Artikel vom 12.03.2013 | Heimkino->Serien

Misfits



Außerordentlich begabte Außenseiter


Wenn irgendwo eine Superhelden-Serie genau so nicht entstanden wäre, dann wäre es im Mutterland der TV-Menschen mit Superkräften, den USA. Die britische Serie Misfits treibts definitv zu derb für us-amerikanische Verhältnisse. Politisch sowas von völlig unkorrekte Ausdrucksweisen, vulgäre Darstellungen und Charaktere mit soviel Ecken und Kanten, das es schon fast weh tut, beherrschen die nur sechs Folgen der ersten Staffel. Ob sichs lohnt?

Mediafacts
Misfits
Cover: Misfits
Titel: Misfits
Originaltitel: Misfits
Getestete Version: DVD
Produktionsjahr: 2009
Episoden: 6 in 1. Staffel (29 in 4 Staffeln)
Genre: Comedy, Drama, Fantasy
Cast: Robert Sheehan, Iwan Rheon, Lauren Socha, Nathan Stewart-Jarrett, Antonia Thomas
Idee: Howard Overman
Label: Polyband/WVG

Filmkurzbeschreibung


Zu Sozialstunden im Gemeindezentrum verdonnert, werden fünf kleinkriminelle Jugendliche und ihr Sozialarbeiter während eines seltsamen Gewitters von einem Blitz getroffen. Nach und nach entdecken die drei Jungs und zwei Mädels, das ihnen übernatürliche Kräfte auferlegt wurden. Was sie mit dieser "Bürde" anfangen könnten, weiß aber keiner von Ihnen. Hilfreich werden die ausserordentlichen Begabungen allerdings, als ihr ebenfalls mutierter Sozialarbeiter sie vor rasender Wut umzubringen versucht. Wenig hilfreich ist, das dieser dabei das Zeitliche segnet - was selbstverständlich vertuscht werden muss, wer glaubt schon Loosern mit Sozialstunden? Bis der letzte von ihnen, Großkotz Nathan, auch erkennt, ob und welche Superkraft er hat, müssen die Fünf alltägliche aber auch außergewöhliche Probleme lösen - denn scheinbar sind sie nicht die einzigen Betroffenen ...

Das meint onyourscreen.de zum Film


Misfits. Helden im orangenen, verdreckten Overall. Helden? Ja, manchmal schon. Irgendwie. Aber wer sind die Fünf? Da haben wir erstmal "Kelly", das wohl prolligste weibliche Wesen mit übermenschlichen Kräften, das jemals die TV-Welt erblickt hat. Und gerade die kann nun die Gedanken ihrer Mitmenschen hören. Das sie dabei nur selten was positives über sich hört, ist nicht sonderlich hilfreich.
Dann begegnen wir "Curtis", ein Hochleistungssportler der fast bei Olympia angetreten wäre. Fast. Wäre er nicht mit Koks erwischt worden. Eigentlich eher anständig, fühlt er sich anfangs völlig fehl am Platze. Und das er die Zeit zurückdrehen kann, ist oft aber nicht immer hilfreich.
"Alisha" hat wohl die aussergewöhnlichste "Begabung". Die äusserliche Verkörperung des Typus "Bitch" verwandelt jeden durch blosse Berührung in ein rasendes, vom Sexualtrieb gesteuertes Subjekt. Dummerweise ist Alisha dann auch meist gleich das Opfer.
Dann wäre da noch "Simon". Der mehr als seltsame, eher nerdige Typ, der per se schon arge Züge des Psychophaten aufweist, darf sich dank des Blitztreffers nun unsichtbar machen. Das er das erstmal zum Spannen in der Mädchenumkleide nutzt, liegt bei seinem Naturell fasst auf der Hand. Im Laufe der Serie entwickelt sich aus ihm einer der interessantesten Charaktere.
Nur "Nathan", der total arrogante Klugscheißer, der keine Rücksicht auf irgendjemands Gefühle nimmt, steht noch mehr im Vordergrund der Fünf. Von der Mutter aus dem Haus geschmissen, nächtigt er sogar im Gemeindezentrum um das sich nahezu alle Stories drehen. Bis zum Schluss weiß Nathan übrigens nicht ob und wenn, welche Superkraft er besitzt - auch wenn er "in seinen Eiern fühlt, das er eine Kraft hat" (O-Ton).

Damit diese Fünf nahezu asozialen Charaktere überhaupt zusammenwachsen können, dafür braucht es einen mehr als trifftigen Grund. Der (selbstverteidigende) Mord an ihrem Sozialarbeiter ist hier das Bindeglied, das sie anfangs zusammenhält. Das sich im Laufe der Zeit Freundschaften und gar Liebschaften in diesem Konvulut an Gossenkindern entwickeln können, mag man zuerst nicht vermuten und doch ist es einer der Bausteine, die einen die leider nur sechs Folgen der ersten Misfits-Staffel verschlingen lassen.
Man lacht, leidet und fühlt mit jedem einzelnen der Charaktere. Vor allem lacht man über den hervorragend herausgearbeiteten Hauptcharakter Nathan, dem seine gnadenlos gute Rolle auf den Leib geschrieben wurde. Dessen Dialogzeilen kommen so dreckig-messerscharf geschliffen aus dem Loosermund, das es eine wahre Freude ist. Auch Gossen-Kelly, die vor allem im Originalton kaum zu verstehen ist, ist ein Brüller. Am tragischsten wirkt noch Psycho-Simon, der fast schon theatralisch-überintensiv aber absolut passend dargestellt wird. Seine Psychosen sind fast schon körperlich spürbar. Einfach eine großartige Truppe voller fast schon gescheiterter Existenzen, von denen man sich sensationell unterhalten lassen kann. Der ungewöhnliche und abwechslungsreiche Soundtrack tut sein übriges.

Das meint onyourscreen.de zur DVD


Wir können uns nicht erinnern auf einer Serien-DVD (DVD wohlgemerkt!) jemals ein solch großartiges, rattenscharfes und kontrastreiches Bild gesehen zu haben. Keine Kompressionsartefakte, kein Rauschen, kein Nix! Wieso schaffen das andere nicht? Dazu befinden sich noch ein paar Extras auf der Disc 2, die aber nicht so ganz das Gelbe vom Ei sind. Der Kauf einer Blu-ray erscheint uns (allerdings ungesehen) wenig sinnvoll, es sei denn das dort Unmengen an Bonusmaterial vorhanden sein sollte.


Onyourscreen.de-Fazit zu Misfits


Die Mischung der fünf Individuen, ihre teils sonderbaren Kräfte und die manchmal noch absurderen "Begabungen" anderer, die auch vom Blitz getroffen wurden, machen aus den wenigen Folgen der ersten Misfits-Staffel einen absoluten Serienknaller. Der bissig-böse britische Humor ist möglicherweise nicht jedermanns Sache, aber wer über die derb-düstere Comedy nicht lachen kann, bei den Dramen nicht mitfühlt, dem ist einfach nicht zu helfen. Wir warten jetzt schon sehnsüchtig auf die nächste Staffel (die übrigens genauso wie die erste unzensiert auf DVD erschienen ist, was man von der TV-Ausstrahlung vermutlich nicht behaupten kann!) voller dreckiger, komischer und innovativer Serienunterhaltung.


© Text: onyourscreen.de / AS


 
 
© Edel:Motion

© 2008 4 Ventures Limited

© HBO/Warner HV

© edel:motion