Die ewige Klapperschlange, Kurt Russel
Artikel vom 09.08.2011 | Themen

Kurt Russel kanns noch



Die ewige Klapperschlange


Cutlass? Nein, nie gehört. Der letzte Film mit Kurt Russell, aha, aber halt, das war doch Quentin Tarantinos Death Proof, 2007. Nein, tatsächlich, es war Cutlass, auch 2007, aber den kennt eben kaum einer. Ok, es ist in Wahrheit "nur" ein 16-minütiger Kurzfilm, gedreht von Russells Stieftochter Kate Hudson, ein paar andere US-Kinogrößen spielen auch mit. Kristen Stewart etwa oder Chevy Chase. Wahrscheinlich konnte er seiner Stieftochter einen Wunsch nicht abschlagen, aber wer weiß das schon genau.

Wer sich aber die Mühe macht, die Internet Movie Database ein wenig zu durchstöbern, dürfte etwas überrascht sein. Gleich hinter drei Filmen steht in Klammern die Zahl 2011, sowie einmal "Postproduktion" und zweimal "in Produktion". Einer der Filme heißt Waco, ein Film über die Sektentragödie von 1993, Russell wird dort zusammen mit Sharon Stone, Adrien Brody und Giovanni Ribisi zu sehen sein. Russells Auftritt in einem derart stargespickten Hollywoodfilm kann man getrost als Comeback bezeichnen. Das Comeback der Klapperschlange.

Mal ist er da, dann länger weg


Denn das ist er immer geblieben, seitdem er 1981 den "Snake Plissken" gespielt hat in John Carpenters Die Klapperschlange, wo ganz Manhattan ein Hochsicherheitstrakt ist und ausgerechnet "Snake Plissken" den dort mit dem Flugzeug abgestürzten Präsidenten retten soll. Snake ist natürlich selbst auch kein Kind von Traurigkeit, und es ist genau diese Rolle des echten Kerls, mit der Kurt Russell fortan in Verbindung gebracht wird. Auch, wenn er es hin und wieder auf die sanfte Tour versucht, wie etwa 1987, als er mit Goldie Hawn Overboard drehte, eine hinreißende Komödie, die auf einem Hausboot spielt. Seit 1983 übrigens sind Hawn und Russell liiert; Hawn ist Kate Hudsons Mutter.

Im Filmbusiness ist so eine langjährige Beziehung ja nicht unbedingt an der Tagesordnung, und vielleicht erklärt es sich so, dass Kurt Russell in seinem Alter nicht noch ständig vor der Kamera herumturnen muss. Er hat mit Hawn einen gemeinsamen Sohn, und als der 1986 auf die Welt kam, drehte Russell außer Overboard erst einmal drei Jahre lang nicht. Dann kamen nach und nach u.a. Tango und Cash, Fatale Begierde, Tombstone und Emmerichs Stargate - bis Russell 1996 wieder in die Rolle des Snake Plissken schlüpfte in Flucht aus L.A., dem Remake der "Klapperschlange". Der Film, den Russell auch mitproduzierte, erntete (berechtigter Weise) weniger gute Kritiken, aber sein Ruf als echter Kino-Kerl, als Draufgänger, stellte sich sofort wieder ein. In den Jahren darauf hielt er sich dann mit kleineren Rollen in B-Movies über Wasser - bis Quentin Tarantino ihn für Death Proof anheuerte.

Klappern gehört nicht zum Handwerk


Russell spielte den abgehalfterten, versoffenen Stuntman Mike, der mit seinem umgerüsteten Rennwagen Leute wahllos und absichtlich totfährt. Die Handlung ist reinster Trash, und der Film eine Hommage an das Exploitation-Kino. Doch die Kritiken waren gut, es wurde als cineastisches Zitatkunstwerk gefeiert, zu dem der groß aufspielende Russell einen entscheidenden Teil beitrug. Da war er wieder, der harte Mann, dem alles egal ist, wie schon 1981 und 1996 Snake Plissken alles egal war; da war der Kurt Russell, wie das Kino ihn geschaffen hatte. (Eine ausführliche Kritik zum Grindhouse-Doublefeature (und damit auch zu Death Proof mit Kurt Russell) findet ihr hier)

Jetzt also, 2011, kehrt die ewige Klapperschlange zurück auf die Leinwand, drei Mal gleich. Das passt gut in dieses Jahr, schließlich wird Kurt Russell nun 60, am 17. März. Ob wir ihn wieder als Typen zu sehen bekommen, der pures Gift ausstrahlt, wie man ihn halt vor dem geistigen Auge hat, bleibt noch abzuwarten. Allerdings beruht die Sache mit der Klapperschlange auf einem Fehler, einer Ironie des Schicksals. Der Originaltitel John Carpenter's Escape from New York kam zwar mit dem deutschen Titel Die Klapperschlange in die Kinos - auf Snake Plisskens Unterarm im Film ist aber eine tätowierte Kobra zu sehen. Kobras aber klappern nicht. Es gehört nicht zu ihrem Handwerk.


© Text: onyourscreen.de / HK/AS


 
 
© Universum Film

© Tiberiusfilm

© SquareOne/Universum Film GmbH