TCM 4 kann deutlich mehr, als nur die Gemüter zu spalten.
Eines steht aber außer Frage und darf im Kontext auch gerne so konstatiert werden. Der Film ist „sprichwörtlich“ „die Rückkehr“ zu alten Tugenden, aber gewiss kein Film für die „nächste Generation“, die den Film garnicht erst verstehen will.

Nachdem der Film von Nameless Media in sehr schicker Büste und in diversen Mediabooks (inkl. Langfassung) released wurde, ist der Film inzwischen von der Bundesprüfstelle vom Index genommen worden und seit Oktober diesen Jahres in seiner regulären FSK 18 Freigabe auf dem regulären Markt zu erwerben. Die Neuauflage von "Sony Home Entertainment" überzeugt. So ist jene Neuauflage doch eine deutliche Verbesserung zur alten DVD. Nicht nur die Bluray, sondern auch die DVD überzeugen mit einen Top-Bild und Top-Ton.

Der Gewinner unseres Gewinnspiels war Benjamin B. aus St. Wendel


© Text: onyourscreen.de / Frank Deutscher Heister


 
 
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