Terrifier © Tiberius
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Artikel vom 23.04.2019 | Heimkino->Blu-Ray

Terrifier



Killer-Clown


Das Horror-Genre gliedert sich ja inzwischen in vielfältige Subgenres. Unter anderem gibt es da auch das „Clown Genre“, denn Killerclowns sind nicht erst seit Stephen Kings Es in aller Munde und erfreuen sich stetig wachsender Begeisterung. Neben dem 80iger Jahre Klassiker Killerclowns from Outer Space überzeugte der aus dem Jahre 2012 veröffentlichte Stitch, der die perfekte Symbiose aus knallharten Kills mit grandioser Situationskomik bot und bis heute einen beachtlichen Kultstatus verbucht. Natürlich gibt’s immer wieder die berüchtigten Trittbrettfahrer, die auf dem Hype der „Clownomania“ aufbauen wollen und so die eine oder andere Trashgranate zum Vorschein bringen, auch wenn sie im Regelfall substanziell eher „ein mauer Aufguss“ dessen sind, was andere zuvor schon erfolgreich besser gemacht haben ... wie just eben oben genannter Stitch. Letzter nennenswert bekannter Vertreter war Eli Roth's Clown, der eine perfide Idee inne hatte und den Killerclown quasi als „Metamorphose“ darstellte, der im Grunde eine Art „Exorzismus“-Attitüde einherbrachte und Clown somit aus der Masse hervorstechen ließ.

Terrifier © Tiberius
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Blu-ray-Cover: Terrifier
Und jetzt steht Terrifier seit geraumer Zeit im Raum und Handel und hat das Genre im „nu“ revolutioniert. Was in erster Linie an den unglaublich harten und handgemachten Kills liegt, aber wohl den größten Trumpf daraus zieht, dass „Art the Clown“-Actor David Howard Thornton so unglaublich überzeugend agiert. Sein angsteinflößendes Outfit und der diabolische Blick, seine verstörte Präsenz, sorgen für mächtiges Unwohlsein ... es passt nahezu alles perfekt. Gewisse Gestiken und Mimiken reichen oftmals aus, um ein gewisses Unwohlsein auszustrahlen, welche sich unmittelbar beim Zuschauer manifestiert. Seine stets stille und diabolische Art, sorgen für ordentlich Input.

Aber was ist Terrifier?


Terrifier ist Teil einer Anthologie namens All Hallow´s Eve. Eine Ansammlung von Kurzgeschichten, in denen „Art the Clown“ seinen ersten Auftritt hatte. Jedoch damals noch verkörpert von Mike Giannelli, der zwar seine Sache gut gemacht hat, aber nicht an die Intensität eines D. Howard Thornton heranreichte. Große Screentime hatte „Art the Clown“ hier nicht zu verbuchen, denn bis auf ein paar eher belanglose Kills, kommt er hier kaum auf nennenswerte Screentime, was in seinem ersten, eigenständigen Film „Terrifier“ nun komplett anders aussieht. Nachdem man in All Hallow´s Eve 2 komplett auf „Art“ verzichtet hat und ein Kürbiskopfkiller den Hauptprotagonist mimte, darf „Art the Clown“ in Terrifier komplett aus dem Vollen schöpfen.

Produziert hat das Ganze Damien Leone, der mit Terrifier seinen dritten Horrorfilm realisiert hat. Auch hier sieht man, dass er durchaus in der Lage ist, das geringe Budget gekonnt zu kaschieren, in dem er auf viele Filtermethoden zurückgreift, die jene spärliche Location entsprechend wertiger erscheinen lassen. Denn aus genannten Budgetgründen konzentriert man sich auf ein versifftes Diner und einem Wohnkomplex samt Kellergewölbe. Terrifier zieht seine Aufmerksamkeit durch sein retromäßiges 1980iger Jahre Feeling, seinen spärlichen Synthiesound und den wirklich harten und handgemachten SFX. Insbesondere die obligatorische „Sägeszene“ und spätere Anekdote an die „Dinerszene“ haben es in sich. Durch die bewusst gewählte und eingesetzte Filtertechnik, kommt mitunter leichtes „Grindcore“-Feeling auf. Doch budgetbedingt kaschiert man halt das, was ein Tarantino und Rodriguez auf die Leinwand bringen mit erwähnter Filtertechnik und versucht somit, das Setdesign nach mehr „Value" aussehen zu lassen. Dafür setzt man halt auf unglaubliche Gewaltspitzen, die eben u.a. der Hauptgrund sind, warum Terrifier solch eine extreme Aufmerksamkeit auf sich ziehen kann. Denn alleine vom Storytelling kann Terrifier in keiner Weise überzeugen. Das Drehbuch wirkt eher „willkürlich“ zusammengeschrieben und hat nicht den Hauch eines Ansatzes von etwaigem Erzählfluss, der in sich ein homogenes Bild ergibt. Da tauchen dann urplötzlich einfach aus dem „Nichts“ mal eben ein paar Personen auf, die jedoch nur den Bodycount erhöhen, der Story selbst aber garnicht zuträglich gemacht werden sollen. Die Gewaltausbrüche und das zweifelsohne vorhandene „Können" der SFX-Crew, soll verdeutlichen, warum das jetzt hier gerade passiert. Das schon bewusst zum Selbstzweck verkommene Handeln von „Art the Clown“ ist somit schon als äußerst „knackig“ zu betiteln. Hier spielt Terrifier seine eigentlichen Stärken aus.

Terrifier © Tiberius
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Art mit Partymaus

Die Story um die beiden attraktiven Partymäuse, die „Art“ im Diner begegnen und von denen die eine dann doch etwas „zu aufdringlich“ wird und dafür sorgt, dass die folgende Szenen sich lediglich um ein „Katz und Mausspiel“ drehen, in denen „Art the Clown“ die beiden Protagonisten durch besagte Locations jagt, die passt grundsätzlich auf jeden noch so kleinen Bierdeckel. Stellenweise beschleicht einen das Gefühl, dass selbst dieser Plot die überschaubare Laufzeit von 84 Minuten nicht komplett deckeln kann. Damien Leone ist wahrhaft kein Meister seines Fachs, hat aber mit David Howard Thornton einen Darsteller, der mit seiner Rolle als „Art“ das Zeug zum nächsten Kultkiller hat. Das bunte Treiben und Narrenspiel des extrem duschgeknallten Clowns ist dabei ein absoluter Hochgenuss. Wenn dieser eruptionsartig in seine „Mörderrolle“ umschwenkt, wenn er zuvor mit seinen stillen und bedrohlichen Mimiken gestikuliert. Selbst dann, wenn „Art“ gewisse Treffer seiner vermeintlichen Opfer einsteckt, so tut er das ohne einen einzigen Laut von sich zu geben ... ganz, ganz großes Kino von David Howard Thornton.

Terrifier richtet sich in erster Linie an ein spezielles Horrorpublikum, welche sich im Slashergenre der härteren Gangart zu Hause fühlt und bereit ist, gewisse Produktionsdefizite auszublenden. Somit werden in erster Line die Gorehounds am stummen und interessanten Killer ihre wahre Freude haben. Jedoch muss ganz klar konstatiert werden, dass „Art“ als Killerclown auf ganzer Linie voll überzeugt und bis dato mit Sicherheit eine der besten Performances für dieses Subgenre bietet. Terrifier ist in Deutschland über "Tiberius Film" erschienen, jedoch nicht frei von Zensuren. Etwas über eine Minute wurden entfernt, um die wirtschaftlich wichtige und indizierungsfeste "FSK 18“ Fassung in den Handel bringen zu können.


© Text: onyourscreen.de / Frank Deutscher Heister
Schlagwörter: terrifier

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