Loriot: Pappa ante portas | Ödipussi
Artikel vom 31.08.2011 | Heimkino->DVD

Loriot ante Portas



Lieber Gott, viel Spaß!


Nachdem letzte Woche mit Loriot einer der größten deutschen Humoristen starb, möchten auch wir dem Meister des trockenen Humors Tribut zollen und seine beiden Kinofilme Ödipussi und Pappa ante Portas an dieser Stelle würdigen.

Loriot – Die Erste: Ödipussi (1988)


Paul Winkelmann (Loriot) leitet das familieneigene Möbel- und Dekorationsgeschäft. Der ewige Muttersöhnchen ist dabei aber alles andere als selbständig, sondern lebt noch bei seiner dominanten Mutter. Als Paul auf seine alten Tage die Psychologin Margarethe (Evelyn Hamann) kennenlernt, ist weder Pauls Mutter von der Beziehung angetan noch können sich Margarethes Eltern für den tolpatschigen Paul begeistern. Bei der Familienzusammenführung bahnt sich damit eine Katastrophe an...

Meister der zerbröselten Kommunikation


Loriot, der den bürgerlichen Namen Bernhard-Victor Christoph Carl von Bülow trug - kurz Vicco von Bülow - war ein begnadeter Beobachter der Menschen. Niemand sonst studierte die Angewohnheiten und Schwächen seiner Mitmenschen so genau und parodierte sie so exakt wie Loriot. Zusammen mit seiner kongenialen Partnerin Evelyn Hamann, leben auch Loriots Filme von solchen absurden Alltagssituationen, in denen sich jeder Zuschauer irgendwie wiedererkennt. So ist es denn auch ein herrliches Schauspiel, wenn - wie im richtigen Leben - zwei Menschen aneinander vorbei kommunizieren, wie die folgende Szene aus Ödipussi eindrucksvoll veranschaulicht: (Paul Winkelmann) „Sie sind jetzt elf Jahre in meinem Geschäft und wissen nicht, wo die Preislisten liegen, Fräulein...na...äh...?“ - (Angestellte) „Hagebusch.“

1988 drehte Loriot als Autor, Regisseur und Hauptdarsteller die Komödie Ödipussi und bewies damit zugleich, dass sein Humor auch im Film wunderbar funktioniert. Loriots genialer, teils bissiger Witz gepaart mit einem meisterhaften Gebrauch der deutschen Sprache, führt auch in Ödipussi zu einem köstlichen Amusement: „Stehen Sie einer Partei besonders nahe?“ - „Nein, nein, aber ich bewundere an Politikern ganz allgemein diese geistige und menschliche Überlegenheit!“

Bei all den Spitzfindigkeiten Loriots und seiner Intellektualität, ist es daher kaum ein Wunder, dass einige sprachlichen Formulierungen und Erfindungen Loriots ihren Weg ins deutsche Allgemeingut fanden. Wer erinnert sich nicht gern an das Jodeldiplom, die Steinlaus oder den Kosakenzipfel. Loriot, ein Mensch, der die Lachmuskeln seiner Mitmenschen aufs äußerste strapazierte. Nicht umsonst, verabschiedeten ihn einige seiner Freunde mit den letzten Grußworten: „Lieber Gott, viel Spaß!“

Loriot – Die Zweite: Pappa ante Portas (1991)


Der Einkaufsdirektor Heinrich Lohse (Loriot) wird überraschend in den Vorruhestand geschickt. Fortan will er sich der Familie widmen. Doch mit Pappa ante Portas geht ein Angstschrei durchs Familienidyll, denn der pedantische Sparfuchs Heinrich gefährdet mit seinen absonderlichen Aktionen die häusliche Harmonie. So kauft er unter anderem zwei Paletten Senf, um möglichst viel Rabatt herauszuschlagen. Aufgrund seines chaotischen Treibens gerät Ehefrau Renate (Evelyn Hamann) dem Wahnsinn nahe und eine Lösung der prekären Situation scheint nicht in Sicht, doch dann feiert die Schwiegermutter ihren 80. Geburtstag...

Nicht ohne kongenialen Gegenpart


Viel Spaß gibt es auch bei Loriots zweitem filmischen Werk Pappa ante Portas. Auch hier schrieb er das Drehbuch und stand selbst vor und hinter der Kamera. Neben der Hauptrolle des Heinrich Lohse spielte er hier gleich mehrere Rollen, so auch den Großvater Hoppenstedt, der wohl jedem noch durch die Sketchereihe „Weihnachten bei den Hoppenstedts“ bekannt sein dürfte. Wie schon bei den „Hoppenstedts“ und in „Ödipussi“ überzeugt in Loriots zweiter Filmkomödie einmal mehr Evelyn Hamann in der weiblichen Hauptrolle. Als Partnerin und perfekte Gegenspielerin tritt sie ebenbürtig an Loriots Seite: „Ich möchte Dich daran erinnern, dass wir nie verschiedener Meinung sind.“ - „Dann empfehle ich Dir, Dich meiner Meinung anzuschließen.“

Fazit: Lachen, bis das Zwerchfell kapituliert


Tolle Geschichten, großartige Schauspieler sowie höchst amüsante und unvergessliche Dialoge - viel mehr Worte bedarf es über die Loriot-Filme nicht. Der Humorist sagte einmal selbst über seine Werke: „Es wird in keinem meiner Filme irgendwo gelacht, nirgendwo. Lachen sollen die Zuschauer.“ Sei unbesorgt, lieber Vicco – das tun sie – bis das Zwerchfell schmerzt! R.I.P.


© Text: onyourscreen.de / SN


 
 
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