Artikel vom 17.02.2013 | Heimkino->Blu-Ray

Lourdes



Glaube, Liebe, Hoffnung ... oder so.


Es gibt Themen, die auf den ersten Blick eher für eine Dokumentation denn für einen Spielfilm geeignet scheinen. So lag die österreichisch-deutsch-französische Koproduktion Lourdes von Jessica Hausner auch unverhältnismässig lange auf unserem "noch anschauen Stapel". Doch ein ruhiger Sonntagnachmittag schien genau richtig für den anscheinend schwierigen Stoff, der, wie sich herausstellen sollte, überhaupt nicht wirklich schwierig war.

Mediafacts
Cover: Lourdes
Titel: Lourdes
Originaltitel: Lourdes
getestete Version: Blu-ray
Cast: Sylvie Testud, Léa Seydoux, Thomas Uhlir, Gilette Barbier, Gerhard Liebmann
Regie: Jessica Hausner
Produktionsland: Österreich, Deutschland, Frankreich
Studio/Verleih: Euro Video
DVD-Release: 2010
Produktionsjahr: 2009
Spieldauer: 96 Minuten
Sprache: Deutsch (DD 5.1), Französisch (DD 5.1)
Regioncode: 2
FSK: Freigegeben ab 0 Jahren

Filmkurzbeschreibung


Hauptfigur ist die durch Multiple Sklerose gelähmte Christine, deren Wallfahrt nach Lourdes wir durch ihre Augen und ihr durch die Bewegungsunfähigkeit eingeschränktes Blickfeld erleben. Christines durch die Krankheit verändertes Leben hat sie in eine unfreiwillige soziale Isolation gezwungen. Maria, eine junge Malteserin und ihre Betreuerin während der Wallfahrt, begleitet Christine in die Bäder und zu den Prozessionen, schwärmt aber lieber für ihre männlichen Mithelfer. Wenn Marie nicht dabei ist, kümmert sich Frau Hartl, eine Pilgerin, die zwar kein körperliches Gebrechen hierher nach Lourdes mitbringt, die aber von ihrer lebenslangen Einsamkeit gequält ist, um die junge Chrisitne. Im Verlauf des Aufenthaltes kommt es zu einer Besserung von Christines Zustand bis hin zu einer Heilung, sie kann wieder gehen. Während die Möglichkeit eines Rückfalls drohend über ihr schwebt, die strenge Kommission noch entscheidet ob es sich hierbei um ein Wunder handelt, genießt sie das Glück, das sich für diesen Moment erfüllt hat und versucht es für sich festzuhalten.

Das meint onyourscreen.de zum Film


Lange ruhige, fast stoische Kamera-Blicke auf das Wirken und Treiben der Pilger, der freiwilligen Helfer und das Klientel derjenigen, die an den Wundern des Wallfahrtsort Lourdes verdienen, sind stilprägend für den gesamten Film. Gleich die erste, sehr lange Einstellung zeigt aus erhabener (gottgleicher?) Position einen Speisesaal in dem zuerst Helfer die Tische eindecken und in den anschließend die heilsuchenden Pilger strömen. In bildstarken, fast übertrieben langatmigen Szenen erzählt Jessica Hauser eine Geschichte rund um den wohl populärsten katholischen Wallfahrtsort der Welt und um Christine, einen der abertausenden Pilger, die wohl insgeheim hoffen ein Teil des Mythos der lourdesschen Wunderheilungen zu werden. Doch ob die scheinbar wenig gläubge Christine tatsächlich dafür hier ist oder nur um ihrer gesellschaftlichen Isolation zu entfliehen, muss jeder Zuseher für sich selbst entscheiden. Genauso macht sich jeder sein eigenes Bild vom Hotspot des katholischen Wahlfahrtstourismus - der Film gibt einem alle Möglichkeiten dazu. Er reisst den Kommerz um die Maria-Erscheinungen an, er zeigt die aufopfernde aber auch strenge Hilfsbereitschaft der Freiwilligen, er persifliert nahezu die fast an Aberglauben heranreichenden Rituale, er spiegelt die wundervollen und eindrucksvollen Bauten wieder, er demonstriert wie streng durchorganisiert ein solcher Ort sein muss.


Christines schrittweise Heilung geschieht dabei fast beiläufig, nichts zu sehen von einem Wunder voller Glanz und Gloria. Viel wichtiger als das ist aber auch, wie ihre Umwelt darauf reagiert. Freude, Bewunderung, Skepsis, Neid - die ganze Skala der Menschlichkeit wird hier aufgefahren. Das man dabei zwischendrin durchaus schmunzeln darf, wollen wir übrigens nicht verschweigen. Zweideutigkeiten und Witzeleien von der Obrigkei, dümmlich-komische Bemerkung der pilgendern Hausfrauen mit (hoffentlich!) wegzubetendem Hautausschlag aber auch lahme Antworten der Geistlichkeit auf die Fragen der Ratsuchenden lockern den extrem ruhigen Film auf.
Das völlig offene Ende wirkt fast schon zu sehr wie "und nun denkt mal drüber nach", denn eigentlich interpretiert man fast ununterbrochen während der gesamten 96 Minuten jede einzelne gekonnt eingestellte Szene.

Das meint onyourscreen.de zur Blu-ray


Kein Mensch braucht bei diesem Film die Blu-ray. Wenn ihr die DVD günstiger schnappen könnt, schlagt zu. Weder Bild noch Ton bedürfen hier High-Definition. Was aber wirklich ärgerlich ist, das auch die Blu-ray keinerlei nennenswerte Special Features mit sich bringt. Noch nichtmal ein Wendeover wurde dem lohnensweren Film gegönnt. Scheint fast so, als hätte niemand damit gerechnet, das sowas überhaupt jemand kauft?! Schade.

Onyourscreen.de-Fazit zu Lourdes


Ein modernes Märchen, das man zumindest in einer solchen Darreichungsform wohl noch nie gesehen hat. Manchmal fast zu dokumentarisch angehaucht, spielt der Film mit den Grundkonstanten des menschlichen Dasein: Glaube, Hoffnung und Liebe. Und so manches mal wundert man sich, das man für all das eine Drehgenehmigung an scheinbar authentischer Stelle bekommen hat. Der mehrfach ausgezeichnete Film spielt gekonnt mit den Gedanken des geneigten Zusehers und hat zumindest uns nachhaltig beeindruckt.


© Text: onyourscreen.de / AS


 
 
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