Scarecrows © NSM
© NSM
Artikel vom 14.12.2018 | Heimkino->Blu-Ray

Scarecrows



... aka Paratroopers


Scarecrows © NSM
© NSM
Blu-ray-Cover: Paratroopers aka Scarecrows
William Wesley dürfte den wenigsten als namhafter Regisseur noch präsent sein. Neben seinem Spielfilmdebüt Scarecrows aus dem Jahre 1988, welcher in Deutschland unter dem Titel Paratrooper veröffentlicht wurde, trat er lediglich im Jahre 2001 noch einmal auf den Plan, um seinen Film Route 66 mit Lou Diamond Phillips der breiten Masse zu präsentieren. Sehr schade, denn mit Scarecrows debütierte er mit einem kleinen, dreckigen und sehr düsteren Slasherjuwel der ganz alten Schule, welches bis heute nichts von seinem bedrohlichen Flair eingebüßt hat. Wesley trat im gleichen Jahr (1988) lediglich noch einmal als Co-Regisseur auf, da er für die Horrorserie Monsters, die Episode "Bis das Blut gefriert" realisierte. Danach war leider Schluss.
Doch was macht Scarecrows zu einem solchen Insidertip und kleinem Juwel? Was schaffte Wesley, woran viele seiner Mitstreiter gnadenlos scheierten? Darauf gehen wir in Kürze etwas detaillierter ein.

Filmkurzbeschreibung


Eine fünfköpfige Räuberbande, welche nach dem Überfall auf eine Militärbasis 3,5 Mio Dollar erbeutet hat, entführt kurzer Hand ein Flugzeug um sich mit der Beute in Sicherheit zu bringen. Doch einer der Mitstreiter hat andere Pläne und springt mit samt der Beute ab und zwingt somit die anderen ebenfalls zum Absprung. Ausgerüstet mit Funk und Nachtsichtgeräten geht es raus auf weiter Flur in ein Areal aus Einöde, einem Farmhaus, Wald und Wiesen und eben „Vogelscheuchen“. Und noch ahnt keiner der Protagonisten, welcher Gefahr sie wirklich gegenüberstehen.

William Wesley schafft es, sein Spielfilmdebüt von Beginn an spannend und direkt und ohne Umschweife auf den Zuschauer loszulassen. Es gibt keine unnötig langen Einführungen und Vorstellungen unserer Protagonisten, sowohl auf der "guten" als auch auf Seiten der "Bösewichte", stattdessen startet man direkt atmosphärisch ins dichte Geschehen. Strukturell ist das Ganze Treiben auch dicht und kompakt verpackt, da Wesley wie gesagt keine Zeit verliert und unnötigen und "verkomplizierten" Handlungsballast direkt über Bord wirft. Somit könnte Scarecrows auch streng genommen eine etwas ausgedehntere Folge eines Tales from the Crypt sein, da man in relativ kurzer Laufzeit einiges an Input bieten muss ... und jenes gelingt Wesley ganz vorzüglich.

Der Film spielt ausschließlich im dunkeln, es gibt nicht eine einzige Tagespassage. Dies nutzt William Wesley und verpasst seinem Debüt einen passenden Score, der die ohnehin unheimliche und bedrückende Atmosphäre perfekt einfängt. Auch die simple aber effektive Kameraarbeit wirkt sich positiv auf das Geschehen aus; geschickt und unerwartet blendet man die ein oder andere Vogelscheuche an ihrem Kreuz ein und kann sogar das „leichte atmen“ der Vogelscheuchen wahrnehmen, wenn sie langsam ihre Schultern bewegen. Dies hat einen sehr intensiven und unheimlichen Touch, da man bis dato noch garnicht weiss, mit wem oder was man es hier zu tun hat. Untermalt wird die packende Atmosphäre zudem über die Funkdialoge, welche die Räuber untereinander austauschen, da diese zunächst nicht zentral agieren können und auf dem großen Feld völlig verstreut sind. Auch die Verwendung der Nachtsichtgeräte aus der "Ego-Perspektive“ und das plötzliche Einblenden der schreienden Vogelscheuchen ist als netter Jumpscare zu werten.


Wesley versteht es weiterhin, Versatzstücke bekannter Horrorstreifen unterschwellig miteinzuführen. Wenn "Curry" (Michael Simms), der Anführer der Truppe, durch das Farmhaus streitet, wird hier geschickt die dichte Atmosphäre und Soundkollagen eines "Evil dead“ genutzt und auch vor dem düsteren Grundkonstrukt eines "TCM" macht man nicht halt. Natürlich plagiatiert er diese nicht, aber bindet gewisse Attribute einfach unterschwellig ein.
Die eigentlichen Hauptprotagonisten aber könnten nicht besser gewählt sein. Wesley's "Vogelscheuchen" sehen optisch böse und unheimlich aus und agieren äußerst unappetitlich. Da werden mit rostiger Säge die Hände abgesägt (weil einer der Scheuchen eine Hand fehlt), Messer in Köpfe geschlagen, mit Mistgabeln werden Hände fixiert und mit Heckenscheren Körper aufgeschlitzt und ausgestopft. Es geht also schon recht blutig zur Sache. Wenn die total deformierten und lumpigen Vogelscheuchen in Aktion treten, hat man das visuell absolut zielgerichtet auf den Schirm projiziert ... so wie sich das eben als „Old school“-Slasher der 1980iger auch gehört.

Apropos 1980iger: Dieses kleine Juwel hatte es in Deutschland nicht einfach und man tat auch offenbar damals alles, dass sich daran nichts ändern sollte. Offenbar wollte man garnicht, dass dieses Slasher-Kleinod entdeckt wird. Zunächst wurde der Film von sämtlichen Gewaltakten befreit und auf den eher nichtssagenden Titel Paratrooper getauft. Auch das damalige Cover wurde nicht wie im Original mit Vogelscheuchen skizziert, sondern mit einer "Söldnertruppe". Wohlmöglich wollte man die damals gängige Actionfraktion ansprechen, welche aber sicherlich nach betrachten des Films, etwas dumm aus der Wäsche geguckt haben dürfte. Denn Paratroopers ist alles andere als ein Actionfilm.

Scarecrows © NSM
© NSM
Gruselige Vogelscheuchen

Sehr schade, denn schon damals hätte der Film die Anerkennung finden müssen, die ihm bis heute zusteht. Wesley schaffte es, in knapp 75 Minuten einen atmosphärisch dichten Film zu inszenieren, der frei von sämtlichen unwichtigen Ballast ist und der garnicht erst versucht, gewisse Dinge oder Handlungen "kaputtzuerklären", so wie es viele andere vor ihm taten. Somit gibt es auch in Scarecrows mangels Charakterzeichnung keinen Protagonisten, mit dem man wirklich mitfiebert. Sicher, Michael Simms als Anführer und Ted Vernon als Machorambo "Corbin" sind in ihren Rollen gut gewählt, tragen aber über die Distanz nicht den Film ... denn das tun die Vogelscheuchen. Von denen aber keiner weiss, welche Geschichte sie wirklich mit dem Farmhaus und dem dort aufgehängten Foto der Bewohner verbindet. Und somit verlässt einen Scarecrows mit einem sehr unwohligen, mulmigen Gefühl ... denn niemand weiss, wer und was da draußen so alles lauert.

Jetzt auch als Amaray


Scarecrows ist zunächst von "NSM Records" in diversen Mediabooks veröffentlich worden. Für all jene, die nicht dem Mediabookwahn verfallen sind und diese akribisch sammeln, gesellt sich nun die wohl verdiente und längst überfällige Amaray Variante dazu. Sie ziert das Paratrooper-Motiv, welches ebenfalls als MB-Motiv verwendet wurde und auch das damalige VHS-Cover zierte.
So oder so und mit welchen Motiv auch immer: Scarecrows/Paratroopers gehört in jede gut sortierte Horrorsammlung. Dreckig, düster und über alle Maßen atmosphärisch, zudem befreit vom üblichen Kommerz und frontal auf den Zuschauer - so funktioniert das Gesetz der 80iger Slasher. Schade, denn von dieser Machart gab es viel zu wenig.


© Text: onyourscreen.de / Frank Deutscher-Heister


 
 
© Anolis Entertainment

© ©Senri Akatsuki-SB Creative Corp./Undefeated Bahamut Partners ©SA-SBCr/UBP

© Pandastorm

© Anolis Entertainment

© Ascot Elite

© Wild Bunch Germany