Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer
Artikel vom 17.03.2015 | Heimkino->DVD

Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer



Big G. statt King K.


Der siebte Godzilla-Film der japanischen T?h?-Studios ist heutzutage ohne Frage ein Highlight für Fans des Genre - damals aber war er fast der Abgesang auf das so erfolgreiche Franchise. Nicht nur das Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer eigentlich gar kein Godzilla-Film werden sollte, nein, man musste durch die deutlichen Zuschauerrückgänge der letzten Vorgänger mit erheblichen Budgetkürzungen und dazu mit einem Kaiju-unerfahrenen Regisseur auskommen.
Am 27. März 2015 bringt uns die Nummer 11 der "Kaiju Classics" Reihe von "Anolis" diesen Klassiker in wiederum edler Verpackung in die heimische Monsterfilm-Sammlung.

Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer
Der Rote Bambus ist hochtechnisiert

Mediafacts
Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer
Cover: Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer
Titel: Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer
Alternativ: Godzilla - Das Ungeheuer aus der Tiefe
Alternativ: Godzilla - Das Ungeheuer aus dem Meer
Originaltitel: Gojira, Ebira, Mosura: Nankai no Daikett?
US-Titel: Godzilla vs. the Sea Monster
getestete Version: Limited Edition 2-Disk-DVD der Kaiju Classics Reihe von Anolis
Cast: Tôru Watanabe, Akira Takarada, Kumi Mizuno, Chôtarô Tôgin, Jun Tazaki
Regie: Jun Fukuda
Produktionsland: Japan
Studio/Verleih: Anolis Entertainment
DVD-Release: 2015
Produktionsjahr: 1966
Spieldauer: 83 Minuten (Original), 83 Min. (deutsche Kinoversion), 4:40 Min. (Super 8-Fassung)
Sprache: Deutsch (DD 2.0, mono), Japanisch (DD 2.0, mono)
Regioncode: 2
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren

Filmkurzbeschreibung


Ryôta ist auf der Suche nach seinem seit einem Bootsunfall verschollenen Bruder Yata. Dabei lernt er zwei junge Männer kennen, mit denen er sich heimlich auf ein Segelboot schleicht. Dort werden die neuen Freunde allerdings von Einbrecher Yashi überrascht, was Ryôta nicht davon abhält, das Boot des nachts aufs offene Meer hinaus zu steuern. Von einem Sturm und einem gewaltigen Monster angegriffen, stranden die Vier auf der Teufelsinsel und treffen auf das Mädchen Daiyo, die von der Infant Insel - Riesenmotte Mothras Zufluchtsstätte - durch den "Roten Bambus" hierhin verschleppt wurde. Diese kriminelle Organisation betreibt dort eine geheime Waffen-Produktionsstätte und hält die um die Insel tobende Riesenkrabbe Ebirah mittels eines von den versklavten Arbeitern gewonnenen Farbstoffes unter Kontrolle. Doch auch Godzilla ist auf dieser Insel gestrandet und schläft im Inneren der Insel - zumindest solange, bis die vier vor den Soldaten des "Roten Bambus" fliehenden Gefährten ihn erwecken ...

Das meint Onyourscreen.de zum Film


Wahrlich keine besonders guten Vorzeichen, unter dem Gojira, Ebira, Mosura: Nankai no Daikett? oder eben Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer - so der deutsche Kinotitel - im Jahr 1966 entstanden ist. Das Drehbuch war vermutlich schon weitestgehend fertig und King Kong (ja, tatsächlich ist der Affe gemeint, was ja nicht immer ganz klar ist in der Historie dieser Filme) für die "monströse Hauptrolle" vorgesehen, als man vom amerikanischen Rechteinhaber dazu genötigt wurde, auf den affigen Protagonisten zu verzichten. So griff man auf Godzilla zurück, obwohl die letzten cineastischen Einsätze des "König der Monster" kommerziell längst nicht mehr so erfolgreich wie dessen frühe Kassenschlager waren. Der eigentliche Godzilla-Regisseur Ishir? Honda winkte - mutmaßlich - aus mehreren Gründen ab: zum einen war er mit dem Directing zu Frankenstein – Zweikampf der Giganten¹ (Furankenshutain no Kaiju Sanda tai Gaira) beschäftigt und zum anderen passte ihm das deutlich gekürzte Produktionsbudget des Streifens wahrscheinlich nicht. So kam es dazu, dass erstmals Regisseur Jun Fukuda unserem monströsen Freund sagen sollte, was er denn zu tun hatte.

Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer
King Kong Look a Like

Wieviel Einfluss dieser auf das einfallsreiche Drehbuch hatte, ist historisch nicht überliefert ...wahrscheinlich dürfte der Einfluss des geringen Budgets größer gewesen sein. So haben wir es nun statt wie zu Beginn des Gozilla-Zeitalters nicht mit einem Katastrophen- oder wie zuletzt mit einem Science Fiction-Film zu tun, sondern mit einem wilden Mix aus Abenteuer-, Agenten- und Monsterfilm. Abenteuer? Agenten? Eindeutig, ja. Abenteuerlich gelangen unsere vier Freunde auf die geheimnisvolle Insel, die Bezüge zu Jules Vernes Romanen aber auch Skull Island (King Kongs Insel) sind unverkennbar. "Spy"- und "Eurospy"-Freunden fällt dagegen sofort die Ikonografie diverser Agentenfilme ins Auge: Bösewicht mit Augenklappe, die Weltherrschaft anstrebende Geheimorgansisation, verborgene Produktionsstätten und neueste technische Errungenschaften - trifft alles auf den "Roten Bambus" zu. Und für was steht diese Organisation? China, Nord-Korea? Es darf viel spekuliert werden in Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer. Auch zum Beispiel ob diverse King Kong ähnliche Verhaltensauffälligkeiten von Godzilla einfach stur nach notdürftig umgeschriebenen Drehbuch oder aber ein gewollter Seitenhieb auf die Rechteinhaber waren? Ebenso spekulativ ist, ob das Insel-Setting aus Budgetgründen gewählt wurde? Godzillas Lieblingsspaß - Demolition Derby mit meist ebenso großen Feindschaften in diversen japanischen Großstädten -, ist sicherlich kostspieliger als das Prügeln mit der immer im Wasser stehenden Krabbe oder dem Zerstören der kleinen Fabrikanlage auf einer Insel. Doch wenn das Drehbuch nur mit King Kong in der Hauptrolle bereits so feststand, spekulieren wir da in die verkehrte Richtung, oder? Unzweifelhaft dagegen ist der Funfaktor des Kaiju-Klassikers, trotz des bei den G-Fans wenig beliebten Regisseurs und trotz dem Versuch Godzilla eher für das jüngeren Publikum aufzubereiten. Das geringe Budget, die etwas anderen Monsterfights, aber auch das abstruse Drehbuch stehen Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer gut zu Gesicht.

Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer
Godzilla geht auf Ebirah los

Das meint Onyourscreen.de zur DVD


Alle 11 Kaiju Classics in der Übersicht
1. Frankenstein – Der Schrecken mit dem Affengesicht
(limitiert auf 2.000 Exemplare)

Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer
6 der 11 Kaiju Classics
2. Frankensteins Monster jagen Godzillas Sohn
(limitiert auf 2.000 Exemplare)

3. U 2000 - Tauchfahrt des Grauens
(limitiert auf 1.500 Exemplare)

4. U 4000 - Panik unter dem Ozean
(limitiert auf 1.500 Exemplare)

5. Guila Frankensteins Teufelsei
(limitiert auf 1.500 Exemplare)

6. Frankenstein und die Monster aus dem All
(limitiert auf 1.500 Exemplare)

7. Befehl aus dem Dunkel
(limitiert auf 1.500 Exemplare)

8. Die Rückkehr des King Kong
(limitiert auf 1.500 Exemplare)

9. Frankenstein - Zweikampf der Giganten
(limitiert auf 1.500 Exemplare)

10. Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster
(limitiert auf 1.500 Exemplare)

11. Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer
(limitiert auf 1.500 Exemplare)

Das wie immer schicke Metal-Pack mit dem charakteristisch gebürsteten Steel-Look und dem schwarz-weißen Artwork vor dem roten Längsstreifen beinhaltet auch dieses Mal ein von Ingo Strecker interessant verfasstes, 20-seitiges Booklet. Ausgeschmückt werden die Fakten, Anekdoten und Mutmaßungen rund um den Streifen mit Aushangfotos, Artworks und Plakaten aus allerlei Ländern. Zwei DVDs (jaja ihr Blu-ray-Jünger - wir haben da gleich noch was für euch - stay tuned!) warten vollgepackt in dieser bereits 11. Veröffentlichung der Anolis "Kaiju Classics"-Reihe. Die erste Disc enthält die nahezu makellose, konturstarke, farbfreudige und scharfe japanische Originalfassung - selbstverständlich wahlweise im Original-Ton, gut klingender deutscher Synchro oder mit übergelegtem Audiokommentar der deutschen Godzilla-Ikone Jörg Buttgereit zusammen mit dem ebenso versierten Bodo Traber. Beide lassen sich wie gewohnt selten zu Wort kommen, spekulieren sich 'nen Wolf und haben hörbar Spaß daran den Zuschauer mit Nerd-Wissen und Backstories zu unterhalten. Großartig, kann man wie ein Hörspiel genießen. Leider ist das allerdings auch der einzige Audiokommentar bei diesem Produkt - da hatten wir schon deutlich mehr bei diversen "Kaiju Classics". Richtig unterhaltsam ist auch die rund 4:40 Minuten lange japanische, deutsch untertitelte Super-8-Fassung, die wild aus diversen Filmen zusammengeschnittenes Material mit einem völlig spleenigen Kommentar kombiniert. Ein herrlicher Spaß! Abgerundet wird die erste DVD mit dem japanischen Trailer und einer Bildergalerie.
Disc 2 beherbergt die deutsche Kinoversion von Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer, den deutschen Trailer, den im Bild festgehalteten Werberatschlag und eine weitere, aber kürzere Bildergalerie. Wie man sieht, werden wir Godzilla-Nerds wiedermal reichlich bedient - doch eins haben wir noch: dem Produkt liegt ein Wertgutschein bei, der den ständigen Forderungen nach einer Blu-ray-/HD-Version der "Kaiju-Classics" antwortet. Mit diesem Gutschein darf die mögliche Blu-ray-Veröffentlichung - so sie denn irgendwann erscheint - für den Preis von € 5,99 (inkl. Verpackung und Versand und statt voraussichtlich € 14,99) erworben werden. Eine gute Idee wie wir finden.

Das Onyourscreen.de-Fazit zu Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer


Auch wenn good old Godzi erst nach rund 50 Minuten brummelig zu Werke schreitet, Monsterkrabbe Ebirah und der bemitleidenswerte Geier² eher unwürdige Gegner für unseren Kaiju-Kumpel sind, Motte Mothra bei ihrem Miniauftritt ziemlich mitgenommen aussieht und zudem recht wenig Modellbau-Spaß zu Bruch geht, haben wir hier einen würdigen 11. Vertreter in Anolis beliebter "Kaiju-Classics"-Reihe vor uns. Zugreifen, pronto, monströser Spaß ist garantiert.

Tipp: Noch mehr Kaiju-Spaß, unsere 5-teilige Godzilla-Hommage und weitere Reviews zu den Kaiju Classics findet ihr in unserem Godzilla-Special.

onyourscreenSHOTs

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¹ Frankenstein – Zweikampf der Giganten hatte im Gegensatz zu dem vorliegenden Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer tatsächlich ein Frankenstein-Thema. Auch der Originaltitel trägt den "Furankenshutain": Furankenshutain no Kaiju Sanda tai Gaira. Dieser Ishiro Honda-Monsterklassiker sowie sein Prequel Frankenstein – Der Schrecken mit dem Affengesicht (Furankenshutain tai chitei kaijû Baragon) und ihr Erfolg auch für den deutschen Verleih, waren wohl der Grund für die folgenden "Frankensteins", die eigentlich nie etwas mit dem Mary Shelley-Thema zu tun hatten: Frankenstein und die Monster aus dem All, King Kong – Frankensteins Sohn, Frankensteins Monster jagen Godzillas Sohn, Frankensteins Kampf der Ungeheuer, Frankensteins Kampf gegen die Teufelsmonster oder eben wie hier vorliegend Frankenstein und die Ungeheuer aus dem Meer.

² Auch der Geier (oder soll es ein Adler sein) könnte ein Hinweis auf das Ursprungsdrehbuch sein - im klassischen King Kong von 1933 hat es der Gewaltige ja auch mit diversen mutierten oder ausgestorbenen Tieren zu tun und schützt "die weiße Frau" - hier tut es ihm Godzilla gleich und beschützt das schöne Mädchen Daiyo vor dem recht flott via Maulstrahl gegrillten Getier.


© Text: onyourscreen.de / AS


 
 
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