Artikel vom 27.07.2012 | Themen

Story-Desaster und Plot-Holes



Filme und ihre (zweifelhaften) Geschichten


Ein interessantes Drehbuch zu verfassen, ist wirklich kein leichtes Unterfangen. Denn man muss zumindest eine irgendwelche Sprache beherrschen, sich Story, Dialoge und Figuren ausdenken, die das Potenzial in sich tragen, Millionen von Zuschauern in die Kinos zu locken. Die Story sollte interessant erzählt sein, die Dialoge sollten authentisch wirken und die Figuren sollten das gewisse Etwas haben. Wie gesagt - es gibt Dinge, die sind einfacher zu bewältigen.

Scheiß aufs Drehbuch, Investoren braucht das Land


Da trifft es sich gut, dass die Uhren in Hollywood wie gewohnt etwas anders ticken. Denn um dort einen Produzenten nach dem anderen ins Boot zu holen, braucht es nicht unbedingt ein interessantes Drehbuch. Zumeist reicht es, überhaupt eins vorweisen zu können - und das ist ja immerhin auch schon einmal etwas. Und derart gerüstet, steht dem großen Erfolg an den Kinokassen auch nichts mehr im Wege.

Ganz ähnlich wird es wohl auch Steven Spielberg ergangen sein, als er das erste Mal das Drehbuch zu Der Soldat James Ryan in den Händen hielt. Die Rahmenhandlung des Films ist nämlich der reinste Witz. Denn wenn der Generalstab die Rettung des Soldaten James Ryan veranlasst, um seiner Mutter, die bereits drei Söhne im Krieg verloren hat, weiteren Kummer zu ersparen, dann ist das nichts anderes als peinlich-patriotischer Mumpitz. Das hinderte Spielberg allerdings nicht daran, aus dem Film ein visuelles Meisterwerk zu basteln, das bis heute zu den wichtigsten (Anti-)Kriegsfilmen überhaupt zählt. Hanebüchene Story hin oder her.

Immer wieder schön sind auch die "Einer-gegen-alle"-Storys à la Rambo oder Stirb Langsam, bei denen der Protagonist sich einer Unzahl von Gegnern gegenübersieht, doch immer nur die Bösewichte im Kugelhagel das Zeitliche segnen. Dass der Held immer nur ein paar Schrammen abbekommt und grundsätzlich zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist, ist im Grunde natürlich wahnwitziger Humbug. Doch wer glaubt, dass gute Unterhaltung mit einer ausgefeilten Story und glaubhafter Charakterentwicklung zu tun hat, der irrt natürlich fatal.

Unlogisch ist immer noch am schönsten


Die eigentlichen Brüller sind aber immer noch die Filme, bei denen die erzählte Story hinten und vorne nicht zusammenpasst. Denn wenn im Teenie-Schlitzer High Tension am Ende erklärt wird, dass Killer und Opfer die gleiche Person sind, dann fragt man sich, wen der Killer die ganze Zeit über eigentlich gejagt hat. Vorangegangene Szenen mit Killer, Opfer und Drittpersonen werden somit unmöglich und lassen das Konstrukt des Drehbuchs in sich zusammenfallen. Ähnlich ergeht es dem Billig-Schocker Swimmingpool, bei dem der Zuschauer bis zuletzt vor dem Rätsel steht, wer der Mörder ist. Dumm ist nur, dass die Auflösung den Film der Lächerlichkeit preisgibt. Denn der letztendlich entlarvte Täter wurde dem Zuschauer eine halbe Stunde zuvor noch als Angsthase gezeigt, der sich allein in einem Raum vor dem Killer fürchtet. Das ist zwar toll, um den Zuschauer auf die falsche Fährte zu locken, ergibt aber innerhalb der Story natürlich keinen Sinn.

Ob peinlich, übertrieben oder sich selbst wiedersprechend - Hauptsache so ein Drehbuch hat überhaupt eine Story anzubieten. Denn wenn man einmal ganz ehrlich ist, dann wäre das Kino auch eine langweilige Veranstaltung, wenn immer nur realistische und logische Storys zu Filmen verarbeitet würden. Daher seien hiermit alle Drehbuchschreiber gelobt, die schreiben und schreiben - obwohl Storys nicht gerade ihre Stärke sind.


© Text: onyourscreen.de / TA


 
 
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