Artikel vom 11.02.2012 | Themen

Ed Wood on your screen



Ein Leben für schlechte Filme


Ed Woods Filme
- The Sun Was Setting (1951, TV)
- Trick Shooting with Kenne Duncan (1953)
- Glen or Glenda (1953)
- Crossroad Avenger: The Adventures of the Tucson Kid (1953, TV)
- Boots (1953)
- Jail Bait (1954)
- Bride of the Monster (1955)
- Final Curtain (1957)
- The Night the Banshee Cried (1957)
- Plan 9 from Outer Space (1959)
- Night of the Ghouls (1959)
- The Sinister Urge (1961)
- Orgy of the Dead (19565)
- Excited (1970)
- The Only House (1971)
- Necromania (1971)
Was hat die Welt bis hierhin nicht schon alles erlebt. Große Naturkatastrophen suchten den Planeten heim, tauchten ihn über Jahrtausende hinweg in Lava oder große Teile der Erdmassen unter den Meeresspiegel. Erst zu späterer Zeit übernahm die Menschheit die Kontrolle über die großen Tragödien. Mal herrschten ein paar Wilde, mal eine ganze Horde Römer und mal gleich drei Päpste auf einmal - immer war etwas los, und immer gingen irgendwo ein paar Schädel zu Bruch.
Abseits jener großen Umwälzungen herrschten hingegen die allgemeinen Künste meist nur über sich selbst, unterlagen ganz eigenen Katastrophen und scherten sich im Grunde doch nur am Rande um den Rest der Welt und deren Belange. So viele Kunstwerke sind uns bis heute erhalten geblieben, die sich all den Gefahren von Zerstörung und Raub widersetzten und heute noch in Museen ihr Dasein fristen oder sonst wo vor der Zeit beschützt werden müssen. Warum aber gerade die Machwerke eines gewissen Ed D. Wood Jr. unvergessen sind und nicht wie unzählige andere Erzeugnisse unzähliger vergessener Künstler vergessen worden sind, ist eine Frage, die sich schnell zu vergessen lohnt.


Denn wer sich einmal einen Film des Regisseurs Ed Wood zu Gemüte geführt hat, für den wird nichts mehr so sein wie es einmal war. Picasso, ein Stümper, Platon, ein Schwätzer, Michelangelo, ein Ninja Turtle - Ed Wood sprengt jedes einmal gefasste Urteil. Seine Filme sind nämlich derart schlecht, dass die Kategorie "Schlecht" sich in sich selbst auflöst und keinen fassbaren Gedanken hinterlässt. Ed Wood ist buchstäblich eine Naturkatastrophe.

 © Touchstone Pictures
© Touchstone Pictures
Johnny Depp als Ed Wood

Der erfüllte Traum der Unsterblichkeit


Und dabei folgte Ed Wood ja nur dem Traum, ein gefeierter Hollywood-Regisseur zu werden, em die geneigten Kritiker zu Füssen liegen. Mit Grusel-Filmen wie "Plan 9 from Outer Space" oder "Bride of the Monster" lag er zwar im Trend der 1950er Jahre, allerdings führte der Mangel an Talent und Budget zu gar irrwitzigen Produkten, die aus heutiger Sicht so lustig sind, dass einem das Lachen im Halse stecken bleibt.

Wenn Monster unbeabsichtigt beinahe die Kulissen zum Einsturz bringen, Außerirdische zu Tunten mutieren oder der abgehalfterte Dracula-Star Bela Lugosi die Chance nutzt, um seine Verzweiflung über seine Heimatlosigkeit zum Ausdruck zu bringen, dann wäre jeder normale Regisseur mit einem lauten "Cut" in die Szene gesprungen. Ed Wood aber war der Meinung, er vollführe Großes, jene und noch abstrusere Szenen in seinen Filmen zu belassen - und unsterblich haben sie ihn tatsächlich gemacht. Den Titel "Schlechtester Regisseur aller Zeiten" hat er nämlich seit geraumer Zeit inne. Und es scheint auch nicht danach, als würde ein irgendwer sich in näherer Zukunft dazu aufschwingen, ihm diese Auszeichnung streitig machen zu wollen.
 © Touchstone Pictures
© Touchstone Pictures
Großartige Verfilmung eines unfassbaren Lebens
Als Mensch war Ed Wood nicht minder bemerkenswert. Er trug privat gern auch mal Frauenklamotten, stahl nötige Requisiten aus dem Lager und ließ sich in seinem allgemeinen Größenwahn trotz aller widrigen Umstände nicht erschüttern. Und wenn man sich einmal Tim Burtons Bio-Pic "Ed Wood" mit Johnny Depp zu Gemüte führt, dann erfährt man darüber hinaus, dass er ein guter Kerl war - eine Katastrophe, aber ein wirklich guter Kerl.


© Text: onyourscreen.de / TA / AS


 
 
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