Schonzeit für Füchse © Ascot Elite
© Ascot Elite
Artikel vom 07.04.2014 | Heimkino->DVD

Schonzeit für Füchse



Ein wichtiges Zeitzeugnis


Mit einem schicken Mediabook zu Schonzeit der Füchse verneigen sich das Independent-Label "Ascot Elite" und "Schamoni Film" vor dem filmischen Schaffen von Peter Schamoni, der im März 2014 80 Jahre alt geworden wäre. Der dem Mediabook zu Grunde liegende Film ist dessen erster Abendfüller als Regisseur und sicherlich einer der wichtigsten frühen Spielilme nach der Geburtsstunde des "Jungen deutschen Films". Die terminiert man mit der Verlesung des "Oberhausener Manifest" im Jahr 1962, als 26 Filmschaffende, darunter 18 Regisseure - einer von ihnen war Peter Schamoni - den Abschied von Papas Kino einläuteten.

Mediafacts
Schonzeit für Füchse © Ascot Elite
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Cover: Schonzeit für Füchse
Titel: Schonzeit der Füchse
getestete Version: Mediabook, Blu-ray Cast: Helmut Förnbacher, Christian Doermer, Andrea Jonasson, Monika Peitsch, Edda Seippel, Helmuth Hinzelmann, Suse Graf
Regie: Peter Schamoni
Produktionsland: Deutschland
Studio/Verleih: Ascot Elite Home Entertainment
Erscheinungstermin: 2014
Produktionsjahr: 1966
Spieldauer: 89 Minuten
Sprache: Deutsch
Regioncode: 2
FSK: ab 16 J.

Filmkurzbeschreibung


Zwei junge Intellektuelle, Victor und sein Freund (dessen Namen wir im Film nicht erfahren) aus dem Düsseldorfer Großbürgertum arrangieren sich irgendwie mit der bürgerlichen Gesellschaft, ihren Riten, Gebräuchen und Strukturen. Sie beherrschen die allgemeinen Umgangsformen dieser Gesellschaft, die sie eigentlich verachten, finden jedoch keinen Ausweg. Ihrem eigenen Leben stehen die intelligenten jungen Männer völlig ratlos gegenüber.
Der junge Mann verdingt sich bei Treibjagden, sucht sich mit Victor bei einer solchen Jagd einen ruhigen Unterschlupf und beide rufen die Schonzeit für Füchse aus. Denn so fühlen sie sich - Haken schlagend wie getriebene Füchse. Und ihre Schonzeit gipfelt darin, das Victor, der verspielte niederrheinische Junker nach Australien auswandert und absurderweiße Jagdwaffen-Verkäufer wird. Sein Freund hingegen verbleibt in Deutschland, wird Journalist und schreibt über Dingen die ihn so garnicht interessieren.

Das meint Onyourscreen.de zum Film


Zitat aus Wikipedia: "Das Oberhausener Manifest ist eine Erklärung, die am 28. Februar 1962 anlässlich der „8. Westdeutschen Kurzfilmtage“ Oberhausen in einer Pressekonferenz mit dem Titel „Papas Kino ist tot“ von 26 Filmemachern abgegeben wurde, die bis dahin vorwiegend im Kurz- und Dokumentarfilm erfolgreich waren. Ziel war die Erneuerung der damals als desolat angesehenen westdeutschen Filmproduktion und der Anspruch der Kurzfilmregisseure, einen neuen deutschen Spielfilm zu schaffen."
Seite „Oberhausener Manifest“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 27. März 2014, 09:59 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Oberhausener_Manifest&oldid=128939379
(Abgerufen: 7. April 2014, 09:32 UTC)


Peter Schamoni, Mitverfasser und Unterzeichner des oben genannten "Oberhausener Manifests", der bereits seit Ende der 1950er Jahre Kurzfilme drehte, galt als eines der vielversprechenden Talente des jungen deutschen Films. Mit Schonzeit für Füchse stellt er seine Studie der Generation der Dreißigjährigen in den 60ern vor - basierend auf dem Roman "Das Gatter" von Günter Seuren. Der unter anderem mit dem "Silbernen Bären" ausgezeichnete Film dreht sich um Victor und seinen (namenlosen) Freund, die grundsätzlich Nein zur gut situierten Gesellschaft - aus der sie selbst stammen - sagen wollen. Das reale Leben überfordert die intelligenten jungen Männer und hinterlässt Sie völlig ratlos. So mündet ihre selbstausgerufene "Schonzeit" beim einen in Resignation, beim anderen in der Flucht.

onyourscreenSHOTs

Bild links Bild rechts
  • Schonzeit für Füchse<br>© Ascot Elite
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Den Begriff vom "Neuen deutschen Spielfilm" oder "Jungen deutschen Film" prägten neben Schamonis Erstling auch Regisseure wie Rainer Werner Fassbinder, Hans W. Geissendörfer oder Werner Herzog. Die (Gegen-) Bewegung folgte damit auch dem Beispiel anderer Länder und ihrer neuen Form des Films, zu deren bekanntesten Vorreitern wohl die französische Neue Welle, die "Nouvelle Vague" mit ihren Ausnahmetalenten Claude Chabrol, Jean-Luc Godard oder François Truffaut gezählt werden sollte.


Das meint Onyourscreen.de zum Mediabook


Ehre wem Ehre gebührt. Und die Ehre der Rettung des vor sich hin alternden Filmmaterials hat Schonzeit der Füchse eindeutig verdient. Dazu hat man dem anspruchsvoll durchgestylten Mediabook das vollständig restaurierte Filmmaterial sowohl auf DVD als auch Blu-ray spendiert, sowie ein ausführliches und interessantes 24-seitiges Booklet dazugepackt. Weiter Extras sind die Originaltrailer, Bericht über die Dreharbeiten (1965), Bericht zur Filmpremiere (1966), „Die Teutonen kommen“ (Kurzfilm von 1962) und das Feature "Helmut Förnbacher und Jost Vacano erinnern sich". Schöner Umfang, gelungenes Mediabook.

Schonzeit für Füchse © Ascot Elite
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Mediabook: Schonzeit für Füchse

Das Onyourscreen.de-Fazit zu SCHONZEIT FÜR FÜCHSE


Autorenfilme sind oft persönlich, nicht immer leicht nachzuvollziehen, oft ungemein schwer zu interpretieren. Noch schwieriger wird es, wenn solche Filme Zeitzeugen sind. Zeugen aus Zeiten, die man selber nicht miterlebt hat. Zumindest uns gelingt hier bei Schonzeit der Füchse keine Adaption in die Gegenwart, was eine faire Beurteilung erschwert. Das Peter Schamonis filmhistorisch wichtiges Frühwerk sehr sehenswert ist, sollte als Urteil genügen. Es gibt halt Filme, die sollte man als Cineast gesehen haben ... auch wenn der Verursacher ganz spät in seinem Leben mit Daniel der Zauberer in Berührung kam ,,,


© Text: onyourscreen.de / AS


 
 
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