Artikel vom 11.02.2011 | Heimkino->DVD

ELLING - Nicht ohne meine Mutter



Eine DVD-Kritik


Nach dem großen Erfolg des norwegischen Films Elling (OYS-Review) aus dem Jahre 2001, der sogar für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert wurde, folgte 2003 eine weitere Elling-Verfilmung, die sich diesmal der Vorgeschichte des liebenswerten, aber verstörten und sozial desintegrierten Ellings annimmt.

Mediafacts
Cover: ELLING - Nicht ohne meine Mutter
Titel: ELLING - Nicht ohne meine Mutter
Originaltitel: Mors Elling
getestete Version: DVD
Cast: Per Christian Ellefsen, Grete Nordrå
Regie: Eva Isaksen
Produktionsland: Norwegen
Studio/Verleih: Highlight
DVD-Release: 2005
Produktionsjahr: 2003
Spieldauer: 76 Minuten
Format: Dolby, PAL, Surround Sound
Sprache: Deutsch (DD 5.1), Norwegisch (DD 5.1)
Regioncode: 2
Format: 16:9 - 1.77:1
FSK: Freigegeben ab 6 Jahren

Kurze Filmbeschreibung


Das Prequel Elling - Nicht ohne meine Mutter erzählt vom Zusammenleben des etwa vierzigjährigen Stubenhockers Elling und seiner Mutter, die sehr viel Verständnis für die Eigenarten ihres Sohnes aufbringt. Dieser wiederum ist stark fixiert auf seine Mutter und scheut die Öffentlichkeit und streubt sich vehement dagegen, auf eigenen Beinen zu stehen und auch Kontakt zu anderen Leuten zu suchen. Um sich selbst einen großen Wunsch zu erfüllen und Elling ein wenig aus seinem Schneckenhaus zu ködern, bucht die rüstige Dame kurzerhand eine gemeinsame Urlaubsreise nach Mallorca. Der Trip in den sonnigen Süden wird für das Muttersöhnchen wie befürchtet die Herausforderung seines Lebens ...

Kein Vergleich zur ersten Erzählung


Um es vorweg zu nehmen, die Fortsetzung von Elling im Sinne eines Prequels gereicht leider nicht an den Erfolg der ersten Peter Næss-Verfilmung. Der Anfang von Elling - Nicht ohne meine Mutter ist noch vielversprechend, baut auf der Komik des Vorgängers auf und dokumentiert überzeugend die soziale Isolation Ellings und damit seine Abhängigkeit von der Mutter. So auch als daheim das Telefon klingelt, er aber nicht rangeht und daraufhin seine Mutter entrüstet zur Rede stellt, warum sie denn nicht ranginge. Doch die Geschichte verflacht leider zusehends. Die Figur Elling wirkt nicht mehr so ungezwungen komisch, sondern eher aufgesetzt und verkommt auf weiten Strecken zum Nörgler und zum Denunzianten. Hatte man noch in der ersten Erzählung zu Elling das Bedürfnis sich herzhaft über jenen und seinen perfekt inszenierten Gegenpol Kjell Bjarne zu amüsieren, hält man sich damit vor allem ab dem Zeitpunkt der Ankunft auf Mallorca etwas bedeckt. Denn fortan dümpelt die Geschichte insgesamt etwas tragischer vor sich hin. Die Lebhaftigkeit und Leichtigkeit der ersten Erzählung scheint ab hier ein wenig verloren.

Elling wirkt auch insgesamt kindischer als in der ersten Erzählung, was aber durchaus Sinn macht, da die Erzählung zeitlich vor der Begegnung mit Kjell Bjarne spielt. Unter dem Protektorat der Mutter zeigt er sich äußerst zwanghaft kontrollgesteuert, insbesondere als er mit der Reise nach Mallorca konfrontiert wird: „Mutter, es wäre mir sehr viel lieber, wenn du vor so wichtigen Entscheidungen nach meiner Meinung fragen würdest. Besonders, wenn eine Entscheidung so direkten Einfluss auf meinen Alltag hat.“ Spruchversiert präsentiert sich Elling auch, als es ums Kofferpacken für die Reise geht: (Mutter:) „Nimm die Badehose mit!“ - (Elling:) „Ich bade sicherlich nicht im selben Wasser wie Bataillone ungewaschener Männer und menstruierender Frauen.“ Ellings Angst vor Veränderungen und Ungewohntem zeigt deutlich, dass er eigentlich auf medizinische Hilfe angewiesen wäre, doch seine äußerst verständnisvolle Mutter scheint dies nicht zu erkennen (wollen).

Elling - nicht ohne meine Mutter gibts hier auf DVD

Teil 1 von Elling auf DVD findet ihr hier

Die wenigen wirklich komischen Lichtblicke des Films werden jedoch gleich zu Beginn verschossen. So bleibt die Szene unvergessen, als Ellings Mutter den verendeten Goldfisch in seinem Glas entdeckt: „Was ist denn hier passiert?“ Elling gibt sich ahnungslos. „Ach, Junge, ich habe dir doch gesagt: Nimm ihn nicht aus dem Wasser!“ Elling: „Vielleicht schläft er nur.“ - Sie hält ihm den Goldfisch hin: „Er ist tot.“ Dann folgt eine herrlich schräge Zeremonie, an deren Ende die alte Dame den Goldfisch feierlich im Klo runterspült.


Fazit: Nicht bedingungslos zu empfehlen


Per Christian Ellefsen als Elling, der uns bereits in der ersten Verfilmung überzeugen konnte, ist schauspielerisch die Rolle des Elling auf den Leib geschnitten, jedoch kann auch er die Schwächen des Films nicht ganz wett machen. Insgesamt wirkt das ganze Spektakel zu durchschaubar und zu wenig ausgefeilt. Der Film, der auf dem Roman „Ententanz“ der Elling-Romanfolge von Ingvar Ambjørnsen basiert, wurde diesmal unter der Regie von Eva Isaksen gedreht. Doch die Fortsetzung eines guten und erfolgreichen Films führt zwangsläufig nicht zu einem erneuten Erfolg. Schade, nach der ersten wirklich gelungenen Erzählung, verblasst diese Verfilmung leider ein wenig.


© Text: onyourscreen.de / SN


 
 
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