Inherent Vice - Natürliche Mängel © Warner Bros. Entertainment
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Artikel vom 25.06.2015 | Echtes Kino

Inherent Vice



Natürliche Mängel


Wenn sich das mal nicht grandios anhört: Hollywoods Wunderregisseur und Dauerhoffnung Paul Thomas Anderson dreht nach Last Exit Reno (1996), Boogie Nights (1997), Magnolia (1999), Punch-Drunk Love (2002), There Will Be Blood (2007) und zuletzt The Master (2012) seinen siebten (abendfüllenden Spiel-) Film und nimmt sich darin einen Thomas Pynchon-Roman als Vorlage. Man durfte gespannt, aber ganz sicher auch gewarnt sein ...


Inherent Vice - Natürliche Mängel © Warner Bros. Entertainment
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Nicht nur die schöne Shasta stiftet Verwirrung

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Filmplakat: Inherent Vice

Filmkurzbeschreibung


Völlig unerwartet taucht Shasta, Ex-Freundin von Privatdetektiv und Dauer-Kiffer Doc Sportello auf und erzählt ihm eine seltsame Story: sie hätte sich in einen jüdischen Immobilienmakler verliebt, und nun wollen dessen Ehefrau sowie deren Freund den Milliardär kidnappen um ihn in die Klapsmühle zu stecken …
Doch die schöne Shasta bleibt nicht Doc's einziger Klient, der ihn in dieser Zeit beauftragt: das Mitglied einer schwarzen Gang heuert ihn an um dessen ehemaligen Knastkumpan - seines Zeichens Sympathisant der Arischen Bruderschaft (!) - für ihn aufzuspüren. Dazu kommt die Suche nach dem verschollenen Mann und Saxophonspieler einer drogensüchtigen Drogenberaterin ... und irgendwie hängt alles zusammen. Scheinbar. Ganz sicher. Naja, seht selbst ...

Das meint onyourscreen.de zum Film


Paul Thomas Anderson ruft und eine ganze Schar an darstellenden Größen folgt ihm: Die Hauptrollen spielen die Oscar®-Kandidaten Joaquin Phoenix (The Master, Walk the Line), Josh Brolin (True Grit – Vergeltung, No Country for Old Men) und Owen Wilson (Die Royal Tenenbaums, Midnight in Paris), außerdem Katherine Waterston (Michael Clayton, Boardwalk Empire), die Oscar-Preisträger Reese Witherspoon (Walk the Line) und Benicio Del Toro (Traffic – Die Macht des Kartells), Martin Short (Frankenweenie), Jena Malone (Die Tribute von Panem-Serie) und Joanna Newsom (Portlandia). Was für ein Aufgebot. Und ohne Frage - jeder einzelne von ihnen spielt seine (teils aber nur kurze) Rolle glanzvoll und ganz im Sinne des Regisseurs - allen voran Joaquin Phoenix und Josh Brolin. Auch optisch weiß Inherent Vice - Natürliche Mängel zu überzeugen: großartig daher kommt beispielsweise der von Thomas Pynchen skizzierte, von Paul Thomas Anderson in Szene gesetzte und durch Kameramann und Oscar-Preisträger Robert Elswit eingefangene, so ganz andere Blick auf das fiktive Gordita Beach (Kalifornien) daher. Hängen bleibt auch dieser unfassbare Augenblick, als sich auf einer Party wie zufällig und nur ganz flüchtig das so bekannte Letzte Abendmahl-Szenario um Owen Wilson gruppiert. Das könnte auch dieser Moment sein, in dem man zu verstehen glaubt (denn ob man diesen Film wirklich versteht, ist sich nach der Erstsichtung wohl niemand sicher), dass die scheinbare Randfigur Coy Harlingen (Owen Wilson als der gesuchte Lebensgefährte von Hope Harlingen) einen Dreh- und Angelpunkt in der Geschichte spielt. Aber ist das Inherent Vice überhaupt? Eine Geschichte? Viel eher erscheint Paul Thomas Andersons Film wie ein Sammelsurium an Anekdötchen, Metaphern, drogenschwangeren Dialogen, noch verdrogteren Visionen, unscheinbaren Details und oft nur scheinbar Essentiellem. Und wenn man lange genug angestrengt, andächtig aber auch auch belustigt zusieht wie Josh Brolin als Lt. Det. Christian F. "Bigfoot" Bjornsen anzüglich seine Schokobanane lutscht und Joaquim Phoenix vollgedröhnt und mit scheinbar ewig länger werdenden Koteletten (ab und an ist die Ähnlichkeit mit Hugh Jackman in Wolverine tatsächlich nicht von der Hand zu weisen) hinter dem Golden Fang, dem Surf-Rock-Saxofonisten (bekannt für seine Improvisationen) und dem verschwundenen Geliebten seiner Ex-Geliebten herjagt, dann erkennt man, dass man überhaupt nicht weiß, warum man den über 140 Minuten zusieht. Aber das macht nichts, man muss nicht alles verstehen, was man (wie auch immer) unterhaltsam findet.


Das Onyourscreen.de-Fazit zu INHERENT VICE - NATÜRLICHE MÄNGEL


Die in den psychedelischen 1960er-Jahre spielende Romanverfilmung führt den Zuseher an der Nase herum: man kann sich bei Nichts und bei Niemandem sicher sein ... ist es/er/sie real oder entspringt da gerade was aus irgendjemands Dope-Halluzinationen? Kiffer, Heroinsüchtige, Schwarze und Juden die Freunde bei der arischen Bruderschaft haben, bikende Rocker, bösartige Detectives, ein Undercover-Saxofonist, ein durchgeknallter Dentist oder auch The Golden Fang (ist es ein Schoner, ein Syndikat, die Zahnarzt-Organisation - wer weiß es?) garantieren strange, manchmal sogar komische Unterhaltung der so ganz anderen Art. Unerklärlich, (für uns) nicht deutbar und trotzdem immer interessant - scheinbar genau so wie ein Thomas Pynchon-Roman nunmal ist. Dem Autor des zugrunde liegenden Romans sagt man nach, dass er in seinen (wenigen) Werken meist ein enges Geflecht aus Figuren und Handlungen untereinander entwirft, aber daraus in der Regel keine konventionelle Erzählung entsteht. Und so hilft auch die nebulöse und sanfte Erklärstimme (von Sortilège?) aus dem Off nur selten weiter ... sofern sie es denn überhaupt soll?!

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  • Inherent Vice - Natürliche Mängel<br>© Warner Bros. Entertainment
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Wir könnten uns vorstellen, dass der eine oder ander Kinobesucher sich spätestens ab der Hälfte des Schauspiels fragt, ob er nicht besser den Saal verlassen sollte und ein Teil davon es auch tut ... und das ist uneingeschränkt nachvollziehbar. Wenn man sich nicht darauf einlassen kann, kann der dialoglastige Inherent Vice - Natürliche Mängel sehr fordernd und anstrengend sein. Doch auch wenn der Film uns nachdenklich und auch leicht irritiert aus dem Lichtspielhaus entließ, fühlten wir uns seltsamerweise gut unterhalten - ganz anders als erwartet und auf eine Zweitsichtung in Ruhe freuend.
BTW: Cooler Soundtrack!


© Text: onyourscreen.de / AS

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