Halloween © Universal
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Artikel vom 28.02.2019 | Heimkino->Blu-Ray

Halloween



Back to the roots


„Back to the roots“ ... so könnte man den neuesten Ableger des längst etablierten und erfolgreichen Halloween-Franchises bezeichnen. Denn Halloween anno 2018 schwimmt nicht im Fahrwasser der mehr oder weniger erfolgreichen Sequels, sondern nimmt Kurs „auf Anfang“ und hisst die Segel somit gänzlich neu. Und die Zeichen stehen auf „Sturm“, denn das Flagschiff „Myers“ ist bedrohlicher als je zuvor. Doch wo fängt man an, wenn man über einen der erfolgreichsten Serienkiller der Filmgeschichte sprechen möchte? Genau, am Anfang.

Und so fing es an ...


Wir schreiben das Jahr 1978. Die ursprüngliche Idee, die dem Film zugrunde liegt, stammt primär von Produzent Irwin Yablans. Der wollte lediglich einen kostengünstigen Horrorfilm realisieren, in welchem ein wahnsinniger Psychopath einen Babysitter bedroht. Realisieren durfte das John Carpenter, den man deshalb in Betracht zog, da dieser zu jener Zeit den Film Assault-Anschlag bei Nacht (1976) realisierte und zeigte, dass man mit wenig Budget ein entsprechendes Resultat liefern konnte.In nur drei Wochen wurde in Zusammenarbeit mit Debra Hill das Drehbuch verfasst, man stemmte ein Budget von circa 320.000 Dollar und drehte in nur 20 Tagen den Film ab. Mit dem folgenden enormen Erfolg jedoch rechnete keiner.
„Final Girl“ Jamie Lee Curtis war jedoch nicht Carpenters erste Wahl, da er ursprünglich Anne Lockhart für die Rolle haben wollte. Als er aber herausfand, dass Curtis die Tochter von Janet Leigh war, die zuvor in Psycho agierte, sah er hier einen zusätzlichen Marktvorteil und besetzte kurzer Hand die Rolle um. Zudem komponierte er den unverwechselbaren Score, der bis heute zu den prägnantesten und auch besten Stücken gehört, die man unweigerlich mit Halloween assoziiert.

Auftritt: Rob Zombie


Nachdem man mit den weniger starken Fortsetzungen (insbesondere der lieblos runtergedrehte Halloween 5, den man aus vertraglicher Grundlage heraus schnell nachlegen musste, sowie der unsägliche Resurrection) das Franchise geradewegs in eine Sackgasse manövrierte, versuchte Rob Zombie mit seinen beiden eigenen Interpretationen dem Mythos „Myers“ neues Leben einzuhauchen. Da er mit seiner eigenen Vision jedoch eben diesen gar entmystifizierte, stoß er dabei nicht auf Gegenliebe. Denn Carpenters Fokus lag immer auf dem „ursprünglichen Bösen“, auf das undefinierbare Böse, dessen Aura „Michael Myers“ umgibt. Dieses unsägliche Böse, welches man mit Worten auch nie definieren konnte, brachte ihm dann den Namen „The Shape“ ein ... und dessen Aura ist auch anno 2018 „böser“ denn je.

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Blu-ray-Cover: Halloween (2018)

Der Neuanfang: Halloween (2018)


Wenn man einen Neuanfang anstrebt und einen Regisseur wählt, der im Horrorgenre eher unauffällig agierte und auch insbesondere dem Slasher-Genre eher fern blieb, so bürgt dies immer Risiken. Entweder man profitiert von dessen neuen und unverbrauchten Ideen, oder aber man bricht das Drehbuch nach „Schema-F“ der bekannten Slashertrademarks runter. Regisseur David Gordon Green betritt diese große Bühne und liefert von jedem etwas, zeigt sich aber diesbezüglich von seiner experimentellen Seite und kreiert ein mehr als bodenständiges und fachgerechtes Sequel mit vielen Reminiszenzen, so dass die „Fans“ sich schnell im Myers-Universum wiederfinden. Green ist zwar kein Experte, weiss aber um den Kult, den „Myers“ umgibt und dessen Aura, dem „grundlosen Bösen“. Aus diesem Grund stellt Green die Uhr auf Null und ignoriert alle bisherigen Sequels und setzt da an, wo Carpenter´s „Magnus Opus“ aufhörte und knüpft 40 Jahre später an dessen Ereignisse an.

Der Score wurde ebenfalls wieder von Carpenter komponiert, nachdem man sich dies vom Produzenten Jason Blum (Blumhouse Pictures) absegnen ließ. Somit steht wieder alles auf Anfang und man kann sich auf den eigentlichen Ursprung fokussieren, nämlich den Konflikt zwischen Laurie Strode und Michael Myers. Unterstützung findet David Gordon Green in den Co-Autoren Danny Mc Bride und Jeff Fradley, die ebenfalls dazu plädierten, viele Zweige des Myers-Geästs abzusägen, um sich im Kern auf das Wesentliche zu konzentrieren.

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Aufs neue im Clinch: Laurie Strode und Michael Myers

Zurück nach Haddonfield: 40 Jahre hinterlassen ihre Spuren, so auch bei Laurie Strode, die zurückgezogen in ihrem Haus , einer Art „Festung“ lebt und ihre tiefen, seelischen Wunden irgendwie zu heilen versucht. Doch bevor das Geschehen auf Laurie und deren familiäre Konflikte verlagert wird, startet der Film mit einem grandiosen Opener auf einem Gefängnishof der psychiatrischen Anstalt. Mit dem Rücken den vermeintlichen Protagonisten zugewandt, steht Michael Myers seinem Psychater Dr. Ranbir Sartain (Haluk Bilginer) und den beiden britischen Podcastern Aaron Corey und Dana Haines gegenüber, die Michael's Fall in ihrer aktuellen Podcast-Ausgabe wieder aufleben lassen. Interessant dabei auch die angespannte Atmosphäre und die düstere Aura, die Myers hier umgibt; symbolisch fällt der „schachbrettartige“ Bodenbelag auf, auf jenen die Protagonisten stehen. Fast so, als wollte man demonstrieren, dass bis auf Myers selbst, bereits alle anderen „Schach-matt“ gesetzt sind und demzufolge bereits ausgeliefert. Es mutet schon etwas „exorzistisches“ an, wenn am helllichten Tage alle Insassen um Myers Aura herum, regelrecht durchdrehen, als ob man alte Geister und Dämonen der Vergangenheit heraufbeschworen hätte. Dieser Fakt ist mitunter auch weit prägend für den Film, da man nicht nur den Fokus auf wieder härtere Morde setzt, sondern diese „Obsession“ des Menschen schon etwas vordergründlich herauskehrt, welches dem neuen Halloween sehr gut zu Gesicht steht.

Aporos Gesicht. Regisseur David Gordon Green besinnt sich in seiner Herangehensweise auch hier auf alte Tugenden und zeigt das „wahre Gesicht“ des Killers immer nur schemenhaft. Man wollte einfach den Fehler vermeiden, seine Persönlichkeit zu enthüllen, somit sieht man ihn, sobald er unmaskiert agiert, immer nur „silhuettenartig“. Die Essenz des Bösen soll somit nie zu Gesicht kommen ... unterschwellig ein Seitenhieb in Richtung Rob Zombies Werk, der eine deutlich offenere Herangehensweise wählte und das „Böse“ entmystifizierte.
Was jedoch den Gewaltgrad der Morde angeht, so ist die FSK 16 schon gut ausgelotet ... Myers geht äußerst rabiat und kompromisslos zu Werke. Viele Dinge und Anspielungen wurden aus Teil 2 übernommen und sind „Fan-Goodies“, die man sofort für sich ausmacht. Ebenfalls positiv, dass der Film auf Genre-übliche „Jump Scares“ verzichtet und dafür ein dichtes und atmosphärisches Konstrukt bereit hält, auf den sich der Film stützen kann. Die mangelnde Erfahrung des Regisseurs führt zwar unweigerlich dazu, dass man sich zu sehr an bewährte Strukturen des Slasher-Genre klammert und jene systematisch abhakt, aber dafür sind diese effektiv und stimmig ausgearbeitet, so dass man diesen Aspekt durchaus verschmerzen kann.

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Neue Maske und trotzdem vertraut

Starke Darsteller


Die Wahl des Michael Myers Darsteller fiel auf den Stuntman James Jud Courtney, der hier mit seiner Präsenz neue Maßstäbe setzt und mitunter einen der besten „Michael Myers“ mimt. In Zusammenarbeit mit Nick Castle, der Myers im Original verkörperte und hier als Berater fungierte (er hat zudem einen einzigen Auftritt als Myers in einer einzigen Einstellung) hat man auch hier auf altbewährtes gesetzt und definiert mit dieser Präsenz wieder das ursprüngliche Böse. Szenen wie er zu seiner Maske kommt, lassen natürlich auch mal einen Halloween 4 durchschimmern (Autowerkstatt, Overall entwendet..etc) sind aber von einer sehr eindrucksvollen Intensität geprägt, die man ansonsten nur von einem Rob Zombie gewohnt ist.

Aber nicht nur Michael Myers hat an Kraft und Dynamik gewonnen, sondern auch sein Gegenspieler Laurie Strode. Jamie Lee Curtis verkörpert diese Rolle einmal mehr als glaubwürdig und voller Energie. Man täte ihr wohlmöglich Unrecht wenn man behaupten würde, dass das Regietrio sich hier von „Sarah Connor“ aus Terminator inspirieren hat lassen. Aber gewisse Anleihen sind da nicht ganz von der Hand zu weisen. Zumal auch hier gewisse Parallelen zu finden sind, da auch Sarah Connor mit ihren Dämonen aus der Vergangenheit zu kämpfen hat. Und beide sind sich bewusst, dass sie ihre Vergangenheit einmal einholen wird und der unausweichliche Showdown kommen muss. Und wie auch Sarah Connor ist auch Laurie Strode auf diese Konfrontation vorbereitet und es kommt zu einem der besten Showdowns in der Geschichte des Halloween-Franchises.

Aber es ist nicht nur die gut ausgearbeitete Action und die ausgefallene und gute Cinematographie, die immer mal wieder für offene Münder und experimentelle Einstellungen sorgt, sondern auch die gute Ausarbeitung der Figuren selbst. David Gordon Green greift den Generationenkonflikt eindrucksvoll auf. So wird der geneigte Zuschauer Zeuge, wie sich diese einstige und schicksalhafte Nacht von damals, auf das Leben der Laurie Strode auswirkt. In ihrem kompletten Wahn und ihrer stringenten Herangehensweise, was die Erziehung betrifft, hat sich Laurie nahezu komplett von ihrer Tochter entfernt. Die Enkelin sucht den direkten Draht zur Mutter, welche den Kontakt aber vehement ablehnt, da sie nicht möchte, dass ihre Tochter zudem noch negativ beeinflusst wird. Diese Art der Figurenausarbeitung ist eher untypisch und findet man in dieser Konstellation in einem Horrorfilm eher selten.

Traditionelle Spannungsmomente wechseln sich ab mit gut getimten Kills, die deutlich an Dramaturgie gewonnen haben und bestens zum neuen Myers und seinem Gesamtbild passen. Satte 11 Millionen Dollar standen dem Team zur Verfügung, die wirklich das bestmögliche aus diesem doch recht üppigen Budget herausholten. Der neue Halloween punktet auf ganzer Linie, da er auf der einen Seite, einer konsequenten Marschroute folgt und die Slasher-Regeln beherzigt und auf der anderen Seite den Konflikt zwischen Laurie Strode und ihren alten Dämonen rund um Michael Myers, eindrucksvoll und visuell einwandfrei auf die Leinwand transportiert.
Der unerwartet große Erfolg und Zuspruch zeigt zum einen, dass das Slasher-Genre noch lange nicht tot und auch der Kult um Michael Myers ungebrochen ist. Eine Fortsetzung ist somit nicht nur unausgeschlossen, sondern auch mehr als wahrscheinlich. Wenn jene im ähnlichen Fahrwasser schwimmt und das Flagschiff Myers weiterhin von der Popularität des Franchise profitiert, dann passt doch alles, sofern man dann auch bereit ist, weitere Innovationen zuzulassen. Im Falle des aktuellen Halloween hat man zumindest die Segel bereits gesetzt und die Zeichen stehen auf Sturm. Ein nicht nur außergewöhnlich guter Halloween, sondern auch zeitlos guter Slasher, Chapeau!

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DVD, Blu-ray, 4K, Steelbook - der Sammler hat die freie Auswahl

Zur Veröffentlichung


Neben den bekannten Keep Case Varianten auf DVD und Bluray, erscheint der Film auch im schicken Bluray-Steelbook und als gesondertes 4K Steelbook, welches aber auch mit anderem Motiv im 4K- Keepcase erhältlich ist. Als Extras befinden sich unveröffentlichte Szenen- Zurück in Haddonfield- Das Making of von Halloween-Die original Scream Queen-Der Klang der Angst-Die Reise der Maske-Das Vermächtnis von Halloween auf der Disc.


© Text: onyourscreen.de / Frank Deutscher-Heister


 
 
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