Gruft der Vampire
Artikel vom 07.11.2016 | Heimkino->Blu-Ray

Gruft der Vampire



Exploitation à la Hammer


Der Ire J. Sheridan Le Fanu zählt zu den renommiertesten Autoren klassischer Gruselgeschichten. Eine seiner bekanntesten Figuren ist die lesbische Vampirista Carmilla, die in seiner Geschichtensammlung "In a Glass Darkly" von 1872 auftaucht. Hammer-Films - immer auf der Suche nach aussergewöhnlichem Gothic-Horror-Stoff - produzierte in den 1970er Jahren gleich drei Filme basierend auf diesen Erzählungen. Der bereits von uns rezensierte Draculas Hexenjagd markierte den Schlusspunkt, Nur Vampire küssen blutig den Mittelpart und Gruft der Vampire, den wir hier besprechen, bildete den Auftakt der sogenannten Karnstein-Trilogie.

Mediafacts
Gruft der Vampire
Blu-ray-Cover: Gruft der Vampire
Titel: Gruft der Vampire
Originaltitel: The Vampire Lovers
getestete Version: Blu-ray Softbox
Cast: Ingrid Pitt, Madeline Smith, Kate O’Mara, Peter Cushing, Douglas Wilmer
Regie: Roy Ward Baker
Produktionsland: GB
Studio/Verleih: Anolis Entertainment
Erscheinungstermin: 2016
Produktionsjahr: 1970
Spieldauer: 91 Minuten
Sprache: Deutsch DTS HD-MA 2.0 Mono / Englisch DTS HD-MA 2.0 Mono
Regioncode: 2
FSK: ab 16 J.

Filmkurzbeschreibung


In der Steiermark des frühen 19. Jahrhunderts erkranken junge Frauen, Alpträume plagen sie, und schließlich werden sie mit Wundmalen auf ihrer Brust tot aufgefunden. General von Spielsdorfs Tochter ist eines der Opfer ... die rätselhafte Marcilla - eine Freundin der Toten - verlässt das Haus ... und wird alsbald von der Familie Morton aufgenommen. Tochter Emma freundet sich mit der jetzt Carmilla heissenden an und klagt auch sehr rasch über Alpträume ...

Das meint Onyourscreen.de zum Film


Roy Ward Bakers Regie-Gesamtwerk, das schon 1947 begann und erst Anfang der 1990er Jahre endete, ist ein qualitatives Auf und Ab. Neben diversen Fernsehfolgen für bekannte Serien wie Simon Templar, Mit Schirm, Charme und Melone oder Die Zwei hat er auch großartige Filme wie Einer kam durch oder Die letzte Nacht der Titanic zu verantworten - dummerweise aber auch Graupen wie Banditen auf dem Mond (Moon Two Zero), ein von Hammer produzierter, echt mieser Science-Fiction. Doch mit Das grüne Blut der Dämonen (OYS-Review) aus 1967 zeigte Baker auch unter Hammer-Flagge was er konnte und legte 1970 mit Dracula – Nächte des Entsetzens einen waschechten, blutigen Hammer-Gothic-Horror nach. Im gleichen Jahr zeichnete er dann auch für die Regie von Gruft der Vampire (The Vampire Lovers) verantwortlich und schuf damit wohl eine der besten Verfilmungen von Le Fanu's "Carmilla"-Roman. Der Stoff kam Hammer gerade recht, denn so richtig wollte ihr herkömmliches Filmrezept nicht mehr fruchten. Mit der lüsternen Story um die lesbische Vampirin versprach man sich neues Zuschauerpotential und verfilmte den Roman auch absichtlich offenherzig. So dürfen wir in diesem Exploitation-Fest neben dem eher jugendlichen Körper einer Madeline Smith (als Emma Morton) vor allem die üppige Ingrid Pitt von allen Hüllen befreit bewundern. Zusammen teilen diese sich die eine oder andere (für damalige Verhältnisse) verrufene Bettszene. Wer ehrlich ist, wird schnell feststellen, das Ingrid Pitt zwar optisch ein absolutes Highlight, alterstechnisch aber komplett fehlbesetzt war - die doch schon reifere Dame hier eine unter 18-jährige Freundin für die tatsächliche jugendliche Madeline Smith spielen zu lassen, war schon eine sehr seltsam anmutende Entscheidung. Ganz logisch erscheint auch der immer mal wieder eingefügte, schwarz gekleidete Beobachter nicht zu sein - zumindest uns hat sich sein Sinn nicht ganz erschlossen.

Gruft der Vampire
Wirklich jung: Madeleine Smith als Emma Morton

Das man Peter Cushing hier eher in einer ungewohnt kleinen (und auch nur auf Drängen von AIP hineingeschriebenen) Rolle sieht, schadet dem Streifen übrigens nicht. Die Präsenz der beiden maßgeblichen Damen, aber auch die Nebendarsteller wie Harvey Hall als Butler oder Kate O'Mara sorgen für ein stimmiges Drumherum. Interessanterweise lässt Roy Ward Baker in Gruft der Vampire die Kamera - zumindest für die ansonsten eher statisch gefilmten Hammer-Produktionen - fast wild agieren, was einen ungewöhnlichen aber frischen Eindruck hinterlässt. Dem geringen Budget geschuldet muss man hier dafür auf allzu üppige Ausstattung und Kulissen verzichten. So passen beispielsweise die Aussenansichten der scheinbar bespielten Anwesen oft nicht zum Innendekor. Und trotzdem haben wir es hier mit einem großartigen Genrevertreter zu tun, der mit einer für einen Vampirfilm ungewöhnlichen Aufteilung der Spielzeiten zwischen weiblichem und männlichem Geschichte aufwartet. Denn erst gegen Ende übernimmt die Männlichkeit in Gestalt von Peter Cushing (General von Spielsdorf) und Douglas Wilmer (Baron von Hartog) das Heft aus der Hand der wolllüstigen Weiblichkeit und entledigt die Welt blutig von der Vampirbrut.

Gruft der Vampire
Nicht mehr ganz so jung: Ingrid Pitt als Marcilla/Carmilla

Das meint Onyourscreen.de zur Blu-ray


91 Minuten High-Definition-Exploitation-Spaß Hammer'scher Prägung mit viel Anolis'scher Liebe zum Detail aufbereitet. Sehr cool! Ob nun im Mediabook samt 36-seitigem Booklet (geschrieben von Dr. Rolf Giesen, Uwe Huber & Guiskard Oberparleiter und Uwe Sommerlad) oder "nur" in der Standard-Softbox: Gruft der Vampire weiß nicht nur als Film selbst zu begeistern. Die wieder mal vorbildliche Ausstattung dieser Veröffentlchung in der Anolis Hammer Blu-ray-Reihe weiß zu überzeugen. Highlight sind wie immer die Audiokommentare, dieses Mal sind es zwei. Der eine im O-Ton mit Ingrid Pitt, Tudor Gates und Roy Ward Baker, der andere auf deutsch mit Dr. Rolf Giesen und Volker Kronz, die ihr tiefes Wissen um die Geschichte Hammers mit uns teilen. Dazu darf man sich die interessante Doku „Resurrecting the Vampire Lovers“ ansehen und dem niedlichen und aufschlussreichen Interview mit der immer noch hübschen Madeline Smith lauschen. Obendrauf gibts "Ingrid Pitt liest Carmilla" sowie den deutschen und amerikanischen Trailer, US Radio Spots, Werberatschläge, Filmprogramme und eine Bildergalerie. Prall (das Werbematerial)!

Gruft der Vampire
Die Aussstattungs- und Covervarianten von Gruft der Vampire

Das Onyourscreen.de-Fazit zu GRUFT DER VAMPIRE


Der 13. Eintrag in der Hammer Blu-ray-Reihe von Anolis ist ein gar ungewöhnlicher. Gebeutelt vom Absprung der früher üblichen US-Finanziers musste man bei Hammer Anfang der 1970er Jahre neue Wege gehen. Das ein Mix aus Blut und nackten Tatsachen ein einträgliches Geschäft waren, hatten andere früher erkannt, mit Gruft der Vampire sprang das Team um Regisseur Roy Ward Baker und Drehbuchautor Tudor Gates nun genau auf diesen Zug auf ... nicht ohne komplett auf die Gothic-Horroreinflüsse, die wir alle so lieben, zu verzichten. Trotz teils ungewöhnlicher Kameraarbeit, eher üppig-nackten Tatsachen denn üppigem Budget und einer Darstellerin, die sich locker ein Jahrzehnt jünger spielen musste als sie es tatsächlich war, dürfen wir uns mit Gruft der Vampire ein wiedermal herausragend aufbereitetes Kapitel Hammer-Horror in den Blu-ray-Schrank stellen.

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© Text: onyourscreen.de / AS


 
 
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