Saving Mr. Banks © Walt Disney
© Walt Disney
Artikel vom 25.02.2014 | Echtes Kino

Saving Mr. Banks



Ein Making of?


Ein Disneyfilm ist in der Regel rührend, höchstens kurzzeitig traurig, dann schnell wieder herrlich vergnüglich. Gestorben wird selten bis nie, meist wird gesungen und getanzt, die Charaktere sind so gut wie immer überzeichnet und ohne Happy End geht hier sowieso nichts. So eigentlich auch bei Saving Mr. Banks, und doch ist hier irgendwie vieles anders ...

Filmkurzbeschreibung


Walt Disney möchte unbedingt "Mary Poppins" verfilmen. Das hat er seinen Töchtern versprochen. Doch die Schöpferin der weltbekannten Romanfigur, Pamela Travers, weigert sich seit 20 Jahren standhaft gegen jede Offerte. Doch nun sorgen ihre finanziellen Nöte und ihr Agent dafür, das sie sich aufmacht über den großen Teich. Hin zu Glamour und Kitsch, zur aufgesetzten Glückseligkeit der Maus, mit der sie selbst ach so wenig anfangen kann. Vor allem wo sie Zeichentrickfilme verabscheut. Oder Musicals.
Die folgenden zwei Wochen stehen im Zeichen des zähen Ringens der Parteien um jede Kleinigkeit, um die Besetzung, um Hausnummern, um tanzende Pinguine, um ... Auf der einen Seite die musikbesessenen Sherman-Brothers, Drehbuchautor Don DaGradi und natürlich Walt Disney selbst, auf der anderen die unerbittliche Pamela (P.L.) Travers, die an den Ideen des mächtigen Medienkonzern kein gutes Haar lässt und sich zusätzlich immer wieder mit ihrem Geheimnis konfrontiert sieht. Dabei will sie nur Mr. Banks retten.

Saving Mr. Banks © Walt Disney
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Walt und Pam

Das meint onyourscreen.de zum Film


Das Image des mächtigen Maus-Konzern war und ist der "The Walt Disney Company" heilig. Hier dürfen keine Skandälchen den schönen Schein bröckeln lassen, hier sorgt man sich um eine perfekte, stets familiengerechte Fassade, ob beim Film, den Comics oder in den mittlerweile weltweit existierenden Themenparks. Vor diesem Hintergrund völlig vorurteilsfrei in einen Film zu gehen, der von Disney in den Disneystudios produziert das Making of eines Disneyklassikers darstellt und dazu mit "Everybodys Darling" Tom Hanks als Walt Disney himself besetzt ist, ist eine Hürde. Eine hohe Hürde.

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  • Saving Mr. Banks<br>© Walt Disney
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  • Saving Mr. Banks<br>© Walt Disney
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Doch welchem Umstand es auch immer geschuldet ist, womöglich dem, das die BBC hier mitproduzierend fungierte, zeigt sich in Saving Mr. Banks das Mickey-Imperium von einer zumindest ansatzweise menschelnden, nicht-immer-vollkommenen Seite. Hier darf Kettenraucher Walt Disney - der wohl nie öffentlich geraucht hat - überrascht von Misses Travers im eigenen Büro schnell eine Zigarette ausdrücken oder "Winnie the Pooh"-Autor Alan Alexander Milne, für die Entscheidung seine liebenswerte Figur an den amerikanischen Zeichentrick-Mogul verkauft zu haben, bedauert werden. Und recht schnell erlaubt man den eigenen Zweifeln einen lächelnden Blick auf das was einem dieser eigentlich typische und doch so andersartige Disneyfilm bietet. Auch wenn das "aufs Korn nehmen" der selbstauferlegten Firmen-Tabus kommerziell-kalkuliert gebilligt wurde und der wahre Charakter der polarisierende Figur Walt Disney nicht mal ansatzweise wiedergegeben wird (und soll) - für die Dauer des Films wird einem der Konzern mindestens genauso symphatisch wie Emma Thompson als die resolute Engländerin, die den Amerikanern ein ums andere mal aufs Butterbrot schmiert, wie wenig sie doch von deren Heimatland und dessen Tugenden hält.
Die brilliert hier sowohl in den zickigen als auch melancholischen Momenten ihrer Figur P.L. Travers und wird von Tom Hanks ordentlich flankiert. Auch die Darstellung der Sherman-Brothers (Jason Schwartzman/B.J. Novak) und Bradley Whitford als Drehbuchautor ("CO"-Drehbuchautor würde Misses Travers erbost betonen) sind gelungen, ebenso alle (irgendwie Schlüssel-) Szenen mit Chauffeur Ralph (Paul Giamatti). Weniger begeistert hat uns die Nebenstory, besetzt unter anderem mit Colin Farrell. Diese in zuviel erklärenden Sequenzen immer wiederkehrenden Rückblicke, spielen in der wenig glücklichen Jugend der Autorin. Hier holt das Drehbuch zu stark aus und versucht alle Kleinigkeiten der Mainstory zu belegen. Da wäre weniger vermutlich mehr gewesen. Hier erklärt man den Zuseher erneut - und das ist dann wieder disneytypisch - für zu simpel gestrickt um sich diverse Zusammenhänge selbst herzuleiten.

Saving Mr. Banks © Walt Disney
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Ralph fährt P.L.

Das onyourscreen.de-Fazit zu SAVING MR. BANKS


Saving Mr. Banks erzählt von dem Versprechen, das Walt Disney seinen Kindern vor 20 Jahren gegeben hat. Das Versprechen die Geschichten der "Mary Poppins" zu verfilmen. Die Rechte daran verweigert ihm aber die eigenwillige und störrische Autorin P.L. Travers bisher. Als sie sich aus finanziellen Gründen widerwillig auf den Weg ins Reich von Mickey, Goofy und Co. macht, beginnen zwei turbulente Wochen. Zwei Wochen die dieser Film begleitet. Zwei Wochen die offenlegen, wie eng die Geschichte der "Mary Poppins" mit der Kindheit der Autorin verstrickt war. Was man dabei nicht erwarten sollte ist etwas dokumentarisches. Sicher, viele Fakten aus dem Film basieren auf Ausführungen von Augenzeugen, Tonmaterial und Zeichnungen (schaut euch unbedingt den Abspann an, hier werden Originalfotos gezeigt und Tonbandaufnahmen zu Gehör gebracht) - doch im Grunde verfilmt Regisseur John Lee Hancock hier einfach eine Geschichte. Eine tolle, famos erzählte, unterhaltsame, nur manchmal traurige Geschichte mit einem Happy End. Natürlich. Ist ja von Disney.
Prädikat: Schön, unbedingt ansehen!



© Text: onyourscreen.de / AS


 
 
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