Artikel vom 03.03.2011 | Themen

Made in Germany



Ein Überblick über die aktuelle deutsche Filmlandschaft


So manch einer rümpft mit verständnislosem Blick die Nase, bekommt er zu hören, dass jemand davon spricht, er habe vor nicht allzu langer Zeit einen neuen deutschen Film gesehen - in voller Länge. Dieses allgemein geltende Vorurteil gegenüber Filmen aus deutschen Landen mag den Ursprung im TV-Programm haben. Denn nicht wenige verbinden deutsche Produktionen mit Schauspielerinnen wie Bettina Zimmermann, Veronica Ferres oder Maria Furtwängler, die zumeist im ZDF in selten dämlichen Eigenproduktionen starke, aber gefühlvolle Frauen spielen und im Zusammenspiel mit Plemplem-Drehbüchern jedem Kino-Fan das Blut zu Eis gefrieren lassen.

Vertrau pink - aber keinem deutschen TV-Film


Mit fragwürdigen Eigenproduktionen können aber genauso Pro7, RTL und Sat1 auftrumpfen, in denen dann ähnlich grenzdebile Schauspieler auftreten, die nicht mal einen Job in der nächsten Reklame von Vanish Oxi Action Pulver für spürbar sauberere Teppiche bekommen würden. Trash- Produktionen wie Hai-Alarm auf Mallorca geben dem Ruf des deutschen Films dann den letzten Rest. Der Fehler liegt allerdings nicht nur bei unzurechnungsfähigen Produzenten und hirnverbrannten Regisseuren. Denn der gemeine Filmfan schert deutsche TV-Filme und deutsche Kino-Filme gerne mal über ein und denselben Kamm und trägt damit dazu bei, dass deutsche Filme per se als billig produzierter Schund angesehen werden, der höchstens noch etwas für die 90-jährige Omi von nebenan ist, die sowieso nichts mehr mitbekommt. Dabei hat das junge deutsche Kino sehr viel mehr zu bieten als es die meisten leichthin glauben mögen. Mitte des vergangenen Jahrzehnts erfasste gar eine schäumende Welle den deutschen Film und trug ihn auch in jene Haushalte, die ansonsten eher weniger mit bewegten Bildern zu schaffen hatten. Mit Filmen wie Der Untergang, Sophie Scholl - Die letzten Tage oder Das Leben der Anderen machte nämlich eine ganze Reihe von Werken auf sich aufmerksam, die sich die zeitgeschichtliche Aufarbeitung deutscher Vergangenheit zur Aufgabe gestellt hatten. Ein paar Nazis hier, die DDR da - und mit Der Baader Meinhof Komplex kam zum Ende des Jahrzehnts auch die 68er-Bewegung zu ihrem filmischen Recht. Das Leben der Anderen gewann postwendend den Oscar und sorgte dafür, dass die Welle auch im Ausland ein wenig plätschern durfte.


Von wegen Krise


Anfang des neuen Jahrzehnts ist die Welle allerdings längst verebbt und der deutsche Film steckt wie gehabt in der Identitätskrise. Was mache ich hier? Was will ich sein? Wo gehe ich hin? Fragen, die sich der deutsche Film seit der ruhmreichen Zeit der Autoren-Filmer der 70er und 80er Jahre alle zwei Jahre aufs Neue stellt und nicht nachhaltig beantworten kann. Dabei gab vor allem das letzte Filmjahrzehnt ausreichend Anlass, um an eine zumindest längerfristige Identitätsfindung des deutschen Films zu glauben - gänzlich unabhängig von der Nazi/DDR/68er-Welle. Das vergangene Jahrzehnt wurde im Grunde nämlich von Namen wie Christian Petzold, Hans- Christian Schmid oder Nina Hoss bestimmt, welche die Identitätskrise zur eigentlichen Identität werden ließen und mit einer ganzen Reihe von Filmen glänzten, die gänzlich im Zeichen atmosphärischer Reduziertheit standen. Ohne viele Dialoge, ohne John Williams-Orchester und ohne Krach und Bumm entwickeln Filme wie Yella, Lichter oder Der freie Wille eine melancholisch-düstere Atmosphäre, die in den letzten zehn Jahren exemplarisch für den jungen deutschen Film stand. Und mit Identitätskrise und Hai-Alarm auf Mallorca hat das nun wirklich nicht viel zu tun.


© Text: onyourscreen.de / TH


 
 
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