House of Cards © Pandavision
© Pandavision
Artikel vom 28.03.2014 | Heimkino->Serien

House of Cards - Das Original ...



... und House of Cards - Um Kopf und Krone.


Macht es wirklich Sinn, eine britische TV-Serie von 1990 mit zwar fiktiven aber durchaus zeitbezogenem Inhalten nun, 2014, zum ersten Mal synchronisiert auf den deutschen Markt werfen? Ja, bitte - zumindest wenn es sich um die großartige, bitterböse Polit-Fiktion House of Cards nach der gleichnamigen Novelle von Michael Dobbs handelt. Sicherlich auch angetrieben durch den immensen Erfolg der US-Adaption mit Kevin Spacey, veröffenlicht "Pandastorm Pictures" die ersten beiden Miniserien House of Cards - Das Original ab dem 25. März 2014 erstmals als deutschen Release - die finale dritte Miniserie folgt bereits im Sommer.

Mediafacts
House of Cards © Pandavision
© Pandavision
Cover: House of Cards - Das Original
Serientitel: House of Cards - Die komplette erste Mini-Serie
Originaltitel: House of Cards
Regie: Paul Seed
Cast: Ian Richardson, Susannah Harker, David Lyon, Diane Fletcher
Produktionsland: UK
Studio/Verleih: Pandavision
Produktionsjahr: von 1990
Spieldauer je Folge: 55 Minuten
Folgen insgesamt: 4

Staffelbeschreibung

House of Cards - Das Original
(1. Miniserie, OT: "House of Cards")

Nach dem Rücktritt von Margaret Thatcher, die Großbritannien von 1975 bis 1990 regierte, rechnet der linkische Francis Urquhart fest mit dem vom neuen Premierminister Henry Collingridge versprochenen Ministerposten. Doch der denkt nicht dran und verdonnert Urquhart weiterhin als Fraktionschef die konservativen Tories auf Kurs zu halten. Der weigert widerwillig ein und spielt von nun an, auch getrieben von seiner ehrgeizigen Frau, alle ihm zur Verfügung stehenden Trümpfe aus, um ans Ziel seiner Wünsche zu kommen. So spinnt er eine Intrige die Collingridge zwingt von seinem Amt zurückzutreten und nutzt danach alle kleinen Geheimnisse, Bosartigkeiten und die Macht der Presse um seine Konkurrenten im Rennen für das höchste Regierungsamt zu erledigen. Mattie, eine junge Journalistin die ihn hofiert und mit der er sogar eine Affäre anfängt, kommt seinen Machenschaften, seinem bitterböses Spiel um Macht, Korruption und Verrat aber so nach und nach auf die Spur ...

Mediafacts
House of Cards © Pandavision
© Pandavision
Cover: House of Cards - Um Kopf und Krone
Serientitel: House of Cards - Die komplette zweite Mini-Serie
Originaltitel: To Play the King
Regie: Paul Seed
Cast: Ian Richardson, Michael Kitchen, Kitty Aldridge, Diane Fletcher, Nick Brimble Produktionsland: UK
Studio/Verleih: Pandavision
Produktionsjahr: von 1993
Spieldauer je Folge: 50 Minuten
Folgen insgesamt: 4

Staffelbeschreibung

House of Cards - Um Kopf und Krone
(2. Miniserie, OT: "To Play the King")

Einige Zeit ging ins britische Land und Francis Urquhart ist immer noch Prime Minister of the United Kingdom, natürlich. Jetzt aber, nach dem Tod der Queen will der junge und überambitionierte neue König Reformen für das mit strenger und harter Hand geführte Großbritannien erreichen. Dass das selbstverständlich so gar nicht den Vorstellungen eines Premierminister Francis Urquhart entspricht, ist selbstredend und so muss der ehrgeizige politische Führer des Landes wiederum zum schmutzigen Handwerk greifen - sein Ziel ist in diesem Fall nicht mehr und nicht weniger als die Abdankung des Monarchen.

Das meint onyourscreen.de zu den Miniserien


Zugegeben, das sehr britische und ritterliche Main Theme (Francis Urquhart's March) und die ersten Bilder im antiquierten 4:3 TV-Format der 1990 durchaus brisanten Serie schrecken einen doch erstmal ab. Aber nur ganz kurz, denn recht zügig erweist sich das 25 Jahre alte TV-Ereignis House of Cards als so garnicht altbacken. Sobald das vormalige Mitglied der "Royal Shakespeare Company" Ian Richardson - in der Rolle seines Lebens, man kann es nicht anders sagen - anfängt seine bitterbösen Intrigen zu spinnen, nach außen hin den loyalen Parteichef zu spielen und mit nahezu widerlichem Lächeln die filmische vierte Wand durchbricht und direkt aus der Szene heraus mit dem Zuschauer kommuniziert, dann weiß man, dass sich was höchst unterhaltsames im Player befindet. Gerade dieses fließende Unterbrechen der Szenerie, die direkte Ansprache des Main Characters in die Kamera, lässt die TV-Serie so frisch und so garnicht unmodern wirken - im Gegenteil.

onyourscreenSHOTs

Bild links Bild rechts
  • House of Cards
v.l.n.r.: Lord Billsborough (Nicholas Selby), Michael Samuels (Damien Thomas), Harold Earle (Kenneth Gilbert), Henry Collingridge (David Lyon), Patrick Woolton (Malcom Tierney), Mackenzie (Christopher Owen) und Francis Urquhart (Ian Richardson)<br>© Chris Capstick © BBC 1990
  • House of Cards
Francis Urquhart (Ian Richardson) im Zentrum der Macht<br>© Fotos: Chris Capstick © BBC 1990
  • House of Cards
Die Journalistin Mattie Storin (Susannah Harker)<br>© Fotos: Chris Capstick © BBC 1990
  • House of Cards
Francis Urquhart (Ian Richardson)<br>© Fotos: Chris Capstick © BBC 1990

Wer sich dabei erwischt, anfangs gar mit Francis Urquhart zu symphatisieren, darf sich gewiß sein, dass er da auf keinen Fall alleine ist. Denn erst so nach und nach zeigt sich die ganze Wahrheit des durchtriebenen Charakters. So ergeht es auch dem Serienverlauf ... Sicherlich ist hier vieles von Beginn an bittersweat, doch der typisch britisch-bissige Humor täuscht über die schmutzige, intrigante Härte des Gesehenen hinweg. Das steigert sich unaufhaltsam innerhalb der vier, insgesamt 224 Minuten dauernden Episoden und die späteren Konsequenzen hält man anfangs ganz sicher nicht für möglich.

onyourscreenSHOTs

Bild links Bild rechts
  • House of Cards
Ian Richardson als Francis Urqhart and Michael Kitchen als König von England<br>© Chris Capstick © BBC 1997
  • House of Cards
Rowena King als Chloe Carmichael and Nicholas Farrell als David Mycroft<br>© Chris Capstick © BBC 1997
  • House of Cards
Francis Urqhart (Ian Richardson) spricht im Britischen Unterhaus (House of Commons)<br>© Chris Capstick © BBC 1997
  • House of Cards
Francis Urquhart (Ian Richardson)<br>© Chris Capstick © BBC 1997

Die zweite Mini-Serie (To Play the King) leidet ein wenig darunter, dass sie den Zuseher aufgrund der ersten Staffel nicht mehr überraschen kann. Doch das mindert ihre sonstigen Qualitäten nicht im geringsten. Auch hier bleibt ein äusserst sehenswerter, immer noch zeitgemäßer, rabenschwarzer TV-Vierteiler übrig. Auch hier bleibt die politische Fiktion greifbar, immer verständlich, unverschämt derb und ungemein unterhaltsam. Auch hier endet die Story überraschend.
Francis Urquhart würde mit einem sarkastischen Lächeln hinzufügen: "Es steht ihnen frei, das so zu sehen. Aber mir ist es unmöglich, das zu kommentieren"

House of Cards © Pandavision
© Pandavision
Die beiden ansehnlichen Slipcover der Blu-rays

Das Onyourscreen.de-Fazit zu HOUSE OF CARDS - DAS ORIGINAL


Das die US-Amerikaner erst zwei Dekaden später auf den großartigen Serienstoff gestoßen sind, ist eigentlich ungewöhnlich. Noch ungewöhnlicher ist, das es einen Streaming Dienst wie "Netflix" brauchte, um das Geschehen nach Washington D.C. zu transferieren und Kevin Spacey als machthungrigen Demokraten "Francis Underwood" ins Zentrum der zuerst im Netz zu sehenden Serie zu stellen. Der Erfolg der US-Webserie macht es allerdings wenig ungewöhnlich, das ein deutscher Vertrieb sich die Rechte am 25 Jahre alten UK-Original sicherte, diesen hervorragend synchronisiert und uns nun als DVD- und Blu-ray-Editionen beschert. Der komplett remasterte Inhalt beider Miniserien sieht ordentlich aus und kommt in einer Softbox im ansehenlichen Schuber, kann aber ansonsten nicht vollends überzeugen: bis auf einen Audiokommentar sucht man Extras nämlich vergeblich. Doch wer genialen, durchtriebenen Polit-Thrillerstoff sucht, wird bei beiden Miniserien fündig. Wir freuen uns bereits auf die dritte und finale Staffel: The Final Cut.


© Text: onyourscreen.de / AS


 
 
© Tite Kubo/Shueisha, TV TOKYO, dentsu, Pierrot

© 2006 RYOTARO IWANAGA•KODANSHA/ GONZO

© © 2003 Gospel