Hell Night © UCM.ONE
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Artikel vom 18.02.2020 | Heimkino->Blu-Ray

Hell Night



Der Tod kam zur Party


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Hell Night, Mediabook, 1. Auflage
"Lieber gut kopiert als schlecht selbst gemacht“ ... das jedenfalls dachte sich ganz gewiss Tom DeSimone, als der den prototypischen Slasher Hell Night in Szene setzte. DeSimone, der sich insbesondere als TV-Serien-Regisseur einen gewissen Ruf erspielte (u.a. vier Folgen Freddys New Nightmares) und mit seinem ebenfalls mit Linda Blair gedrehten Vigilante-Filmchen Savage Streets für Aufmerksamkeit sorgen konnte, realisierte mit Hell Night einen heutzutage eher unbekannten Slasher, der im Wust der damaligen Genregrößen wie Halloween und Friday the 13th unterzugehen drohte. Dabei ist DeSimone's Film ein durchaus stimmiges und atmosphärisches Werk, welches den Spagat zwischen Spukhaus-Haunted-Horror und klassischen Slasherattitüden mitunter bravourös meistert. Hell Night wurde unter anderem auch als Scary Castle und Paranoia veröffentlicht, wobei der internationale und regulär verwendete Titel Hell Night sinnbildlich als korrekter Titel genutzt wurde und auch wie die Faust aufs Auge passt. Doch warum geht’s in DeSimone´s Slasherwerk?

Als Höhepunkt einer Aufnahmeprüfung zur studentischen Verbindung „Alpha Sigma Rho“ sollen die vier jungen Verbindungsanwärter Marti (Linda Blair), Jeff (Peter Barton), Denise (Suki Goodwin) und Seth (Vincent van Patten) eine Nacht im stadtbekannten, altherrschaftlichen Spukhaus Garth Manor verbringen. Angeblich soll der Hausherr dort vor zwölf Jahren seine Ehefrau, drei seiner missgestalteten Kinder und schließlich sich selbst umgebracht und seinen jüngsten Sohn, den schwachsinnigen Andrew, allein zurückgelassen haben. Gruselgeschichten berichten natürlich, dass der Unglückliche immer noch durch das Haus wandelt, was aber selbst die Initiatoren der Aufnahmeprüfung nicht glauben. Doch bei den Streichen, die sie den vier Bewerbern spielen, werden sie plötzlich von einem Killer überrascht und aus der Mutprobe und dem anfänglichen Vergnügen wird schnell blutiger Ernst…

Hell Night © UCM.ONE
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Das liest sich jetzt nicht wahnsinnig spektakulär und ist schon relativ klischeetriefend und mutet auch nicht revolutionär an ... aber das muss es auch nicht. Der Slasherfilm erfreute sich in den 1980ern stetig wachsender Popularität und somit reiht sich auch Hell Night in diese Riege ein. Dabei sind die Zutaten jetzt nicht neu, sondern eher routiniert angereichert: adrette Damen und gut gebaute Herren huschen durch die Gänge des mondänen Anwesens Garth Manor und sind dabei lediglich „nett“ anzusehen. Wohlwissend nur zu dem einem Zweck, nämlich den Slasherkonventionen zu folgen und zu dienen.

Der Auftakt gestaltet sich dabei recht atmosphärisch. Garth Manor wird gut in Szene gesetzt, wenn das Anwesen im unheimlich anmutenden Score der gierigen Studentenverbindung näher gebracht und ins rechte Bild gerückt wird. DeSimone schaltet jedoch aufgrund etwas zu stark fokussierter Charakterzeichnung vorab erstmal zwei Gänge zurück und widmet sich dem Treiben der Akteure. Natürlich ist er bemüht die Atmosphäre aufrecht zu erhalten, was auch mitunter sehr gut gelingt, trotz der ein oder anderen Vorhersehbarkeit. Dennoch muss man ihm attestieren, dass er das Setting dann doch für sich nutzen kann und die Atmosphäre des Anwesens zu Nutzen weiß. Zumal der vermeintliche Killer, obwohl noch nicht Erscheinung getreten, spürbar präsent ist. Leider versäumt man es, dem Killer eine gewisse Identität zu verleihen, um ihn aus dem Sumpf namhafter Slashergrößen hinausragen zu lassen. Somit geht jene Ambivalenz mit ihrer inhärenten Tragik baden, da die Story trotz des vorhandenen Potenzial nicht vollends ausgeschöpft wird. Auch die Beweggründe des Killers bleiben weitestgehend unklar und der "Jasonlastige Castle Freak“ bleibt trotz des Make-up etwas blass und konturlos. Gerade im Slashergenre ein Fehler, den man nicht gerne verzeiht.
Das mag jetzt alles platt, niedergedroschen und unharmonisch wirken ... sind aber nur Fragmente die wir aufgegriffen haben, da eben der „Slasherfilm“ als solches mit gewissen Attributen punkten muss, um sich über dem Durchschnitt ansiedeln zu können. Die Zutaten, welche DeSimone hier in den Topf wirft sind definitiv die richtigen, nur wirkt vieles auf zu sehr auf Nummer sicher getrimmt, so dass der erfahrende Slasherfreund sich hier und da zu schnell langweilen „könnte“.

Hell Night © UCM.ONE
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Das aber ist alles gewiss nicht so dramatisch, da Hell Night natürlich auch seine Stärken hat und diese gerade zum Ende hin ausspielen kann. Insbesondere dann, wenn der geflohene Seth durch die postapokalyptischen, leeren Straßen streift, um für seine zurückgebliebenen Freunde Hilfe zu holen, welche sich in der Zwischenzeit ein paar spannenden Duelle mit dem Killer um das gesamte Areal des Anwesens liefern. Der anfänglich eher Spukhaus orientierte Film gewinnt auf einmal an Dramatik und weiss mit den Genrekonventionen zu überzeugen und die Spannungsschraube wird demzufolge deutlich angezogen. Dass Katz- und Mausspiel mit dem Killer, der seine Opfer durch die verwinkelten Gänge des Anwesens jagt, nimmt auf einmal Fahrt auf und holt den ein oder anderen Zuschauer Ratz-Fatz zurück aus dem Wachkoma. Auch wenn dieses Szenario dann doch schon mit großen Schritten dem Ende des Films entgegen schreitet, so bietet gerade der finale Auftakt, inklusive Hetzjagd durch die Gartenanlagen des Anwesens und den dunklen Gängen, gepaart mit dem ein oder anderen „Kill“, dann doch noch die Kurzweil, die zu Beginn angedeutet wurde.

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Hell Night Mediabook, Neuauflage
Wir fassen zusammen. Hell Night entpuppt sich vom anfänglichen „Spukhaus-Haunted Mansion“-Muster zu einem Slasher, der insbesondere in den letzten 20 Minuten so richtig fies aufdreht. Was man positiv hervorheben muss ist seine einzigartige und sehr old-schoolige Achtziger Atmosphäre, die auch den ein oder anderen, wenn auch „eher zahm“ anmutenden Kill mit sich bringt. Zwar tarnt sich dieser Spukhausthriller im Gewand eins Protoslashers, jedoch macht DeSimone einiges richtig um dann schlussendlich doch nachhaltig im Gedächtnis des Fans hängen zu bleiben ... auch wenn Linda Blair mit ihren Reizen sicherlich nicht ganz unbeteiligt ist. Zwar über die Distanz mit 100 Minuten etwas zu lang, aber in punkto Atmosphäre und Setting einer der vergessenen Slasherfilme dieser Epoche und unbedingt sehenswert.

"M-Square Classics/Daredo" hatte den Film bereits im letzten Jahr in einem sehr schicken Mediabook und dem original Artwork released, welches auch "Short Factory" für den US Release verwendet hat. Bemängelt wurde jedoch die eher etwas „schwachbrüstige“ Bild und Tonqualität, sowie die lieblose Menüführung. Die Kritik nahm man sich zu Herzen und so kommt es, dass der Film am 21. Februar mit dem original Covermotiv, verbessertem Bild und Ton, sowie neuer Menüführung neu aufgelegt wird. Da hat man echte Fanliebe bewiesen und das ist heutzutage ja schon eine gewisse Seltenheit. Ebenfalls mit an Bord ist die alte VHS Fassung in SD Qualität. Mit dem neuen Artwork, dem verbesserten Bild und Ton ... also definitiv noch ein Grund, hier erneut ein Update zu generieren. Und wer den Film noch nicht in er Sammlung hat, für den ist jetzt der beste Zeitpunkt,da auch das neue Mediabook von M-Square Classics limitiert ist und für Nostalgiker das altbekannte VHS Motiv ziert ... genial.
Also, Zeit sich diesen durchaus atmosphärischen Slasher endlich in die Sammlung zu stellen.


© Text: onyourscreen.de / Frank Deutscher Heister
Schlagwörter: Hell Night

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