Pinocchio © capelight pictures
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Artikel vom 11.10.2020 | Heimkino->Blu-Ray

Pinocchio



Märchenhafter hat man den kleinen Holzkopf wohl noch nie erleben dürfen


Unter dem Titel "Le Avventure Di Pinocchio: Storia Di Un Burattino" erschienen einzelne Abenteuer des uns wohlbekannten Holzkopf im Jahr 1881 als Zeitungsartikel. Da die Geschichten des Autors Carlo Collodi so beliebt waren, entschloss er sich, diese in Buchform zu veröffentlichen. Dass daraus irgendwann eine zu Hauf interpretierte, vertonte und verfilmte Romanvorlage werden sollte, damit hatte Collodi wohl kaum gerechnet. Und so gilt auch heute noch, dass wohl fast jeder irgendwann irgendeine (und sei sie noch so versteckte) Version von Pinocchi gelesen, gehört oder gesehen haben wird. Die wohl berühmteste Inkarnation des Stoffes ist der 1940 entstandene, abendfüllende Disney-Spielfilm mit gleichnamigem Titel. Diesem und zig anderen Verfilmungen zum Trotz, sah sich der Italiener Matteo Garrone 2019 auserkoren, erneut die Geschichte um Gepetto und seinen nur selten gehorsamen Sohn aus Holz zu erzählen.
Solltet ihr tatsächlich nicht wissen, wie es um die Abenteuer des Pinocchio bestellt ist, hier die

Filmkurzbeschreibung


Der Tischler Geppetto (Roberto Benigni) lebt einsam und zurückgezogen in einem kleinen Dorf in Italien. Ein vorbeiziehendes Marionettentheater bringt ihn auf die Idee, sich aus einem Stück Holz eine eigene Puppe zu schnitzen, die ihm Gesellschaft leisten soll. Schon bald nimmt der Klotz die Form eines kleinen Jungen an, der dann urplötzlich zum Leben erwacht. Der Tischler verkündet stolz, dass Pinocchio (Federico Ielapi), wie er den hölzernen Knaben tauft, sein Sohn sei. Damit der Junge eine gute Ausbildung bekommt, schickt Geppetto ihn zur Schule. Doch Pinocchio hat ganz andere Dinge im Kopf und reißt von zu Hause aus. Das freche Bürschlein stolpert daraufhin von einem Missgeschick ins nächste und muss – um zu seinem besorgten Vater zurückkehren zu können – eine Reihe aufregender Abenteuer bestehen.

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Fuchs, Pinocchio und der blinde Kater

Die Pinoccho-Verfilmung von Matteo Garrone sehen wir etwas zwiegespalten. Kommen wir zuerst mal zu den Kritikpunkten: Trotz seiner Länge von 124 Minuten, nimmt sich der Film keine Zeit, Klingt paradox, ist aber so. Ob es das Drehbuch oder der Schnitt war, ist schwer zu sagen. Tippen würde wir auf letzteres - einige Filmübergänge und Handlungsweisen erscheinen komplett ohne Vorgeplänkel einfach so zu passieren. Halt als wenn jemand auf Teufel komm raus Minuten sparen musste und charakterbildende und expositionelle Passagen rigoros herausgekürzt hätte. Auffallend ist das auch in der Beziehung zwischen Gepetto und Pinocchio, die hier eigentlich überhaupt nicht aufgebaut wird - so kommt auch der grandiose Oscar-Preisträger Roberto Benigni als Gepetto kaum richtig zur Geltung. Schnitzen, adoptieren und zur Schule schicken in nur ein paar Minuten, ohne viel Gefühl und Sorgfalt. Aber, und dieses "aber" schreiben wir ganz groß ... also ABER: das Hauptaugenmerk der Macher lag scheinbar eh auf einem ganz ganz anderen Aspekt, und der ist auf der visuellen Ebene zu finden. Diese Realverfilmung ist ganz ganz anders als das, was man erwartet und ist in der Darstellung der einzelnen Figuren eher wie ein Theaterstück zu sehen. Denn hier werden nicht nur die humanoiden Charaktere von Menschen dargestellt, nein, auch der hölzerne Protagonist, andere Marionetten, der listige Fuchs, der blinde Kater, die Schnecke der Fee oder gar die mahnende Grille sind menschliche Darsteller. Dabei wurden diese mit tollem Make-Up und Kostümen in ihre Charaktere verwandelt, in wundervolle Szenerien versetzt und mit gefühlvollen, opulenten Kamerabildern eingefangen. Hier stört kein (auffälliges) VFX, scheinbar ist alles mit klassischem Setbuilding und normalen, handmade Special Effects entstanden. Das fasziniert und fesselt und hat uns begeistert. Ob diese Art der Verfilmung für Kinder geeignet ist, mögen wir pädagogisch nicht beurteilen - wir denken eher, dass es als theatralisches Kunstwerk für Erwachsene gedacht ist und damit in eine anspruchsvolle Filmsammlung passt. Man darf den bunten Disney-Klassiker getrost daneben stellen.

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Pinocchio für alle

Ab 16. Oktober 2020 ist Pinocchio als DVD, Blu-ray. als 2-Disc Limited Collector's Edition im Mediabook (Blu-ray DVD) und als 2-Disc Limited Collector's Edition im "capelight"-Mediabook (4K Ultra HD Blu-ray) erhältlich. Das Mediabook überzeugt dieses Mal nicht ganz so sehr in Punkto Extras (nur ein Making of und ein Trailer sind neben dem Film auf den Disks), dafür mit einer grandiosen, absolut perfekt passenden Covergestaltung sowie einem sechzig-seitigem (60!) Booklet mit interessanten Einblicken ins aufwendige Design und die Intention der Macher.
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Blick ins Mediabook


© Text: onyourscreen.de / AS


 
 
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