Eine schrekclich nette Familie
Artikel vom 07.02.2012 | Heimkino->Serien

EINE SCHRECKLICH NETTE FAMILIE



Married with children


Mediafacts
Titel: Eien schrecklich nette Familie
Originaltitel: Married... with Children
Produktionsjahr: 1987-1997
Episoden: 259 in 11 Staffeln
Genre: Sitcom
Cast: Ed O'Neill, Katey Sagal, Christina Applegate, David Faustino
259 Folgen in einer Famile der unter(st)en amerikanischen Mittelschicht, alle auch hierzulande ausgestrahlt, wütende Proteste in den USA, gefeiert weltweit, politisch sowas von unkorrekt und der erste Hit und Durchbruch des Fernsehsenders Fox in den Staaten. Das alles und noch viel mehr ist Eine schrecklich nette Familie, wobei die Serie (im Original Married.... with children) bei uns im täglichen Sprachgebrauch meist mit "Die Bundys" betitelt wurde. Und Gesprächsthema waren sie überall - im Ursprungsland USA genauso wie bei uns.

Schuhverkäufer und fast Footballprofi


Vor allem Gesprächsthema war "Al Bundy". Ein Mann, der es auf sich nimmt, alles Leid dieser Erde zu ertragen, ohne dabei zu jammern. Na gut, ein bisschen jammert Al schon, im Grunde beschwert er sich sogar grundsätzlich über alles und jeden, aber in den Untiefen seines Herzens ist er ein guter Mensch - naja, zumindest aber doch kein besonders schlechter. Aber wenn man einmal ganz ehrlich ist, dann ist es Al's gutes Recht, seiner Umwelt mit allerhand Sarkasmus und (niemals ehrlichem) Selbstmitleid zu begegnen, schließlich hat sich ja beinahe alles gegen ihn verschworen: Seine Ehefrau Peggy, die er gleichermaßen liebt wie hasst, ist faul und lässt keine Möglichkeit aus, sein schwer verdientes Geld zum Fenster hinauszuwerfen, seine Tochter Kelly ist eine nymphomanische Idiotin und sein zu kurz geratener Sohn Bud hat mehr Erfolg bei Produkten der Latex-Industrie als bei Frauen aus Fleisch und Blut. Und selbst Buck der Hund steht seinem Herrchen mit allerlei Argwohn gegenüber, auch wenn es manchmal den Anschein macht, als sehe Al in ihm seinen einzigen Verbündeten. Aber das ist noch lange nicht alles. Nebenan nämlich wohnt das eigentliche Problem: Marcy D'Arcy (ehemals Rhodes). Denn wann immer es daran ist, dass Al etwas auf die Beine stellt, ist Marcy zur Stelle und kommt ihm mit ihren Feministinnen in die Quere. In solchen Fällen stehen ihm auch nicht die Kumpanen von "NO MA'AM" zur Seite, die schneller vor den Ehefrauen kneifen als Bob Rooney ein Sandwich verdrückt.

Al Bundy ist ein Einzelkämpfer für seine Männlichkeit, ob im Privaten oder im Beruf. Denn in "Gary's shoes and accessoirs" - seinem ungeliebten Arbeitsplatz - kommt es nicht minder häufig zu Auseinandersetzungen mit beleibten Kundinnen oder gar Gary, die natürlich auch eine Frau ist, selbst. Derart von der matriarchalischen Welt bedrängt, bleibt ihm nichts anderes übrig, als der in der heutigen Zeit immer mehr verblassende Archetyp Mann zu sein, der Stunden mit der Zeitung auf dem Klo verbringt, "Big 'Uns" abboniert und sich mit aller ihm zur Verfügung stehender Macht der Angriffe erwehrt, ohne sich weiter darum zu kümmern, ob es gerade besonders peinlich ist oder nicht. Als moderner Don Quijote kämpft er eben nicht mehr gegen Windmühlen, sondern abwechselnd gegen stillende Mütter, die Verweichlichung des Fernsehens und die Unterdrückung männlicher Werte überhaupt.

Der Schrecken aller Feministen


Und wenn nichts mehr geht, dann stottert Al eben: "Du bist ein Huhn!" und meint damit natürlich Marcy, die ihn als männlichen Feministen vor versammelter (Glaubens-)Gemeinschaft bloßstellen will. Und ja, es gelingt ihr, wie es ihr immer gelingt, seine wahnwitzigen Versuche, sich öffentlich zu emanzipieren, in pickender Pose zu zerschlagen. Aber irgendwie hat man doch immer das wärmende Gefühl, dass auch Al einen kleinen Sieg errungen hat, und wenn es nur darum geht, nicht klein bei zu geben. Und vier Touchdowns in einem Spiel - dafür ist er eh eine unerreichte Legende.


Das Fox mit "Married ... with Children" große Erfolge erzielen konnte und Ed O'Neill in späteren Staffeln horrende Gagen zahlte, darf nicht darüber hinwegtäuschen, das dem Sender auch gewaltiger Ärger durch die Sitcom beschert war. So hagelte es Klagen, Boykottaufrufe und Proteste aufgrund der offensichtlich vorgetragenen Frauenfeinflichkeit, dem Rumreiten auf weitvebreiteten Klischees und dem meist völlig politisch unkorrekten Humor der Serienschreiber. Auch die deutsche Synchro machte uns dabei keinen Strich durch die Rechnung, im Gegenteil - auch hier gings so richtig derbe zur Sache. Gott sei dank. Das führt dazu das man auch heute noch herzlich über den grotesken Humor "der Bundys" lachen kann - vor allem wo die einzelnen Staffeln mittlerweile erschwinglich im Versand zu erstehen sind.


Wer nicht genug von Eine schrecklich nette Familie bekommt, kann sich mit dem Erwerb entsprechender DVD-Boxen Al Bundys Kampf mit der Welt nach Hause holen, auch wenn nicht unbedingt gesagt ist, dass die Ehefrau davon begeistert sein wird.
Hier gibts "Alle Folgen, alle Staffeln, alle Boxen"


© Text: onyourscreen.de / TA / AS


 
 
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