Planet der toten Seelen © Anolis Entertainment
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Artikel vom 05.04.2016 | Heimkino->DVD

Planet der toten Seelen



Planet? Tote Seelen? Wie meinen?


Kaum haben wir mit Der Fluch des Dämonen den ersten Eintrag in die neue Anolis-Sammelbox namens "Die Rache der Galerie des Grauens" gefeiert (ja, gefeiert, großartiger Streifen), erwartet uns jetzt, nur knapp einen Monat später, bereits der zweite Film in der 10-teiligen Reihe: Roger Cormans Planet der toten Seelen.

Mediafacts
Planet der toten Seelen © Anolis Entertainment
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Cover: Planet der toten Seelen
Titel: Planet der toten Seelen
Originaltitel: War of the Satellites
getestete Version: DVD
Cast: Dick Miller, Susan Cabot, Richard Devon, Eric Sinclair ...
Regie: Roger Corman
Produktionsland: USA
Studio/Verleih: Anolis Entertainment
Erscheinungstermin: 2016
Produktionsjahr: 1958
Spieldauer: 77 Minuten (deutsche Version), 63 Min (amerik. Version)
Sprache: Deutsch/Englisch DD 2.0 (Mono)
Regioncode: 2
FSK: ab 12 J.

Filmkurzbeschreibung


Schon einige Male ist es den Wissenschaftlern des Projektes Sigma nicht gelungen, eine tödliche Strahlenbarriere im All zu durchbrechen - viele tapfere Astronauten ließen dabei ihr Leben. Nun endlich könnte der große Moment da sein. Die alles entscheidende Mission startet. Doch körperlose Wesen von jenseits der Erde haben andere Pläne. Sie bemächtigen sich des Projektleiters und bringen durch Sabotage und Mord das Projekt, die Besatzung, ja sogar die ganze Erde in Gefahr. Können diese bösen Mächte rechtzeitig aufgehalten werden?

Das meint Onyourscreen.de zum Film


Planet der toten Seelen - oder wie im Original War of the Satellites - ist wieder einmal ein typischer Fall von Vortäuschung falscher Tatsachen. Denn auf einen "Planeten" oder auch die "toten Seelen" des vielversprechenden deutschen Titels wartet man in Roger Cormans Machwerk von 1958 völlig vergeblich. Kommen die "Satellites" des Originaltitels zumindest vor, kann man einen "War" derselbigen allerdings nicht erblicken. Erblicken kann man dagegen billigste Effekte, übelst gedoppelte Kulissen und eine ziemlich dünne Story - kein Wunder, garantierte Corman doch seinen Auftraggebern einen Film über Satelliten innerhalb von acht Wochen zu produzieren. Aufgrund der Weltpolitik - Russland hatte gerade Sputnik ins All geschossen - waren Satelitten und die Erforschung des Weltraums ein Riesenhema und der gute Roger hatte schon immer einen guten Riecher für einfach zu vermarktende Stories. Die Weltbevölkerung war durchaus beunruhigt über die Entwicklung und die Amerikaner arbeiteten fieberhaft am eigenen Weltraumprogramm - da kam ein Film der diese Ängste nutze doch gerade recht ...

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Für uns eine der besten Szenerien

Wie schon angesprochen, merkt man dem Streifen tatsächlich sowohl die Kürze der Produktionszeit als auch das niedrige Budget (circa 70.000 Dollar) mehr als an. Die Weltraumszenen von Billig-Effekt-Spezialist Jack Rabin kommen fast an Ed Wood'sche Verunstaltungen heran: Plaste-Raketen die urplötzlich und auf den Punkt stoppen oder Satellitenteile die sich aufs übelste zu einem Ganzen zusammenfügen sind schon krasser Trash. Auch die sonstige "Ausstattung" (man beachte die Anführungszeichen) war simpelster Natur: endlose Gänge und zahllose Räume der Raumschiffe ('tschuldigung: Satelliten), die immer aus den gleichen, deckenlosen Stellwänden bestehen, Türen die langsam zugemacht werden müssen, damit man nicht sieht aus welch leichtem Material sie gezimmert wurden oder Navigationsinstrumente aus der Elektroschrott-Resteschublade, die jeglicher Beschreibung spotten. Nur ganz wenige Szenerien können tatsächlich überzeugen - eine davon ist die Aussenansicht der irdischen Raketenbasis.

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  • Planet der toten Seelen<br>© Anolis Entertainment
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Doch mal Butter bei die Fische - im Prinzip kann ja genau das auch den Reiz eines Films ausmachen, sollte die Story zumindest einen gewissen Spannungsbogen besitzen. Dummerweise besitzt Planet der toten Seelen selbst das nicht. So müssen wir uns hier an den historischen Reizen rund um den Film ergötzen, die dann allerdings einiges zu bieten haben. So war War of the Satelites nur 63 Minuten lang und wurde in den USA ganz typisch in Doppelvorstellung zusammen mit Attack of the 50 Foot Woman präsentiert - solo also viel zu kurz für den deutschen Markt. Das veranlasste die "Mercator Filmverleih" dazu, einige Ergänzungen am Film vorzunehmen, die das Ganze auf eine für deutsche Kinogänger gewohnte Länge bringen sollte. So ließ Bodo Gaus, Geschäftsführer der Mercator, Synchronregisseur Ingo Hermes ganze 14 Minuten zusätzlich produzieren, die sich übrigens recht elegant in den Streifen einfügen. Die Szenen spielen direkt vor der eigentlichen Main Story und zeigen uns eine missglückte Satelliten-Mission und die Auswirkungen einer solchen auf einen der rückkehrenden Piloten ... Diese Szenen ergänzen den Film lückenlos und machen die deutsche Version vielleicht so gar ein Stück weit besser als das Original - wobei "besser" hier ein grooooßes Wort ist ...

Planet der toten Seelen © Anolis Entertainment
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Eine der in der deutschen Version ergänzten Szenen

Viel mehr Background und Details dazu bekommt man im hörenswerten Audiokommentar zum Film geboten: hier überbieten sich Ingo Strecker und Robert Zion mit Sticheleien ob der Film"qualitäten" aber auch mit viel Wissen zu Darstellern und den Gepflogenheiten von Roger Corman ... deutlich unterhaltsamer als den Film als solches anzuschauen.

Das meint Onyourscreen.de zur DVD


Stand "Anolis" bei Der Fluch des Dämonen noch brauchbares Material für eine HD-Abstastung zur Verfügung, war das beim vorliegenden C-Movie nicht der Fall. So liegt nebem dem wiedermal sehr informativen Booklet von Ingo Strecker nur eine DVD, keine Blu-ray in der Standard-Verpackung. Auf der Scheibe findet sich dann die amerikanische und die erweiterte deutsche Fassung von Planet der toten Seelen wieder, die man wahlweise mit einer kurzen Einleitung von Schauspieler und Synchronsprecher Horst Naumann starten kann. Den informativen und ebenso unterhaltsamen Audiokommentar haben wir ja bereits angesprochen - seltsamerweise wirkt der als wäre dieser in akustisch wenig geeigneten Räumlichkeiten aufgenommen worden - sollte man vielleicht in Zukunft etwas verbessern. Ergänzt wird das Bnousmaterial vom amerikanischen und deutschen Kinotrailer, dem deutschen Werberatschlag, dem Filmprogramm sowie einer Bildergalerie. Wiederum eine rundum gelungene Veröffentlichung - wie nicht anders zu erwarten.

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  • Planet der toten Seelen<br>© Anolis Entertainment
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Das Onyourscreen.de-Fazit zu Planet der toten Seelen


Im Gegensatz zum wirklich guten Der Fluch des Dämonen ist der zweite Eintrag in "Die Rache der Galerie des Grauens" übler Trash - aber schon wieder so mies, das es dem geneigten Cineasten Spaß machen wird ihn zu sezieren. Der Planet der toten Seelen darf natürlich in keiner Sammlung klassicher SF-Filme fehlen, Sammler der Anolis-Box-Editionen werden um den Streifen sowieso nicht drumherum kommen ...


© Text: onyourscreen.de / AS


 
 
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