Ghostland © capelight pictures
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Artikel vom 07.08.2018 | Heimkino->Blu-Ray

Ghostland



Spukiger Mix aus Ghosthaus, Home Invasion und Body-Horror


Mit Inside, Frontier(s) aber auch High Tension wurde das französische Horrorkino zum Vorreiter einer neuen Art filmischen Schreckens. Zu diesen drei gehört auch Pascal Laugier's Martyrs, der für viele Gruselfans als einer der besten Horrorfilme der Neuzeit gilt, bei anderen aber ebenso umstritten ist. Geboren war die "new french extremity", die sehr weit weg von den ausgetretenen Pfaden des klassischen Horrors ohne Fantasy-Elemente auskam und ausschließlich den Schrecken Mensch in den Focus setze. Nun dürfen wir mit Ghostland Laugier's neuestes Werk begutachten ...

Mediafacts
Ghostland © capelight pictures
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Mediabook-Cover: Ghostland
Titel: Ghostland
Originaltitel: Incident in a Ghost Land
getestete Version: Mediabook
Darsteller: Crystal Reed, Anastasia Phillips, Mylène Farmer
Regie: Pascal Laugier
Produktionsland: Frankreich/Kanada
Studio/Verleih: Capelight Pictures
Erscheinungstermin: 2018
Produktionsjahr: 2018
Spieldauer: 91 Minuten
Sprache: Deutsch,Englisch: DTS HD-MA 5.1
Regioncode: 2
FSK: ab 16 J.

Kurzinhalt


Nach dem Tod ihrer Tante bezieht Pauline mit ihren Töchtern Beth (Emilia Jones) und Vera (Taylor Hickson) das alte, mit Kuriositäten vollgestopfe Haus der Verstorbenen. Gleich in der ersten Nacht im neuen Heim werden sie von brutalen Einbrechern überfallen. Das Trauma sitzt tief und prägt die Schwestern bis ins Erwachsenenalter. Beth (Crystal Reed) hat ihre persönliche Bewältigungsstrategie im Schreiben gefunden und ist erfolgreiche Autorin von Horrorliteratur. Vera (Anastasia Phillips) hingegen lebt immer noch mit ihrer Mutter in dem alten Haus, leidet unter paranoiden Wahnvorstellungen und verliert zunehmend den Verstand. 16 Jahre nach dem Vorfall kehrt Beth an den Ort des Geschehens zurück – was sich als schrecklicher Fehler erweist ...

Mit seinem unterschätzten Mystery-Thriller The Tall Man – Angst hat viele Gesichter aus dem Jahr 2012, der eher an eine Stephen King-Story erinnert, enttäuschte Pascal Laugier seine riesige, durch nur einen einzgen Film (eingangs besagter Martyrs) entstandene Fangemeinde, die einfach etwas völlig anderes erwartet hatte. Sein neuer Film Ghostland geht nun wiederum ganz andere Wege ... Ein gruseliges Haus voller alter Puppen, Verweise auf Lovecraft'sche Erzählungen, ein verwirrendes Spiel mit Realitäten und Fiktionen, eine deftige Portion Body-Horror, ein wenig Spuk sowie eine ordentliche Prise Home Invasion - aus diesen Bausteinen setzt Laugier sein neues Werk zusammen, das bei uns am 5. April 2018 in die Kinos kam und nun als Heimkinoveröffentlichung in den Startlöchern steht. Hier dürfen wir uns mit zwei komplett unterschiedlichen Schwestern beschäftigen, die mit ihrer alleinerziehenden Mutter in das schräg-schaurige Haus einer kürzlich verstorbenen Tante ziehen und prompt am Tage des Einzugs von höchst brutalen Einbrechern überfallen, drangsaliert, gejagdt und gepeinigt werden. Viel mehr darf man dann zu der Story aber auch schon nicht verraten, denn ab hier schwankt das Werk zwischen diversen Realitäten, die sich dann Stück für Stück entschlüsseln und in Reihenfolge bringen lassen wollen. Als Grundtenor möchten wir noch anmerken, das das Augenmerk des Films wohl darauf abzielt, welche Auswirkungen extreme körperliche Gewalt auf die Psyche eines Menschen haben kann ... und dabei durchaus punktuell sehr brutal zu Werke geht, was die niedrige FSK16-Einstufung ab und an fragwürdig erscheinen lässt.

Ghostland © capelight pictures
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Beth inmitten von Puppen ... und der "Oger"

Sehr viel Wert wurde hier offensichtlich auf die Ausstattung gelegt: das Haus und seine bizarren mit Puppen vollgestopten Zimmer wirken nahezu wie ein eigener Charakter - im Film wird es sogar schmerzhaft/scherzhaft als ein Haus aus einem Rob Zombie-Film tituliert. Daneben agieren Crystal Reed als "ältere Beth" und Emilia Jones als "junge Beth" in allen Facetten absolut souverän, Anastasia Phillips/Taylor Hickson kommen dagegen - rollenbedingt - nicht ganz so zum Zuge. Bis auf die Mutter der beiden trägt kein Nebencharakter etwas zur tatsächlichen Story bei, ja selbst die brutalen Invasoren bleiben optisch aber auch in ihrer Motivation - scheinbar gewollt - nahezu schemenhaft und nur in ihren Handlungen präsent. Das geht soweit, das eines der Mädchen die beiden Peiniger als Hexe und Oger bezeichnet und man als Zuschauer nur kopfnickend "ja, genauso so wirken sie" denkt ...

Wir haben Ghostland mit vier sehr unterschiedlichen Leuten geschaut, zwei davon waren nicht "Martyrs vorbelastet" - diesen beiden hat das Werk extrem gut gefallen, die durch den Ausnahmefilm Geprägten konnten mit der teils ruhigen Erzählweise und vor allem mit der eher klassischen Auflösung des Films etwas weniger anfangen.

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Veröffentlichungsformen "Ghostland"

Das meint Onyourscreen.de zur Veröffentlichung


Ghostland ist kein kleiner Genrebeitrag, kein Direct-to-DVD-Film - neben der zurückliegenden Kinoauswertung wird Pascal Laugier's neues Werk allumfassend veröffentlicht. Neben der klassischen DVD und Blu-ray in der Standardverpackung, darf sich der Sammler zwischen einem optisch sehr gelungenen Steelbook oder - natürlich, möchte man bei Capelight sagen - einem Mediabook entscheiden. Letzteres halten wir in den Händen und wollen es euch näherbringen. Das Frontartwork zeigt Beth im Portät, sehr künstlerisch visualisiert als zerbrochene Porzellanpuppe, das Backcover stellt ein Bild der kleinen Familie in einem goldenen ovalen Rahmen dar. Gerade Capelight experimentiert ja mal gerne mit den unterschiedlichsten Finishes ihrer Mediabooks, so auch hier. Die Haptik des Ghostland-Einband wirkt ledrig und dadurch leicht gealtert, eine wirklich nette Idee (schaut euch unser unten stehendes "So schaut's aus-Video" an, da sieht man das sehr schön). Auch das eingeklebte, 24-seitige Booklet ist aus einem dickeren, scheinbar faserigen Material, das den matten, düsteren Look nochmal unterstützt. Der umtriebige Filmwissenschaftler, zigfache Buchautor, Drehbuchautor und Musiker Prof. Dr. Marcus Stiglegger erklärt im Großteil des Booklets die "Topographie der Angst", bezugnehmend auf Pascal Laugier's Werke, den Rest nimmt ein Interview mit dem Regisseur ein. Eingerahmt von stimmungsvollen Bildern aus dem Film, nimmt das Booklet einiges vorweg - von daher ist es ratsam hier erst nach dem Filmgenuss hineinzuschnuppern. Natürlich liegt der Film als Blu-ray und als DVD vor (beide Medien geschmückt mit wundervoll-gruseligen Puppen), dazu gesellen sich folgende Extras:

> Making of /73 Minuten, sehr sehenswert!)
> Interview mit Chrystal Reed (die "alte" Beth)
> Interview mit Emilia Jones (die "junge" Beth)
> Interview mit Pascla Laugier (Regisseur)
> Original Kinotrailer
> Deutscher Kinotrailer




Fazit


Ghostland ist kein Martyrs, will es aber auch garnicht sein. Incident in a Ghostland (so der Originaltitel) zeigt aber erneut welche Intensivität Pascal Laugier in die gruseligen aber auch brutalen Aspekte seiner Filme stecken kann. Sicherlich fehlt Ghostland ein Stück weit die Originalität und unique Genialität eines Martyrs, und trotzdem dürfen wir uns einen gruseligen Schocker in bester Aufmachung nach Hause holen.

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Bild links Bild rechts
  • Ghostland<br>© capelight pictures
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© Text: onyourscreen.de / AS


 
 
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