Stille Nacht, Horror Nacht © Anolis
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Artikel vom 05.03.2019 | Heimkino->Blu-Ray

Stille Nacht, Horror Nacht



Tödliche Weihnachten


Billy musste als Kind mit ansehen, wie ein Irrer im Kostüm eines „Weihnachtsmannes“ seine Eltern ermordete. Er und sein kleiner Bruder, mit dem er der Hinrichtung entkommen konnte, wuchsen seitdem im Waisenhaus bei erzkonservativen Nonnen auf und genossen eine ebensolche Erziehung. Einige Jahre später, Billy ist inzwischen erwachsen und arbeitet in einem Spielzeugladen ... und hat das große Pech, auf der Firmenfeier den Weihnachtsmann zu mimen. Damit kommt es wie es kommen muss: Billy hat sofort wieder die Bilder des Weihnachtsmannes vor Augen, der seine Eltern brutal ermordet hat und projiziert diesen Wahnsinn umgehend auf sich und dreht - wie zu erwarten war - vollkommen durch. Da der „heilige Abend“ aber noch nicht final vor der Türe steht, macht sich Billy im Kostüm des Weihnachtsmannes, bewaffnet mit einer Axt, auf den Weg zum Waisenhaus, um sich für die Hiebe und Demütigungen bei den Nonnen zu revanchieren. Dabei hinterlässt er auf seinem Streifzug eine blutige Spur des Terrors.

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  • Stille Nacht, Horror Nacht<br>© Anolis
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Weihnachtlicher Slasher


Stille Nacht, Horror Nacht (OT: Silent Night, Deadly Night) ist ein typischer 1980iger-Slasher, der in die Fußspuren eines Halloween, Freitag der 13te und My bloody Valentine tritt, diesen Pfad auch nicht verlässt und somit einer vertrauten und konsequenten Marschroute folgt. Charles E. Sellier Jr. versuchte auch garnicht erst sich zu erklären und spult routiniert das 1x1 des Slasherkonstrukts ab, ohne dabei neue Akzente setzen zu wollen. Dennoch unterscheidet sich Stille Nacht, Horror Nacht dann doch etwas von seinen bekannten und auch erfolgreicheren Mitstreitern. Der Film nimmt sich erstaunlich viel Zeit dafür, das Trauma des jungen Billy und eine etwaige Rechtfertigung für sein späteres Handeln zu liefern. Dafür sorgen schon alleine die zahlreichen Rückblenden zum Mord an seinen Eltern. Bis Billy nämlich dann ernsthaft in Aktion treten darf, wird sein kindlicher Werdegang fast 30 Minuten dramatisiert, um dem Zuschauer späteres sympathisieren mit ihm als eigentlichen Protagonisten, glaubwürdig schmackhaft zu machen. Das ist zwar löblich, greift aber aufgrund mangelnder schauspielerischer Leistung nur phasenweise.
Wenn jedoch Billy seine roten Spuren im weissen Schnee hinterlässt, ist die Anfangs-Durststrecke flott überwunden und der Film gewinnt an Dramaturgie und nimmt Fahrt auf. Die berüchtigten Slasherkonventionen finden dann auch hier ihre Verwendung und die Kills gestalten sich mitunter recht abwechslungsreich. Neben der handelsüblichen Axt, finden noch Pfeil und Bogen und einiges an Weihnachtsdeko ihre Zweckentfremdung. Auch ein Hirschgeweih darf ausnahmsweise als Mordwerkzeug herhalten und ist in diesem Falle eine attraktiv-tödliche Deko. Das muntere Treiben reiht sich recht fix aneinander, da man schlichtweg einen hohen Bodycount generieren wollte.
Ebenfalls fast ein Novum ist der Fakt, dass man von Anfang an weiss, wer der Mörder ist. Billy läuft unmaskiert und nur mit Bart (den er aber nicht flächendeckend im Gesicht trägt) durch die Kleinstadt. Somit entfällt das sonst so slasher-typische „Who done it“-Mörderraten komplett. Leider schlägt sich dieser Umstand etwas auf die Komplexität nieder und nagt auch an der Spannungsschraube, die längst nicht mehr so straff angezogen ist, wie anfangs vermutet. Ein hoher Bodycount ist eben nicht alles, auch nicht im Slashergenre.
Die sonst für einen Slasher so wichtige und bedrohliche Präsenz eines Killers, geht von unserem Protagonisten nicht aus - das ist die eigentliche Schwäche des Films, der ansonsten ein grundsolider und unterhaltsamer Beitrag dieser Epoche ist.


Festtagshorror unrated mit vielen Extras


Ziel für das Studio war es, dass man ebenfalls eine Nische im „Festtagshorror“ finden würde. Denn mit „Bloody Valentine“, „Graduation Day“, April Fools Day“, "Halloween", "Friday the 13th“ war im Grunde schon alles vergeben, was man aus den Fest- und anderen signifikanten Tagen so machen konnte. Da kam das Thema „Weihnachten“ wie gerufen. Und auch wenn Stille Nacht, Horror Nacht diesen Anspruch atmosphärisch nicht ganz tragen kann (das haben Vorreiter wie der geniale Black Christmas einfach besser gemacht), so ist das Ganze eine durchweg unterhaltsame Angelegenheit. Vor allem, weil Anolis hier auch bemüht war, die bis dato fehlenden Szenen so qualitativ wie möglich in den bestehenden Film einzugliedern - denn bisher, war der Streifen in Deutschland nur "cut" zu bekommen. Nun, nach erneuter Prüfung wurde auch die (immerhin drei Minuten längere) Unrated Version vom Index getrichen. So befindet sich auf der Blu-ray im Mediabook (das als 5ter Eintrag in der Edition "Phantastische Klassiker" erscheint) neben der amerikanischen Kinofassung (R-Rated Version) auch die eben angesprochene Unrated Version. Doch nicht nur das - zusätzlich zum 24-seitigem Booklet geschrieben von Jonas Hoppe gesellt sich noch folgendes üppiges Bonusmaterial:

- Audiokommentar mit Robert Brian Wilson und Scott J. Schneid
- Audiokommentar mit Michel Hickey, Perry Botkin, Michael Spence und Scott J. Schneid
- Kinofassung (Rated R)
- Slay Bells Ring: The Story of „Silent Night, Deadly Night“
- „Oh Dear“ - Linnea Quigley über „Silent Night, Deadly Night“
- Filming Locations - Damals und heute
- Kritiken und Kontroversen
- US Kinotrailer
- TV Spots
- Radio Spot
- Bildergalerie

Stille Nacht, Horror Nacht © Anolis
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Unter gleich drei schicken Mediabook-Varianten darf sich der Sammler entscheiden

Fazit


Slasherfans kommen definitiv auf ihre Kosten ... denn auch wenn der Film nach heutigen Gesichtspunkten etwas „gedrosselt“ wirkt, so hat eben genau jenes seinen eigenen Charme. Erwähnen sollte man noch den stimmigen Score, der erstaunlich gut gewählt wurde. Unterm Strich also eine lohnenswerte Sache, insbesondere für jene, die nicht genug von den alt hergebrachten Slashern der glorreichen 1980iger Jahre bekommen können.
Es gab zwar noch diverse Sequels die inhaltlich nicht zwingend an den Erstling anknüpfen konnten, aber besser waren sie definitiv nicht. Lediglich das Remake aus dem Jahre 2012 konnte noch echte Akzente setzen. Stille Nacht, Horror Nacht bietet "old school-Feeling" und ist gewiss kein großer Wurf, hat aber dennoch eine Menge Charme, den es lohnt, erneut für sich zu entdecken. Mit der vorliegenden Anolis-Bluray in den schicken (drei) Mediabookvarianten ist zudem für die nötige Vielfalt gesorgt. In diesem Sinne „Merry Christmas“.


© Text: onyourscreen.de / Frank Deutscher-Heister


 
 
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