HER
 © Warner Bros.
© Warner Bros.
Artikel vom 21.03.2014 | Echtes Kino

HER



Betriebssystem: Liebe 2.0


Laut Wörterbuch ist Liebe die stärkste Zuneigung, die ein Mensch für einen anderen Menschen empfinden kann. Aber was passiert nun, wenn ein Mensch Liebe für eine Person empfindet, die gar nicht real ist?

HER
 © Warner Bros.
© Warner Bros.
Kinoplakat: HER

Filmkurzbeschreibung


San Francisco, irgendwann in näherer Zukunft. Theodore (Joaquin Phoenix) verdient seinen Lebensunterhalt damit, Briefe zu schreiben. Nicht seine eigenen, sondern die Anderer. Er hat ein großartiges Gespür für die Gefühlswelt Fremder, versetzt sich in sie hinein und bringt so deren Liebe zum Ausdruck - mit eindeutigem Erfolg.
Sehr zu seinem Leidwesen jedoch, kann er diese Fähigkeiten nicht auf sein Privatleben übertragen. Nachdem seine Ehe in die Brüche geht, fällt er in ein tiefes, emotionales Loch. Unfähig eine normale Beziehung aufzubauen, führt er fortan ein einsames und trostloses Leben. Bis er Samantha (Scarlett Johansson) kennenlernt. Doch Samantha ist kein Mensch. Sie ist ein neu entwickeltes und hochintelligentes Betriebssystem. Schon bald entwickelt sich eine ungewöhnliche Liebesbeziehung...

Das meint onyourscreen zum Film


Autor und Regisseur Spike Jonze (Being John Malkovich, Adaption, Wo die wilden Kerle wohnen) überzeugte mit seinem vierten Feature Film Her die Academy und wurde dafür mit dem Oscar für das beste Originaldrehbuch belohnt. Wer seine früheren Werke kennt, erwartet zu Recht mehr als bloß kurzweilige Unterhaltung - und wird nicht enttäuscht. Denn hinter der herrlich skurrilen Liebesgeschichte, setzt sich Jonze auch in seiner neuesten Arbeit mit tiefgründigen, Themen auseinander. Was ist Liebe? Wie verändert Technologie unseren Alltag und letztlich den Mensch an sich? Und wonach streben wir überhaupt?

HER
 © ©2013 UNTITLED RICK HOWARD COMPANY
JOAQUIN PHOENIX as Theodore in the romantic drama "HER," directed by Spike Jonze, a Warner Bros. Pictures release.
Joaquin Phoenix

Nicht aufdringlich, aber doch sehr gezielt, wird der Zuschauer mit diesen schwierigen Fragen konfrontiert. Grundlage hierfür ist das leicht futuristische Setting des Films. In dieser Zukunft ersetzt Jonze das heute allgegenwärtige Smartphone durch einen kleinen Knopf im Ohr, der über eine künstliche Intelligenz verfügt. Die Menschen gehen durch die Straßen und reden scheinbar ununterbrochen mit sich selbst. Ein für uns ungewöhnlicher Anblick, der dem Zuschauer zu Beginn eine ausreichende Distanz zum Gezeigten ermöglicht. Auf diesem Weg setzt sich Jonze zusammen mit seinem Publikum kritisch - aber nie pessimistisch - mit der immer schneller voranschreitenden technologischen Entwicklung auseinander. Das Ganze mag anstrengend oder gar langweilig klingen, dennoch ist das Gegenteil der Fall. Denn Jonze schafft es, nicht zuletzt dank der starken schauspielerischen Leistung von Joaquin Phoenix, durch gekonntes Einstreuen von witzigen, oft tragisch-komischen, Momenten einen angenehmen Fluss zu erzeugen. Her lebt davon, dass seine Charaktere, selbst Samantha, die für den Zuschauer letztlich nur eine Stimme ist, sehr detailliert und lebendig wirken. So wird es dem Zuschauer nach und nach möglich, gänzlich in die Vorstellung des Regisseurs einzutauchen, Glück und Schmerz zu spüren und das Gesehene unmittelbar aufzunehmen. Jonze erzielt dieses Ergebnis durch erneut hervorragende, wenn auch manchmal wenig gradlinige, Dialoge und eine Kamera, der kein noch so kleines Detail entgeht.


Das onyourscreen.de Fazit zu HER


Spike Jonze kann mit Her stilistisch und typisch tiefgründig an seine früheren Werke anknüpfen und beweist, dass die Qualität letztlich wichtiger als die Quantität der eigenen Arbeit ist.
Wollte man diesem Film etwas vorwerfen, so wären dies höchstens einige scheinbare Längen im letzten Drittel. Musikalisch treffend untermalt sind jedoch gerade diese wichtig. Sie hinterlassen beim Zuschauer einen anhaltenden, vielleicht nachdenklichen, bestimmt aber keinen deprimierenden Eindruck. Dieser und vorgenannte Aspekte, machen Her zu einem Film mit einem gewissen, besonderen Etwas. Sucht man hingegen einen romantischen Liebesfilm für ein erstes Date, sollte man sich vermutlich gegen Her entscheiden. Denn dies, so scheint es, ist nicht die Intention des Films. Und genau darüber sind wir sehr froh!

HER
 © ©2013 UNTITLED RICK HOWARD COMPANY
JOAQUIN PHOENIX as Theodore in the romantic drama "HER," directed by Spike Jonze, a Warner Bros. Pictures release.
Allein


© Text: onyourscreen.de / AK


 
 
© Universal

© Paramount Pictures

© Concorde Filmverleih