Map to the Stars
Artikel vom 08.08.2014 | Echtes Kino

Maps to the Stars




Maps to the Stars © MFA+
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Poster: Maps to the Stars
Regisseur David Cronenbergs teils sehr eigenwillige Spielfilme, die sich früher meist dem menschlichen Körper als wissenschaftliches Versuchsobjekt widmeten, prägten das Subgenre "Body Horror". Zwar wollte er mit seinen Werken bewusst provozieren, doch war es das Philosophische an Horrorfilmen, was ihn (nach eigener Aussage) reizte und was seine Filme so außergewöhnlich machte. Diesen Pfad hat er nun schon seit einiger Zeit verlassen - bereits mit A History of Violence oder Tödliche Versprechen beschritt er neue Wege, Eine dunkle Begierde, Cosmopolis und nun ganz neu Maps to the Stars festigen seinen Drang zum tiefsinnigen, gerne satirischen Drama.

Filmkurzbeschreibung


Familie Weiss ist mittendrin im ganz normalen Hollywood-Wahnsinn: Kinderstar Benjie kann mit seinen dreizehn Jahren schon auf eine Drogenkarriere zurückblicken. Tochter Agatha hat vor Jahren das Haus der Familie in Brand gesteckt. Frisch aus der Psychiatrie entlassen, stürzt sie sich in eine Affäre mit dem Chauffeur Jerome und sucht Benjies Nähe, sehr zum Missfallen ihres Vaters Stafford. Der Guru arbeitet gerade an seinem neuen Buch. Nebenbei behandelt er die alternde Schauspielerin Havana, die vom Geist ihrer Mutter verfolgt wird, seit sie in einem Remake unbedingt die Rolle spielen will, die ihre Mutter einst berühmt machte.


Das meint onyourscreen.de zum Film


Den Menschen, der Gesellschaft, einer Gruppe oder, wie hier, einer Industrie einen Spiegel vorhalten, das ist etwas, was David Cronenberg meisterlich versteht. In Maps to the Stars nimmt sich die Koryphäe des düsteren Cinema-Stoffs das furchtlose Script von Bruce Wagner vor und schreckt nicht davor zurück, es dialogtechnisch und auch visuell provozierend vor dem geneigten Zuseher auszubreiten. Voll auf die Fresse der scheinbar hässlichen, menschenverachtenden Traumfabrik Hollywood!
Die beiden (Autor und Regisseur) haben etwas zu sagen und schreien es hinaus. Wohlwissend damit nur ein kleines Publikum anzusprechen, wohlwissend sich damit nicht anzubiedern, beschreiben sie eine Familie, die nie die Chance hatte eine "normale" zu sein. Eine Familie im scheinbar ganz normalen Hollywood-Wahnsinn. Eine Familie um den drogensüchtigen Kinderstar Benjie (Evan Bird), seine labilen und entstellte Schwester Agatha (Mia Wasikowska), Vater und Selbsthilfeguru Stafford (John Cusack) sowie Managerin und Mutter Christina Weiss (Olivia Williams). Auf der anderen Seite und doch irgendwie mittendrin in der gleichen aber auch ihrer eigenen Familientragödie, gibt sich eine fantastisch spielende Julianne Moore als vor sich hin alternde Schauspielerin Havana Segrand die Ehre - als verbindende Charaktere fungieren hier Carrie Fisher (als sie selbst) und Chauffeur und Möchtegern-Autor Jerome Fontana (Robert Pattinson). Das alles ergibt einen bitterbösen, rabenschwarzen Ausblick auf Hollywood, wie ihn sicher nicht jeder Zuseher sehen möchte. So surreal, so satirisch das hier auch alles herüberkommen mag, so sicher ist man sich insgeheim, dass es eine solch tiefdunkle Seite in und um Beverly Hills gibt.

Maps to the Stars © Photo taken by: Myrna Suarez
© Photo taken by: Myrna Suarez
David Cronenberg
So äussert sich David Cronenberg selbst zu seinem Film:
In Maps to the Stars sehe ich die Geister, die in den Kinos lauern, den Stand der gegenwärtigen Psyche, den Bilderkult der Stars, und den unkontrollierbare Drang ein virtuelles, gewalttätiges und künstliches Leben zu führen. Der Titel ist ein Hinweis auf die Karten, die man erwerben kann, um die Häuser der Stars im Labyrinth von Beverly Hills zu finden, aber er erinnert uns auch an die Vorstellungen, die unsere Vorfahren vom Himmel und dessen Einfluss auf die Welt hatten. Neben diesem rauen und provokativen Thema, befasst sich die Geschichte ebenfalls mit der Verbindung zwischen Bild und Magie in diesem neuen Babylon, der Hauptstadt der Unterhaltungs- und Filmindustrie.

Das Onyourscreen.de-Fazit zu Maps to the Stars


Ob Maps to the Stars tatsächlich "unterhaltsam" ist, ist abschließend schwer zu beantworten. Ebenso schwierig ist es den Film in ein Genre zu stecken. Drama? Thriller? Satire? Stimmt alles: Maps to the Stars ist dramatisch, hat spannende Momente aber kann auch komisch sein. Wir waren gefesselt von den Figuren und wie sie zusammengehören oder -finden, sowie von der für "Normalsterbliche" absurden Film- und Fernsehrealität, aber vor allem von den teils herausragenden schauspielerischen Leistungen. Jedem aufgeschlossenen Cineasten kann man somit auch den neuesten "Cronenberg" ans Herz legen.

onyourscreenSHOTs

Bild links Bild rechts
  • Maps to the Stars<br>© © Copyright Daniel McFadden
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  • Maps to the Stars<br>© © Copyright Daniel McFadden
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© Text: onyourscreen.de / AS


 
 
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