Movies härterer Gangart ...
Artikel vom 07.06.2011 | Themen

Fünf Mal Hardcore



Filme am Rande der Zumutbarkeit


In der großen weiten Filmwelt gibt es genügend Filme, die keiner Fliege etwas zuleide tun. Filme, in denen es friedlich, entspannt und mit Happy-End-Garantie zugeht, ohne dass jemand auf die Idee kommen würde, sich an den filmischen Geschehnissen zu stören. Die Wohlfühlatmosphäre trifft nämlich den Geschmack des Mainstreams. Die Mehrheit der Kino-Fans wollen von einem Film nicht verstört, angeekelt oder auf groteske Art und Weise vorgeführt werden. Für alle, die sich aber sehr wohl für herausfordernde Filme interessieren, gibt es zum Glück Produktionen wie Mann beißt Hund.

Die spinnen doch, die Belgier


In der belgischen Mockumtary von 1992 verfolgt ein Kamerateam den Serienmörder Ben und dokumentiert die zumeist mit grausamer Nebensächlichkeit durchgeführten Morde. Letztendlich werden die Filmleute zu Komplizen des zynischen Killers und verwischen damit die Grenze zwischen Voyeurísmus und Mittäterschaft. Dass dem Zuschauer im Laufe des Films Szenen zugemutet werden, die bis heute zu den diskutabelsten der modernen Filmgeschichte gehören, macht Mann beißt Hund zu einem echten Hingucker des Genres.
In eine ganz ähnliche Kerbe schlägt der ebenfalls belgische Film Ex Drummer. Schriftsteller Dries wird Mitglied in einer von abgewrackten Typen strotzenden Band und lässt es sich nicht nehmen, seine intellektuelle Überlegenheit offen zur Schau zu stellen. Das Ergebnis besteht aus rotzigem Punkrock, abstoßenden Sex-Szenen und einem abschließenden Blutbad. Der gemeine Kino-Fan wird das kaum aushalten, der interessierte Hardcore-Cineast aber wird freudig erregt mit den Ohren schlackern.
Wem das nicht genug ist, der kann sich mit Dobermann gleich den nächsten Klassiker des schlechten Geschmacks vor Augen führen. In der französischen Produktion zieht Vincent Cassel als rücksichtsloser Gangster gemeinsam mit seiner aus kaputten Typen bestehenden Gang von Bankraub zu Bankraub und lässt den ermittelnden Inspektor im blutroten Regen stehen. Dass der Film von der Kritik nur mit einem verabscheuenden Lächeln betrachtet, von Fans aber in den Himmel gelobt wird, versteht sich angesichts der übertriebenen B-Movie-Ästhetik von selbst.

Das Grauen der Existenz


Dass es in extremen Filmen aber auch durchaus humoristisch zur Sache gehen kann, beweist die dänische Komödie Dänische Delikatessen. Denn wenn Mads Mikkelsen und sein Kumpan damit anfangen, ihre Fleischerei mit leckerem Menschenfleisch aufzupeppen, bleiben kuriose Verwicklungen nicht aus. Dem gemeinen Kino-Gänger wird angesichts der kulinarischen Fragwürdigkeiten zwar das Mittagessen wieder hoch kommen, dennoch gehört Anders Thomas Jensens Groteske zu den interessantesten Produktionen aus Skandinavien, die es in den letzten Jahren geschafft haben, internationale Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen.
Filme, die dem Zuschauer an die Nieren gehen, müssen allerdings nicht zwangsläufig das Hackebeil rausholen. Mit Dalton Trumbos Meisterwerk Johnny zieht in den Krieg erwartet den Zuschauer ein eher literarisch anmutendes Werk, das seine verstörende Wirkung erst mit zunehmender Dauer entwickelt. Im Mittelpunkt der Geschichte steht der junge Johnny, der im ersten Weltkrieg schwer verwundet wird und im Militärkrankenhaus landet. Beine, Arme und den Großteil seiner Sinneswahrnehmung hat er verloren. Die anfängliche Freude über das Überleben verkehrt sich bald in ohnmächtige Verzweiflung, zum Leben verdammt zu sein.
Erschütterndere Filme hat die Filmgeschichte wohl nur eine Handvoll zu bieten. Es empfiehlt sich daher, den Zeitpunkt, sich dieses Ungetüm von Film zu Gemüte zu führen, genau auszuwählen. Gleiches gilt natürlich auch für alle vier anderen aufgeführten Werke.


© Text: onyourscreen.de / TA


 
 
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