Erkan und Stefan
Artikel vom 27.06.2011 | Heimkino->DVD

ERKAN & STEFAN



Brontaler Angriff auf die Gesichtsmimik


Manchesmal bringt auch die Deutsche Filmindustrie sehenswerte Glanzstücke auf den Markt. Manchesmal jedoch sind die filmischen Erzeugnisse aus deutscher Hand nur schwer in Worte zu fassen. Wir schreiben das Jahr 1999, kein Geringerer als Michael „Bully“ Herbig (unter anderem Der Schuh des Manitu, Wickie und die starken Männer) führt seine erste Film-Regie. Heraus kommt dabei: Erkan & Stefan. Doch hat nicht jeder Regisseur mal klein angefangen?

Mediafacts
Erkan und Stefan
Cover: Erkan & Stefan
Titel: Erkan & Stefan
getestete Version: DVD
Cast: John Friedmann, Florian Simbeck, Manfred Zapatka, Sigi Terpoorten
Regie: Michael Herbig
Produktionsland: Deutschland
Studio/Verleih: Highlight
DVD-Release: 2008
Produktionsjahr: 2001
Spieldauer: 83 Minuten
Format: Dolby, DTS, PAL, Surround Sound
Sprache: Deutsch (DD 5.1)
Regioncode: 2
Format: 16:9 - 1.77:1
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren

Kurze Filmbeschreibung


Der rätselhafte Tod des Politikers Uwe Barschel steht kurz vor der Aufklärung: Der Hamburger Verleger Eckernförde ist in den Besitz einer Tonkassette gelangt, auf der die letzten Minuten im Leben des Politikers aufgezeichnet sind.
Doch der BND und die CIA sind dem Verleger bereits auf der Spur und wollen mit allen Mitteln verhindern, dass das Band an die Öffentlichkeit gelangt. Per Zufall steckt Eckernfördes Tochter Nina (Alexandra Neldel) die Kassette ein, und nimmt sie mit nach München, wo Nina ihre kranke Mutter besuchen will. Eckernförde versucht, seiner Tochter telefonisch die besten Bodyguards in München zu besorgen, doch der BND funkt dazwischen - und so werden ausgerechnet Erkan (John Friedmann) und Stefan (Florian Simbeck), zwei unfähige Trottel, als Personenschützer für Nina engagiert...chaotische Zwischenfälle sind damit vorprogrammiert.

Erfolg mit krasser Kanak-Sprak


Handtuch um den Hals, Mütze, Adidas-Joggingstyle und Namenskettchen – das sind die Markenzeichen der zwei Münchener Prolos Erkan und Stefan. Ach ja, und nicht zu vergessen – natürlich ihre Kanak Sprak! Ein künstlicher türkischer Akzent gespickt mit bayrischen Dialekt lässt „brutalst abgedrehte“ Dialoge entstehen: „Du kannst doch jetzt nicht abticken! Du kriegst auch meine Michael Dudikov-Sammlung, und meinen Sega Mega Drive, und meinen 16 geteilt durch 9 Bildschirm!“ Die eigenwillige Sprachkultur von Erkan und Stefan hat dabei sicherlich so manchen Jugendlichen auf linguistische Abwege gebracht. Doch so „brontal“ auch die Dialoge sind, die Story ist nicht besonders kurzweilig - sie ist einfach nur da, weil sie wohl da sein muss. Der Hauptaugenmerk der „Agentenkomödie“ liegt ganz auf den beiden Protagonisten, die sich voll konkret um Kopf und Kragen plappern. Erkan & Stefan lebt somit hauptsächlich von den sprachlichen Ergüssen und auch Alexandra Neldel kann der mäßigen Handlung dabei kaum Leben einhauchen. Doch wie es einmal so ist, ein Großteil des Publikums liebt diese zwei Chaoten und der Erfolg an den Kinokassen gibt nun mal recht. Und so ist es irgendwie kein Wunder, dass diesem „filmischen Meisterwerk“ zwei weitere Filme folgten (diesmal ohne die Regie von Bully Herbig): 2002 der Film Erkan & Stefan – Gegen die Mächte der Finsternis und 2005 Erkan & Stefan: Der Tod kommt krass.



Fazit: Voll krass!
Klar, Fans von Erkan und Stefan haben ihre helle Freude an diesem Film und können vermutlich auch noch die meisten Textpassagen auswendig oder wissen auf Anhieb ein Filmzitat zum Besten zu bringen (à la „Hey, versuch den Todesblick!“). Und wer auf Filme wie etwa „Ballermann 6“ steht, der sollte sich diesen Film auch gleich bei Amazon (oder dem DVD-Händler seines Vertrauens) ordern. Klar ist aber auch, Erkan und Stefan spalten die Nation. Entweder man liebt sie oder man findet die beiden „konkret langweilig“. Letztgenannte empfinden Bully Herbigs erste Komödie als äußerst dürftige Kost, die irgendwo zwischen Volksverdummung und Geschmack- und Niveaulosigkeit angesiedelt ist. Fakt ist wohl, entweder „konkret daneben“ oder „gukkst du krass weidder“!


© Text: onyourscreen.de / SN


 
 
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