Godzilla und die Urweltraupen © Anolis Entertainment
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Artikel vom 17.06.2019 | Heimkino->DVD

Godzilla und die Urweltraupen



Charmanter Kaiju-Kitsch in würdiger Veröffentlichung


Man darf sicherlich behaupten, dass die dem Urspungs-Godzilla aus dem Jahr 1954 folgenden Sequels, inhaltlich meist keine Glanzleistungen mehr darstellten. Das mussten sie auch nie, schon garnicht für den geneigten Fan und nochmal weniger aus heutiger Nerd-Sicht. Auch Godzilla und die Urweltraupen bzw. Mothra gegen Godzilla (Mosura tai Gojira), wie er im Original heißt, konnte nie mit einer komplett stimmigen Storyline überzeugen, ist aus unserer Sicht trotzdem einer der wohl charmantesten Vertreter der Toho'schen Monstermischpoke rund um unseren übergroßen Stadtzertrümmerer. Der großartige Spaß mit Mothra und ihren kriechenden Reinkarnationen im heldenhaften Kampf für die Menschheit und gegen good old Godzi, erscheint nun endlich in einer mehr als würdigen Aufmachung in der Reihe "Kaiju Classics" von Anolis.

Titel
Godzilla und die Urweltraupen © Anolis Entertainment
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Kaiju Classic Edition
Titel: Godzilla und die Urweltraupen
Originaltitel: Mosura tai Gojira (Mothra gegen Godzilla)
internationaler Titel: Mothra vs. Godzilla
getestete Version: Limited Edition 2-Disk-Edition der Kaiju Classics Reihe von Anolis
Cast: Akira Takarada, Yuriko Hoshi, Hiroshi Koizumi, Yū Fujiki, Emi Itō und Yumi Itō
Regie: Ishiro Honda
SFX-Regie: Eiji Tsuburaya
Produktionsland: Japan
Studio/Verleih: Anolis Entertainment
DVD-Release: 2019
Produktionsjahr: 1964
Sprache: Deutsch/Japanisch/ DD 2.0 Mono
Regioncode: 2
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren

Filmkurzbeschreibung


Als nach einem Sturm das Riesenei der Schmetterlingsgottheit Mothra an die japanische Küste gespült wird, ruft das sogleich windige Geschäftsleute auf den Plan. Obwohl einige Journalisten versuchen, den zwergenhaften Mädchen von Mothras Heimatinsel zu helfen, das Ei zurück zu bekommen, wird Mothras Nachwuchs zum Spekulationsobjekt. Als dann plötzlich Godzilla auftaucht, ist das Chaos perfekt. Schon bald greift die erwachsene Mothra ein, um ihr Ei zu schützen, doch sie ist schon alt und hat der radioaktiven Echse nicht viel entgegen zu setzen. Doch dann schlüpfen aus dem Ei gleich zwei Raupen und der Monsterkampf geht in die Endrunde, nachdem die Armee erfolglos versucht hat, Godzilla zu stoppen. Doch sind die Raupen der Urmacht Godzillas gewachsen?

Das meint Onyourscreen.de zum Film


Nach Godzilla (1954) und Die Rückkehr des King Kong (1962) war Godzilla und die Urweltraupen (1964) der dritte Godzilla-Film, für den Ishiro Honda als Regisseur verantwortlich zeichnete. Das 1955 gedrehte Sequel Godzilla kehrt zurück ging ja auf die Kappe von Motoyoshi Oda. Honda ist es vermutlich auch zu verdanken, dass der Spielfilmpart (also ausserhalb der Monster-Brawls) trotz ordentlicher Kaiju-Action, nicht zu kurz kommt. Sicherlich, die Gesellschaftskritik, die hier vorrangig auf windige Investmentspekulanten und rücksichtslose Geschäftsleute abzielt, ist nicht sonderlich eindringlich formuliert, aber zeugt davon, dass dieses Problem keineswegs nur aus unserer jetzigen zeitlichen Realität stammt. Um es abzurunden, schrieb man noch mal die H-Bombentests der Amerikaner mit ins Script und fertig war der anklagende Tenor. So nimmt Godzilla wieder einmal die Stelle ein für das, was passiert, wenn die Umwelt (in dem Fall Mothras Ei, die Insel Mothras usw.) mit Füssen getreten wird.

Godzilla und die Urweltraupen © Anolis Entertainment
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Objekt der Begierde: Mothras Ei!

Hervorheben darf man das bei Fans so geliebte Design unseres aggressiven Freundes, wohingegen Mothra (in manchen Szenen und trotz eigentlich erneuertem Kostüm) leicht mitgenommen daherkommt. Ob man die Story bzw. die Action im Showdown aus diesem Grund so auf die Larven Mothras fokussiert hat, bleibt dagegen spekulativ. Die vor sich hinkriechenden, Seidenfäden spinnenden "Urweltraupen" überzeugen in ihrer eigenen skurrilen Ästhetik, die Kaijukämpfe als solches sind sowohl sehr gut, als auch sehr entlarvend. Tatsächlich kann man nämlich recht deutlich in einigen Szenen erkennen, dass statt Godzilla in Suitmotion und Mothra per Seiltechnik, simple Handpuppen für hektische Kloppereien in Nahaufnahme genutzt wurden. Nicht dass uns das stören würde - das macht das fantasievolle Werk doch nochmals trashig-charmanter, oder?

onyourscreenSHOTs

Bild links Bild rechts
  • Godzilla und die Urweltraupen<br>© Anolis Entertainment
  • Godzilla und die Urweltraupen<br>© Anolis Entertainment
  • Godzilla und die Urweltraupen<br>© Anolis Entertainment
  • Godzilla und die Urweltraupen<br>© Anolis Entertainment
  • Godzilla und die Urweltraupen<br>© Anolis Entertainment
  • Godzilla und die Urweltraupen<br>© Anolis Entertainment
  • Godzilla und die Urweltraupen<br>© Anolis Entertainment
  • Godzilla und die Urweltraupen<br>© Anolis Entertainment

Das Aufeinandertreffen der beiden beliebten Monster King Kong und Godzilla in Die Rückkehr des King Kong war 1962 extrem erfolgreich ... was lag da näher ein weiteres beliebtes Kaiju gegen Godzilla antreten zu lassen. So kam es, das Mothra, die 1961 einen ebenfalls populären Erstauftritt hinlegte, in Godzilla und die Urweltraupen den Konterpart zu Godzilla mimte. Tatsächlich darf Godzilla und die Urweltraupen sogar von sich behaupten, der (vorerst) letzte Vertreter zu sein, in dem unser großer Freund den Menschen als Feind und nicht als Retter gegenübertritt - was sich ja in Frankensteins Monster im Kampf gegen Ghidorah im Filmverlauf wandelte. In diesem werden Godzi und Rodan nämlich von Mothra überzeugt, gegen Ghidorah zum Schutz der Erde/Menschheit anzutreten. Dass der Film dann an vielen Stellen so etwas wie ein Blueprint zum aktuellen Kinohit Godzilla II: King of the Monsters darstellt, ist sicherlich nicht übertrieben.

Das meint Onyourscreen.de zur Edition


Ja, das ist sicherlich meckern auf höchstem Niveau, aber wenn man mal die Artworks aller bisherigen "Kaiju Classic"-Steels von ihrer grundsätzlichen Anmutung vergleicht, dann ist das gewählte Motiv dieses Mal stilistisch nicht konsequent passend. Hier wirkt es eher so, als hätte man ein Plakatmotiv beschnitten und mit ein paar Photoshop-Filterspielchen verändert. Die bisherigen Motive dagegen wirkten immer wie speziell für die Edition entworfen (auch wenn es natürlich ebenfalls immer Teile aus Film- oder Plakatmotiven waren). Aber da spielt dann auch sicherlich persönlicher Geschmack eine große Rolle.
Inhaltlich kann die 2-Disk-Edtion (ja, trotz das diesmal wieder auf eine Blu-ray verzichtet wurde!) komplett überzeugen. Neben der japanischen Langfassung und der deutschen Kinofassung und der auch von uns heiß geliebten Super-8-Fassung, darf man sich erneut auf Tonnen von Extramaterial freuen.

- Audiokommentar von Jörg Buttgereit, Bodo Traber und Alexander Iffländer
- Audiokommentar von Florian Bahr
- Japanischer Kinotrailer
- Japanisches Werbematerial
- Interview mit Akira Takarada
- Deutsches Werbematerial




Das beiligende 20-seitige Booklet, wiederum verfasst von Ingo Strecker, informiert ausführlich über die Hintergründe zu Cast, Crew, Suits und Co. Garniert wird das Ganze mit diversen Filmpostern und einigen schicken Aushangfotos.

Fazit


Godzilla und die Urweltraupen ist ohne wenn und aber ein wahrhafter Monster-Klassiker und damit auch ein mehr als würdiger Eintrag in der Anolis'chen "Kaiju Classics" Steelbook (jaja, FuturePack dies das ...) Edition. Schaut euch Godzilla, Mothra und Mothras Brut in feinster, ja fast entlarvender Qualität an, lauscht den kurzweiligen Audiokommentaren und genießt den unvergleichlichen Charme, wenn Godzilla das letzte Mal in der Showa-Ära den Bösewicht mimt.


© Text: onyourscreen.de / AS


 
 
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