Trash-Raketen: Krieg der Infras, Death Machines, Roboter der Sterne
Artikel vom 01.05.2011 | Editionen und Sammlerstücke->Fundstücke

Fundstücke: Dreifacher Marketing Trash




"Marketing Film" - schon der Name sorgt bei dem ein oder anderen Filmfreund für aufgestellt Nackenhaare ... Übrigens durchaus nicht immer aus dem gleichen Grund. Rümpft der eine die Nase aufgrund des vorhandenen Titel-Line-Ups, schnalzt der andere mit der Zunge aufgrund eben genau diesem. Der Hang zu Randgruppen-Veröffentlichungen freut das Herz des Trash-Liebhabers, die Ausführung dagegen ist bzw. war nicht immer optimal. War deshalb, da es Marketing Film anscheinend nicht mehr gibt. Die Rechte deren Material liegt wohl mittlerweile bei "Laser Paradise", ob das nun ein Segen oder Fluch ist, darüber lässt sich vortrefflich streiten.
Aber worauf wollen wir denn nun hinaus? Wo blebt das "Fundstück"? Nun, ganz einfach: Vor dem Wochenende kam eine Gebraucht-DVD-Lieferung in unsere Redaktion geflattert, darin zwei mehr als Trash-verdächtige "Marketing Film"-DVDs und wie es der Zufall wollte, kam auf einem Wochenend-Flohmarktbesuch noch ein dritter Vertreter hinzu. Hier werden wir die drei ganz kurz vorstellen und beurteilen.

Death Machines
Cover: Death Machines
Marketing Film Trash Nummer 1:

Death Machines (1976)



Das ist der Film den wir auf dem Flohmarkt (in OVP, den wollte wohl niemand vor uns sehen) entdeckt und mitgenommen hatten. Was in Deutschland auch mal unter dem Titel Die Todesmaschine vertrieben wurde ist nur was für ganz geduldige Trashfans. Die völllig hohle Story um drei von einer orientalischen Lady ausgebildeten Martial-Arts-Killer die für Auftragsmorde vorgesehen sind, entwickelt sich so:
a) Dröger Anfang mit schlechten Stunts
b) Lahmer Mittelteil mit schlechten Stunts und Effekten
c) Sinnlose Intermezzi ohne Sinn und Verstand, übrigens mit schlechten Stunts
d) Balla-Balla-Ende ohne irgendwas, dafür mit schlechten Stunts
Wenns noch ein klein wenig schlechter gewesen wäre, hätte es schon wieder was sein können. Oder? Nein!

Krieg der Infras
Cover: Krieg der Infras
Marketing Film Trash Nummer 2:

Krieg der Infras (1976)



Die Urväter der heute noch (in TV und Kino) höchst erfolgreichen Power Rangers waren in den 1970ern die Kamen Riders, eine japanische TV-Serie wie sie kaum abstruser sein konnte. Daraus entwickelten sich diverse Ableger, Spin-Offs und unter vielem mehr auch eine eingedeutschte Spielfilmversion: Der Krieg der Infras ist zusammengesetzt aus Teilen der Serie und das ist ab und an auch zu sehen. Zu hart die Übergänge, zu holprig und falsch die Schnitte, zu seltsam die Story. Aber: Die Heldengeschichte um die zwei Superinframan bleibt dabei immer unterhaltsam, was vor allem an den unfassbaren Gegner der insektenartig kostümierten Jungs liegt. Hier hat man nichts ausgelassen: Sphinxen, Frösche, Krebse und alles mögliche andere Getier, übrigens angeführt von einer Art Opa im Dracula-Outfit, versucht in wilden und besonders schlechten Martial-Arts-Einlagen die Weltherrschaft zu erlangen. Zum Brüllen komisch. Das muss man gesehen haben.

Roboter der Sterne
Cover: Roboter der Sterne
Marketing Film Trash Nummer 3:

Roboter der Sterne (1974)



Auch dieser unfassbare Streifen basiert auf japanischen Serien: Red Baron und Super Robot Mach Baron. Wer auf Godzilla-Filme oder solche Perlen wie U2000 - Tauchfahrt des Schreckens steht, wird auch diese quietschbunten Robots lieben. Zur Handlung: Der "Erhabene Koordinator" spielt im Bermuda-Dreieck mithilfe von riesigen Kampfrobotern Schiffe versenken. Als das nicht mehr reicht, will er sich die Erde Untertan machen. Doch das heldenhafte KSS-Team rund um den Roboter "Magischer Ballermann" (da ist den Übersetzern wohl nix dümmereres eingefallen - auf dem Gürtel des Robotern steht halt ein MB für Mach Baron) fackelt nicht lange und stellt sich den Invasoren entgegen. Soweit so gut.
Das das ganze unfassbar kitschig aussieht ist die eine Sache, was allerdings die Synchro aus dem Streifen gemacht hat, ist einfach der Abschuss. Hier schießt man sich eine Sprachsalve nach der anderen um die Ohren - eine schlimmer als die andere. Ein Beispiel:
Person 1: "Am besten wir werfen seine Leiche in den See."
Person 2: "Stop, er war ein bekannter Wissenschaftler"
Person 1: "Dem See ist das doch egal."

Der immer wieder auftauchende Kampfspruch unserer Spezialeinheit "Macht sie fettisch! Geeeemacht!" sorgt auch für allgemeine Belustigung. Auf jeden Fall ist sowohl optisch als auch dialogtechnisch für jede Menge Unterhaltung gesorgt - wer auch nur ansatzweise mit solcher Art Trash seinen Spaß haben kann, sollte sich gleichgesinnte auf Chips und Bier einladen und Tränen lachen.


© Text: onyourscreen.de / AS