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Artikel vom 02.08.2019 | Echtes Kino

Fast & Furious: Hobbs & Shaw



Not so fast, but curious


Nach nunmehr acht Fast & Furious-Teilen wurde es für die Macher scheinbar Zeit, das Franchise abzuzweigen und auf ein Spin-off mit den beiden erst spät dazu gestoßenen Figuren Luke Hobbs (Dwayne Johnson, seit Teil 5) und Deckard Shaw (Jason Statham, ab Teil 7) zu setzen. Mit Regisseur und Stunt-Spezialist David Leitch hatte man schnell einen scheinbar geeigneten Macher für die Idee gefunden - seine letzten Werke, John Wick, Atomic Blonde aber auch Deadpool 2, ließen durchaus Raum für positive Vermutungen.

Filmkurzbeschreibung


Als Secret Service-Agent Luke Hobbs (Dwayne Johnson) und der Ex-Elitesoldat Deckard Shaw (Jason Statham) von den bedrohlichen Plänen des internationalen Terroristen Brixton (Idris Elba) erfahren, sehen sie sich gezwungen zusammenzuarbeiten. Durch genetische und kybernetische Weiterentwicklung hat sich Anarchist Brixton zum unschlagbaren Gegner perfektioniert, dem es sogar gelingt, Shaws brillante Schwester (Vanessa Kirby), eine abtrünnige MI6-Agentin, zu überwältigen. Allein haben weder Hobbs noch Shaw eine Chance gegen ihn und so bleibt den beiden Widersachern nichts anderes übrig, als sich gemeinsam in den Kampf zu stürzen.

Waren zu Anfang aufgemotzte Karren, illegale Strassenrennen und etwas FBI-Gedöns der eigentliche Dreh- und Angelpunkt des Franchises, entwickelte sich der Fast & Furious-Spaß, über einen Abstecher ins Drogenkartell, recht flott zum Superagententhriler mit viel zu viel Hightech-Nonsens ... blieb aber selbst in den letzten, schon arg übertriebenen, regulären Teilen der Reihe noch weitestegehend spaßig, flott und unterhaltsam - der Autor dieser Zeilen ist Fan der ersten Stunde und bezeichnet die Reihe als sein absolutes Guilty Pleasure (um das mal festzuhalten!). Die bunt gemixte Truppe um Dom, Brian, Mia. Letty, Roman, Tej und Han bot für jeden eine Identifikationsfigur, wer unbedingt wollte, durfte seit Teil 5 auch noch mit Agent Hobbs sympathisieren. Die Famile, der viel zitierte Zusammenhalt untereinander - das war der Leitfaden, der sich durch all das noch so völlig überspitze, vor Testosteron strotzende Stunt-, Action- und CGI-Feuerwerk zog. Da saßen die Oneliner, da stimmte die Action trotz physikalischen No-Go's, da machte die Story Spaß, auch wenn die Drehbücher vor Lücken und Logiklöchern nur so strotzten. War halt schnell und furios. Reicht.


Auch wenn die Macher des Ablegers Fast & Furious: Hobbs & Shaw versuchen ähnliche Ingredenzien zu etablieren, gelingt das leider überhaupt nicht. Klar, Hobbs und Shaw waren sich auch in Teil 8 noch nicht grün, werden aber auch hier und trotz weiblicher Unterstützung noch kein Team. Auch wenn die Familen der beiden eine Rolle spielen, ist der Tenor trotzdem ein anderer als in den regulären FF-Teilen. Auch wenn Autos, Verfolgungsjagden, atemberaubende Stunts und Mörder-Action hier satt am Start sind, beeindruckt das dank seltsamer CGI und viel zu vielen Gaga-Ideen viel zu selten. Auch wenn hier versucht wird, mit typischen Onelinern den coolen Humor der Original-Reihe zu treffen, misslingt das völlig. Die zum sowieso schon viel zu klamaukigen Unterton eingefügten komödiantischen Cameos, die erstaunlich viel Raum bekamen, lassen zusätzliche Brüche im Film entstehen, sind aber durchaus die gelungeneren Momente. Trotzdem macht das aus dem Spin-off noch mehr eine Action-Komödie - allerdings eine, bei der man sich meist eher fremdschämt als lacht. Dazu sieht man dem Film an, an wie vielen Stellen er gekürzt werden musste - ob ein (anscheinend bereits feststehender, deutlich längerer) Extended-Cut hier statt Lücken zu füllen nicht noch mehr Langeweile produziert, sei mal dahingestellt. Hatten wir schon erzählt, dass ein Kollege während der Pressevorführung kurz durch ungewollt provokantes Schnarchen glänzte? War halt weniger fast, dafür kurios.
Apropos kurios: hatten wir schon den Gegenspieler von Clever & Smart, sorry Hobby and Shaw, erwähnt? Idris Elba als cyber- und prothetisch optimierter, extra-starker Überschurke Brixton Lore, der auf seinem selbstlenkenden/-denkenden Moped noch einen Schuss miesen Superhelden-Esprit in die eh schon überschwappende Filmgrütze kippt? Nein? Muss man auch nicht, ist eh schon alles deppert genug.
Das vermutlich deutlich zu junge Zielpublikum wird dem Filmchen leider (aber wahrscheinlich) genügend Tantiemen einbringen, was ein weiteres Hobbs and Shaw-Sequel unvermeidbar werden lässt. Wir würden da Autostunts in der Stratosphäre, Prügeleien auf dem Circus-Hochseil oder zumindest einen Auftritt von Aquaman als Gegenspeiler erwarten.

Vielleicht, und wir hoffen das, ist dieser völlig aus der Art geratene Slapstick gewollt als Comedy angelegt worden. Vielleicht hat man hier absichtlich die physikalischen Grenzen noch weiter überschritten. Vielleicht rückt man hier gezielt noch (viel) weiter weg von der Essenz des Fast & Furious-Franchises, um genau dort dann irgendwann wieder zurück in das ursprüngliche, heiß geliebte Fahrwasser zurückzukehren. Die Hoffnung stirbt zuletzt.


© Text: onyourscreen.de / AS

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