Last seen Musikfilm Special
Artikel vom 09.12.2012 | Rubriken->Last Seen

Last seen - Musikfilm-Special



Film und Musik, was passt besser zueinander?


Filmmusik, Soundtracks, Scores, Titelmelodien ... Musik in jedweder Form gehört zu (fast ) jedem Film, ob dogmatisch eingesetzt oder aufwendig in der Nachbearbeitung hinzu produziert. Aber oft ist die Musik, eine Musikrichtung oder auch eine Band der eigentliche Beweggrund des Films - dann spricht man in der Regel von einem Musikfilm. Und genau davon haben wir uns gerade zuletzt so einige angesehen.

Anvil! Die Geschichte einer Freundschaft

Originaltitel: Anvil! The Story of Anvil
Genre: Musikfilm, Rockumantary
Regie: Sacha Gervasi
Cast: Steve „Lips“ Kudlow, Robb Reiner, Glenn Gyorffy, Ivan Hurd, Tiziana Arrigoni
Produktionsland/-jahr: USA, 2008
 
Anvil! The Story of Anvil - so der Originaltitel - liegt in Deutschland nur in Original mit Untertitel (OmU) vor. Das sollte und darf aber auf keinen Fall irgendwen davon abhalten diese wahrhaft großartige Dokumentation über die wohl beste Speedmetal-Band aller Zeiten von der du, der geneigte Leser, vermutlich noch nie etwas gehört hast, zu kaufen und ganz sicher mehr als einmal zu sehen. Was die Bandurgesteine Steve „Lips“ Kudlow und Robb Reiner seit 1984 bis heute dazu bewegt, eine der hochgelobtesten und dabei völlig erfolglosen Metalbands am Leben zu erhalten und was diverse Genregrößen dazu zu sagen haben, ist witzig und gleichzeitig emotional und einfühlsam anzusehen. Hier trifft der deutsche Titel übrigens ausnahmsweise mal den Inhalt deutlich besser: Anvil! Die Geschichte einer Freundschaft.


This is Spinal Tap

Originaltitel: This is Spinal Tap
Genre: Musikfilm, Rockumantary
Regie: Rob Reiner
Cast: Michael McKean, Christopher Guest, Harry Shearer, Rob Reiner
Produktionsland/-jahr: USA, 1984
 
Die Pseudo-Rockdoku von Regisseur Rob Reiner, besser bekannt für seine Werke Stand by Me, Die Braut des Prinzen, Harry und Sally oder Eine Frage der Ehre, begleitet die Band "Sp?n?al Tap" auf einer Tournee - im Gegensatz zu "Anvil" (siehe oben) ist diese aber völlig fiktiv. Auch diese Rockumentary liegt nur in Original mit Untertitel (OmU) vor, was deutlich hinderlicher ist, als im erstgenannten. Trotzdem kommt man auch hier teils nicht aus dem Lachen heraus ... Up to eleven.

Almost Famous – Fast berühmt

Originaltitel: Almost Famous
Genre: Musikfilm
Regie: Cameron Crowe
Cast: Billy Crudup, Frances McDormand, Kate Hudson, Patrick Fugit, Jason Lee
Produktionsland/-jahr: USA, 2000
 
Cameron Crowe der gerade wieder mit Wir kaufen einen Zoo einen kultverdächtigen Film an die Kinofront gebracht hat, verfilmte stark autobiografisch Teile seiner Jugend als Autor für Rockmusik-Magazine.
William Miller, ein 15-jähriger hochbegabter junger Mann begleitet gegen den WIllen seiner Mutter die Newcomer-Band Stillwater auf eine Tournee, verliebt sich in Penny Lane und durchlebt Höhen und Tiefen. Kultig!

Velvet Goldmine

Originaltitel: Velvet Goldmine
Genre: Musikfilm
Regie: Todd Haynes
Cast: Christian Bale, Ewan McGregor
Produktionsland/-jahr: USA, 1998
 
Nun, hier ist unser Urteil vermutlich zu geprägt vom Missfallen an dem anscheinend diesen Film prägenden David Bowie und seiner Musik in Zeiten des Glam Rock. Ein Musikfilm muss schon besondere Größe haben um einen mitzureissen, ohne das man mit der zugrunde liegenden Musikrichtung etwas anfangen kann. Das ist hier zumindest in unserem Fall ... nicht der Fall.

Great Balls of Fire – Jerry Lee Lewis – Ein Leben für den Rock’n’Roll

Originaltitel: Great Balls of Fire!
Genre: Musikfilm
Regie: Jim McBride
Cast: Dennis Quaid, Winona Ryder, John Doe, Alec Baldwin
Produktionsland/-jahr: USA, 1998
 
Great Balls of Fire – Jerry Lee Lewis – Ein Leben für den Rock’n’Roll ... was für ein Filmtitel. Konnte sich der deutsche Verleih hier nicht für einen der drei Vorschläge entscheiden? Aber egal, das Biopic über Jerry Lee Lewis macht Spaß, ist aber wohl nicht ganz ernstzunehmen, da es sich eher an den Legenden denn an den Fakten um den König des Rock'n'Roll-Piano orientiert. Trotzdem bleiben ein großartiger Dennis Quaid, eine noch junge und tolle Winona Ryder und natürlich "der Song" positiv im Gedächtnis.

Die Legende vom Ozeanpianisten

Originaltitel: La leggenda del pianista sull'Oceano
Genre: Musikfilm
Regie: Giuseppe Tornatore
Cast: Tim Roth, Pruitt Taylor Vince, Mélanie Thierry
Produktionsland/-jahr: Italien, 1998
 
Die Legende vom Ozeranpianisten basiert auf dem Monolog "Novecento" (Neunzehnhundert) des italienischen Schriftsstellers Alessandro Baricco und ist ganz sicher einer der fabelhaftesten Musikfilme aller Zeiten. Trompeter Tim Tooney erzählt hier die Geschichte/Legende des begnadeten Pianisten Danny Boodman T.D. Lemon Novecento (gerufen 1900), der als Baby am 1. Januar 1900 auf dem Passagierschiff Virginian elternlos gefunden wird und Zeit seines Lebens das Schiff nicht verlassen hat. Ein unglaublicher Soundtrack (von Ennio Morricone und Amedeo Tommasi), eine faszinierende nahezu poetisch verfilmte Geschichte und die ausserordentlichen schauspielerischen Fähigkeiten von Tim Roth und Pruitt Taylor Vince machen diesen FIlm nahezu episch. Unbedingt empfehlenswert!


Schultze gets the blues

Originaltitel: Schultze gets the blues
Genre: Musikfilm
Regie: Michael Schorr
Cast: Horst Krause, Harald Warmbrunn, Karl-Fred Müller
Produktionsland/-jahr: Deutschland, 2003
 
Getragen von Profi Horst Krause erzählt die ansonsten fast ausschließlich mit Laien besetzte, manchmal scheinbar drehbuchlos erzählte tragisch-komische Geschichte vom Rentner und Akkordeonspieler Schultze. Dieser hört an einem für ihn typischen, ereignislosen Tag im Radio ein faszinierendes Musikstück ... und spielt es auf seiner "Quetschkommode" nach. In der Heimat stösst er mit seiner musikalischen Wandlung auf Ablehnung, also begleitet ihn die Kamera nach New Braunfels in Texas, an den Golf von Mexiko und schließlich zu den Bayous von Louisiana. Hier findet er schlußendlich "seine Musik" ... und seinen Frieden. Ein melancholich-komischer Musikfilm gepaart mit einem ungewöhnlichen Roadmovie - sollte man gesehen haben.



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