Geheimagent Barrett greift ein © Anolis Entertainment
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Artikel vom 17.08.2018 | Heimkino->Blu-Ray

Geheimagent Barrett greift ein



Ein USA-Bond? Eher nicht!


James Bond jagt Dr. No (1962), Liebesgrüße aus Moskau (1963), Goldfinger (1964) - die britischen Agentenfilme um den charismatischen Agenten mit der Nummer 007 waren finanziell höchst erfolgreich. Neben den vor allem italienischen, spanischen oder französischen Trittbrettfahrern (die sogenannten Eurospy-Filme) entging selbstverständlich auch den US-amerikanischen Produzenten dieser Erfolg nicht. Ob der nun bei Anolis in der großartigen Mediabook-Reihe "Phantastische Filmklassiker" erscheinende Geheimagent Barrett greift ein (OT: The Satan Bug) als Reaktion auf die Bond-Hysterie gelten darf oder eben nicht, beleuchten wir unter anderem in diesem Review.

Mediafacts
Geheimagent Barrett greift ein © Anolis Entertainment
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Cover B, Mediabook
Titel: Geheimagent Barrett greift ein
Originaltitel: The Satan Bug
getestete Version: Mediabook
Darsteller: George Maharis, Richard Basehart, Anne Francis, Dana Andrews
Regie: John Sturges
Produktionsland: USA
Studio/Verleih: Anolis Entertainment
Erscheinungstermin: 2018
Produktionsjahr: 1965
Spieldauer: 115 Minuten
Sprache: Deutsch DTS HD-MA 2.0 Mono / Englisch DTS HD-MA 2.0 Mono
Bildformat: High Definition Widescreen (16:9 2,35:1) 1920x1080p
Regioncode: 2
FSK: ab 12 J.

Filmkurzbeschreibung


Der Biochemiker Dr. Baxter hat einen tödlichen Virus entwickelt, der das Gleichgewicht des Schreckens zugunsten der westlichen Welt verschieben soll. Als der Virus aus dem geheimen Forschungslabor entwendet wird, soll Geheimagent Lee Barrett (George Maharis) den Kampfstoff wiederbeschaffen.

Und? Ist Geheimagent Barrett greift ein als Parasit der frühen Bond-Erfolge gedacht gewesen? Klar, möglicherweise wollte man ihn als solchen produzieren oder später vermarkten, tatsächlich aber weist er so gut wie keine Parallelen zu der britischen 007-Reihe auf. Prägend für Bond waren immer (oder meist) vier Dinge: ein obskurer Bösewicht, Gadgets/exklusive Fahrzeuge, exotische Drehorte und natürlich gerne mal freizügige und wechselnde Ladies. Gut, unser Geheimagent Barrett hat so etwas wie eine Freundin, doch die züchtige Dame passt überhaupt nicht ins Bond'sche Schema. Sein Gegenspieler ist zwar eine ernsthafte globale Bedrohung, weisst aber keine Ähnlichkeit mit den kriminellen Exzentrikern auf, mit denen sich 007 herumschlagen musste. Exotische Drehorte finden wir hier ebensowenig wie Geheimagenten-Gimmicks oder von Q gepimpte Edelkarossen. Im Gegenteil: der mit klassischen (nicht Space Opera'esquen) Science Fiction-Elementen versehene Thriller prahlt schon geradezu mit seiner Ernsthaftigkeit und verbreitet einen heutzutage umso eher greifbaren Schrecken. Gerade die ersten 30 bis 40 Fiilmminuten, die nahezu ausschließlich in einer großartig ausgestatteten und noch besser (und sehr unüblich) ausgeleuchteten unterirdischen Versuchseinrichtung spielen, versprechen mit ihren unheilvollen ersten Eindrücken einen richtig spannenden Filmabend.

Geheimagent Barrett greift ein © Anolis Entertainment
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Untersuchungen am Zaun der geheimen Versuchsstation

Bekannte Macher


Den verspricht auch der Name des Regisseurs: John Sturges, seines Zeichens hauptverantwortlich für Meisterwerke wie Die glorreichen Sieben und vor allem den kurz zuvor produzierten Gesprengte Ketten. Weitere Namen wie Alistair MacLean, der die Romanvorlage schuf, Jerry Goldsmith als Musikverantwortlicher oder der hervorragende Kameramann Robert Surtees, A.S.C. zeugten von dem Versuch, hier einen weiteren Erfolgsfilm zu schaffen ... was aber an den Kinokassen misslang. Vermutungen dass es an dem eher unbekannten Cast, am für den ambitionierten Sturges zu geringen Budget oder an der für die damalige Zeit zu wenig glaubhaften Bedrohung durch biochemische Waffen lag, halten wir in Kombination für möglich. Uns stört dagegen vor allem die recht träge erzählte Gesamtstory, die extreme Dialoglastigkeit, die fehlende Dramatik und das uninnovativ aufgelöste Bedrohungsszenario. Die 115 Minuten ziehen sich doch arg, die wenig abwechslungsreichen Schauplätze tun ihr übriges. Filmhistorisch ist dieser Beitrag heutzutage natürlich ein Schätzchen, das, in seine Einzelteile (tolle, fast schon experimentelle Klänge von Goldsmith, das Ausnutzen des extremen Breitwandformats, die stimmungsvolle Ausleuchtung der sehr guten Sets) zerlegt, unglaublich interessant und wert ist, genauer in Augenschein genommen zu werden.


Das meint Onyoursceen.de zum Mediabook


Mit Geheimagent Barrett greift ein zieht nun also auch der erste 1960er Vertreter ein in die Mediabook-Reihe "Phantastische Filmklassiker" ... was uns zuerst mal ein wenig stutzig machte. Gehört dieser Film in die so deklarierte Reihe? Ist er "phantastisch" im Sinne von "Phantasie"? Nun, die leichten Science Fiction-Elemente sorgen unserer Meinung gerade eben so dafür, das The Satan Bug hier seinen Platz zu Recht einnehmen darf. Auf jeden Fall phantastisch ist mal wieder Aufmachung und Ausstattung der Veröffentlichung, denn das Mediabook in zwei Covervarianten macht einen prima Eindruck. Visuell darf man Geheimagent Barrett greift ein in seiner vollen ultrabreiten Pracht sowie in farbechten und störungsfreien Bildern genießen. Dazu weiß auch der saubere Ton zu gefallen. Wobei beides der Blu-ray vorbehalten bleibt, denn auf der beiliegenden DVD müssen wir uns mit der Grindhouse-Fassung begnügen, die ausschließlich den unrestaurierten Film, ein typisches, zeitgenössisches Trailer-Vorprogramm und eine bebilderte John Sturges-Filmographie abbildet. Auf dem HD-Medium dürfen wir neben dem Film im Originalton und deutscher Synchro noch folgende Extras begutachten:

- Audiokommentar mit Prof. Dr. Marcus Stiglegger (Sehr aufschlussreich und interessant, unbedingt anhören!)
- Amerikanischer Kinotrailer
- Deutscher Kinotrailer
- Deutsche Titelsequenz
- Amerikanische Radio Spots
- Werberatschlag
- Filmprogramm
- Bildergalerie


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Covervarianten der Mediabooks zu "Geheimagent Barrett greift ein"

Abgerundet wird das Mediabook durch das 24-seitigem Booklet geschrieben von Mike Siegel. Rundum eine gelungene Veröffentlichung in einer Reihe, die voraussichtlich durch folgende Filme fortgesetzt wird: Im Banne des Dr. Monserrat (Die 1960er) sowie durch Stille Nacht, Horror Nacht (Die 1980er) - zumindest annonciert dass das dem MB beiliegende Werbematerial. Wir sind gespannt.

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© Text: onyourscreen.de / AS


 
 
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