Razzie Awards: Himbeere gefällig?
Artikel vom 13.04.2011 | Themen

Himbeere gefällig?



... und jährlich grüßen die Razzie-Awards


Um so einen richtig guten Film fabrizieren zu können, braucht es wahrlich einiges. Das Drehbuch muss überzeugen, der Regisseur muss etwas taugen und die Schauspieler sollten zumindest nicht den Eindruck erwecken, als seien sie der letzten Folge von "Schwiegertochter gesucht" entsprungen. Wenn dann auch noch die Produzenten mitspielen, stehen die Chancen nicht schlecht, dass der Film mehr auf der Pfanne haben wird als das letzte Machwerk von Uwe Boll. Garantiert ist der Erfolg aber noch lange nicht. Denn einerseits soll der Film dem Publikum gefallen und damit ordentlich Kasse machen. Andererseits wäre es aber auch nicht schlecht, wenn die Kritiker den künstlerischen Wert erkennen und Vergleiche mit Apocalypse Now, Citizen Kane und GoodFellas ziehen. Ein Film für die Ewigkeit eben, der bei den Golden Globes und der Oscar-Verleihung reihenweise Preise abräumt. Die goldene Himbeere hingegen wäre ganz weit weg.



Ich sehe schlechte Filme


Der sogenannte "Razzie Award" schert sich nämlich nicht um gute Filme. Die 1981 ins Leben gerufene Anti-Oscar-Verleihung nimmt sich vielmehr derer an, die es mit dem Drehbuch, dem Regisseur, den Schauspielern und den Produzenten dann vielleicht doch nicht so gut getroffen haben. The Sixt Sense-Regisseur M. Night Shyamalan kann davon ein Liedchen singen. 2011 war sein Film Die Legende von Aang nämlich der große Gewinner (oder Verlierer) bei den Razzie Awards. Gleich fünf goldene Himbeeren räumte das Fantasy-Epos ab und sorgte damit für gute Laune bei vielen Cineasten. Dass der Film dabei in den wichtigsten Kategorien "Schlechtestes Drehbuch", "Schlechtester Regisseur" und "Schlechtester Film" die Oberhand behielt, dürfte Shyamalan angesichts des weltweiten Einspielergebnisses von über 300 Millionen Dollar allerdings nurbeiläufig interessieren.
Bei der goldenen Himbeere haben sich aber auch schon ganze andere hervorgetan. Sandra Bullock etwa. Bullock gewann 2010 für Verrückt nach Steve nämlich erst eine goldene Himbeere, um tags darauf für Blind Side den Oscar als beste Hauptdarstellerin einzuheimsen. Das ist zwar absurd, macht aber Spaß.

Ein fragwürdiges Lebenswerk


Die ganz großen Abräumer bei den Razzie Awards gehören dann auch gleich zu den ganz großen Namen Hollywoods. Action-Haudegen Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger sind nämlich so etwas wie die unerreichten Legenden der goldenen Himbeere. Stallone, bereits als schlechtester Schauspieler der 80er Jahre "geehrt", wurde das zweifelhafte Glück zuteil, als schlechtester Schauspieler des vergangenen Jahrhunderts ausgezeichnet zu werden. Dass er sich gegen Mitnominierte wie William Shatner und Kevin Costner durchsetzen konnte, macht die Sache dann auch nicht besser. Action-Kollege Schwarzenegger brachte es bisher nur auf einen Razzie Award. Aber auf einen besonderen. Ihm wurde die Trophäe nämlich für die meisten Nominierungen ohne Preis-Gewinn verliehen. Damit scheint bewiesen, dass in jedem Jahr zumindest einer noch schlechter war als der Ex-Gouvernator.

Wie es kommen muss, hat auch Deutschland ein ganz heißes Eisen bei der goldenen Himbeere im Feuer. Dank Trash-Regisseur Uwe Boll ist das aber auch nicht besonders schwer. 2008 erhielt er dann auch folgerichtig den Preis für das schlechteste Lebenswerk und gilt nicht erst seitdem als deutsche Antwort auf Ed Wood, der bis heute als schlechtester Regisseur aller Zeiten einen denkwürdigen Ruf genießt. Dass die goldene Himbeere letztendlich all ihre Auszeichnungen selbst nicht so ernst nimmt, ist keine Frage. Aber immerhin haben Filmemacher wie Uwe Boll dann etwas, dass sie sich auf ihren Kaminsims stellen können. Und das ist schließlich auch schon etwas.


© Text: onyourscreen.de / TA


 
 
© Universum Film

© Tiberiusfilm

© SquareOne/Universum Film GmbH