Artikel vom 25.01.2011 | Heimkino->DVD

ELLING



Großes norwegisches Erzählkino


Abseits des Actiongenre und langweiligen Komödien spielt „Elling“. Ein außergewöhnlicher, zu wenig beachteter norwegischer Film von 2001, der großes Gefühlskino vermittelt. Hier wechseln sich humorvolle und tragische Momente ab und die teils skurril wirkenden Szenen erinnern den Zuschauer ein wenig an „Die fabelhafte Welt der Amélie“.

Mediafacts
Cover: Elling
Titel: Elling
Originaltitel: Elling
getestete Version: DVD
Cast: Per Christian Ellefsen, Sven Nordin, Jørgen Langhelle
Regie: Petter Næss
Produktionsland: Norwegen
Studio/Verleih: Koch Media GmbH
DVD-Release: 2007
Produktionsjahr: 2001
Spieldauer: 85 Minuten
Format: Dolby, PAL, Surround Sound
Sprache: Deutsch (DD 5.1), Norwegisch (DD 5.1)
Regioncode: 2
Format: 16:9 - 1.77:1
FSK: Freigegeben ab 6 Jahren

Kurze Filmbeschreibung


Sie sind ein merkwürdiges Pärchen. Der introvertierte Elling und der kindische Kjell Bjarne. Elling ist Muttersöhnchen, hat keinerlei soziale Kontakte und leidet unter zahlreichen Phobien. Nach dem Tod seiner geliebten Mutter, kommt er in eine psychiatrische Heilanstalt, wo er sich mit Kjell anfreundet. Nach zwei Jahren werden die Beiden aus der Heilanstalt entlassen und beziehen gemeinsam eine Sozialwohnung in Oslo. Fortan müssen sie ihr Leben auf eigenen Füßen bestreiten. Wären da nicht die kleinen Hürden des Alltags: Einkaufen, Telefonieren und Frauen ...

Tod oder Limo?


Gerade für Elling ist es ein schwieriges Unterfangen, überhaupt vor die Türe zu gehen und mit Menschen Kontakt aufzunehmen. Im Großstadtdschungel von Oslo fühlt er sich unwohl. Elling beschreibt seine Gefühle und seine Ängste mit sehr eindrucksvollen Worten: „Es gibt Menschen, die sich mit Skiern den Weg zum Südpol machen, und ich, ich habe schon Probleme, ein Restaurant zu durchqueren, um pinkeln zu gehen.“ Der Kampf mit inneren Blockaden steht in dieser Geschichte im Vordergrund. Das wird auch bei Kjell deutlich. Kjell ist groß und kräftig (was er gerne unter Beweis stellt), hat aber den Verstand eines kleinen pubertierenden Jungen. Ihn interessieren eigentlich auch nur zwei Dinge: Essen und endlich Sex haben. Doch seine Schüchternheit steht ihm dabei zunächst im Weg. So entwickelt sich die Story zu einem amüsanten und zugleich ergreifenden Filmerlebnis.



Herrlich kurzweilige Szenen dominieren den Ablauf. So auch, als Elling endlich seine Angst vor dem Telefon überwindet und zur Freude Kjells fortan Erotik-Hotlines anwählt – kostenpflichtig versteht sich. Dass sie dabei schnell 4000 norwegische Kronen zum Fenster rauswerfen, macht die zwei Akteure sympathisch, ja irgendwie menschlich, auch wenn die Lebensweise der beiden Akteure skurril anmutet. Doch der Film zeigt nicht nur menschliche Schwächen auf, sondern auch versteckte Qualitäten, die man so vielleicht nicht erwartet. So zeigt sich bald, dass Kjell handwerklich begabt ist und darüber hinaus jederzeit hilfsbereit ist. Elling hingegen entdeckt plötzlich seine poetische Ader...

Man muss bei diesem Film schmunzeln und im selben Moment Mitleid mit den beiden „Chaoten“ empfinden. Die Psycho-WG ist komisch und tragisch zu gleichen Teilen. Die panischen Ängste Ellings und der kindische Kjell Bjarne, dessen Lieblingsspruch „Leck mich doch!“ ist, ergänzen sich auf eine einzigartige Weise. Erzählt nach dem Roman „Blutsbrüder“ von Ingvar Ambjørnsen, spielt der Film von Peter Næss zudem den Aspekt der Freundschaft, die hier auch von Eifersucht, Tragik und Ironie lebt, mit sehr viel Herz aus. Die beiden Protagonisten zeigen einen starken Zusammenhalt. So teilen sie sich, wie zu den Zeiten in der Psychiatrie, weiterhin ein Zimmer, obwohl in der neuen Wohnung jeder ein eigenes Zimmer für sich hätte.

Trailer: Elling

Fazit: Leck' mich doch!


Dieser Film sei einem ans Herz gelegt! Er ist sehr unterhaltsam, präsentiert viele Emotionen und macht einfach Spaß. Die Dialoge sind lebhaft, köstlich sowie ernst zugleich und die Besetzung der Schauspieler ist ebenfalls perfekt gelungen. Per Christian Ellefsen (als Elling) und Sven Nordin (alias Kjell Bjarne) spielen ihre Rollen überzeugend und authentisch. Nicht umsonst war „Elling“ im Jahre 2002 für den Oscar als bester fremdsprachiger Film nominiert.


© Text: onyourscreen.de / SN

 

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