Sing Street © Studiocanal
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Artikel vom 19.05.2016 | Echtes Kino

Sing Street



The Riddle of the Model


Sing Street © Studiocanal
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Plakat: Sing Street
John Carney startete seine Laufbahn von 1991 bis 1993 als Mitglied einer irischen Rockband. Auch bei den Videos seiner "The Frames" führte er Regie. Kein Wunder also, das Carneys Karriere über weitere Videoclips, Drehbücher und TV-Serien schließlich wieder zur Musik zurückfand. Mit dem gefühlvoll-melancholischen Once (2007) und dem leicht massenkompatibleren Can a Song save your Life? (2013) hauchte er dem Genre des anspruchsvollen Musikfilm neues Leben ein. Nun, drei Jahre später dürfen wir in Sing Street ein wenig seiner Jugend folgen ...

Filmkurzbeschreibung


Irland in den Achtzigern ist wahrlich kein einfaches Pflaster: hohe Arbeitslosigkeit und die damit verbundene Hoffnungslosigkeit lässt viele Iren nach England fliehen. Der 14-jährige Conor wächst in Dublin auf und muss sogar die Schule wechseln, da seine zerstrittenen Eltern die bisherige nicht mehr bezahlen können. Als Neuer und Außenseiter in der Synge Street School abgestempelt, flieht Conor - unterstützt von seinem Bruder - in die Welt der Popmusik und träumt nebenbei von der schönen, leicht älteren Raphina. Die lädt er ein in einem Musikvideo seiner Band mitzuspielen. Dumm nur, das es bisher gar keine Band gibt. Mit ein paar Jungs aus der Schule und der Nachbarschaft gründet er kurzerhand die Band Sing Street, schreibt und performt mit wahnsinniger Leidenschaft seine ersten Songs ...


Soundtrack
Sing Street © Studiocanal
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OST
Rock N Roll Is a Risk (Dialog) / Jack Reynor
Stay Clean / Motörhead
The Riddle of the Model / Sing Street
Rio / Duran Duran
Up / Sing Street
To Find You / Sing Street
Town Called Malice – The Jam
Inbetween Days / The Cure
A Beautiful Sea / Sing Street
Maneater / Hall & Oates
Steppin’ Out / Joe Jackson
Drive It Like You Stole It / Sing Street
Up (Bedroom Mix) / Sing Street
Pop Muzik / M
Girls / Sing Street
Brown Shoes / Sing Street
Go Now / Adam Levine

Das meint Onyourscreen.de zum Film


Natürlich sind die Zusammenhänge zwischen John Carneys Jugend und Sing Street vorhanden: Musik, Jahrzehnt, Irland - passt alles. Doch Sing Street ist mehr als eine Aufarbeitung. Sing Street beschäftigt sich mit der Hoffnungslosigkeit des Irlands der 80er, beschwert sich über Eltern die sich scheiden lassen und klagt die Übergriffe der Lehrer in christlichen Schulen an. Doch schwermütig ist der Film nie, im Gegenteil. Hier quillt der musikalische Geist des soundtechnisch so ungeheuer experimentierfreudigen Jahrzehnts aus allen Szenen, hier erleben wir eine Coming-of-age-Story wie sie rührender und mitreissender kaum sein könnte, hier schmunzelt man über witziges und lacht an Stellen die der deutlich jüngere Kinonachbar überhaupt nicht versteht, hier erlebt man die 80er wieder und/oder neu.
Conor (Musiker und Schauspieler Ferdia Walsh-Peelo in seiner ersten (und hoffentlich nicht letzten) Rolle) verliebt sich auf den ersten Blick in Raphina (die schon etwas erfahrenere Schauspielerin Lucy Boynton) die vorgibt ein Model werden zu wollen. Kurzerhand castet er sie für das erste Musikvideo seiner imaginären Band. Die muss er dann flugs zusammen mit seinem "Manager" ins Leben rufen - ein äusserst humoristischer Abschnitt des Streifens. Musikalischen Input holt er sich bei "Top of the Pops" und vor allem bei seinem Bruder - klasse dargestellt von Jack Reynor. Apropos Musik: neben Songs von Duran Duran, The Jam, Hall&Oates, M oder Joe Jackson sind es vor allem die von Regisseur John Carney und Gary Clark für die Filmband geschriebenen Songs, die den Zuseher im Kino den Takt mitwippen lassen. Zwischen anbiedernd und aufmüpfig hangeln sich die Songs die gesamte musikalische Bandbreite der 1980er rauf und runter (unser Lieblingssongs sind "Up" und "Drive It Like You Stole it"). Dabei spiegeln die gekonnten Lyrics der Songs den Gemütszustand von Protagonist Conor wieder. Die Bildsprache wechselt dabei zwischen Realität, Videoästhetik und seiner Traumwelt, was übrigens genauso gut und non-kitschig funktioniert wie die Lovestory zwischen ihm und seiner Traumfrau.

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Conor und Raphina

Das onyourscreen.de-Fazit zu SING STREET


Uns persönlich hat John Carneys Can a Song save your life? auf seine deutlich kommerziellere Art genauso gut gefallen wie der von den Kritikern hochgelobte Once. Und auch Sing Street wollen wir auf seine ganz andere Herangehensweise weder drüber, dazwischen und schon garnicht darunter einstufen - jede dieser Musikfilmperlen hat ihre ganz eigene Aussage, ihre ganz eigene musikalische Sprache und ihren ganz eigenen, extrem hohen Unterhaltungswert. Sing Street macht trotz des sozialkritischen Untertons einfach unfassbar viel Spaß, geht ans Herz und lädt zum mehrmals ansehen ein. Ohne Wenn und Aber: Sing Street ist ein Must-see-Feel-Good-Movie - ab dem 26. Mai 2016 also unbedingt ins Kino gehen.

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© Text: onyourscreen.de / AS


 
 
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