Die wilde Zeit © NFP Carole Bethuel
© NFP Carole Bethuel
Artikel vom 02.12.2013 | Heimkino->Blu-Ray

Die wilde Zeit



Eine Zeit für Träume, Revolutionen und Entscheidungen


Après Mai - also "Nach dem Mai" - so heißt Olivier Assayas neuestes Werk im Original. Der deutsche Titel lautet Die wilde Zeit. Jeder für sich ist da wenig deskriptiv, zusammengezogen beschreiben sie beide den einfühlsamen Film aber ziemlich genau. Denn es geht um die wilden, oft orientierungslosen Jahre der französischen Jugendlichen nach dem berühmten Mai 1968, in denen viele ihre Ziele glaubten gefunden zu haben, das aber oftmals überdenken mussten.

Mediafacts
Die wilde Zeit © NFP
© NFP
Cover: Die wilde Zeit
Titel: Die wilde Zeit
Originaltitel: Après Mai
getestete Version: Blu-ray
Cast: Lola Créton, Clément Métayer, Félix Armand, Dolores Chaplin Simpson, Justin Batchelor
Regie: Olivier Assayas
Produktionsland: Frankreich
Studio/Verleih: NFP*
Erscheinungstermin: 2013
Produktionsjahr: 2013
Spieldauer: 122 Minuten
Sprache: Deutsch (DTS-HD 5.1)
Regioncode: 2
FSK: ab 12 J.

Filmkurzbeschreibung


Paris. Die Jahre nach dem berühmten Mai 1968, dem Höhepunkt der französischen Studentenbewegung. Gilles, ein junger Student, lässt sich von der politisch aufgeladenen aber auch kreativen Aufbruchstimmung seiner Zeit mitreißen und engagiert sich mit seinen Freunden für eine neue Gesellschaftsordnung. Da bei Demos, Sprayattacken und wildem Plakatieren nicht immer alles glatt läuft, treibt es die kleine Gruppe zur Flucht nach Italien.
Neben der Liebe entdeckt Gilles die Welt der Kunst und sein Interesse für Malerei und Film. Selbst sehr talentiert erkennt er, dass die Zeit gekommen ist, seinem Leben eine Richtung zu geben – und sucht, hin und her gerissen zwischen der Liebe zu Christine, seinen Freunden, seinen politischen Überzeugungen und seinen ganz persönlichen Träumen seinen eigenen Weg. Es sind bewegte Zeiten, und er muss klare Entscheidungen treffen, um den richtigen Platz im Leben zu finden …

Das meint onyourscreen.de zum Film


Kann man sich ansatzweise in die Lage eines intelligenten, aufgeweckten und interessierten Studenten während der Nach-68er-Zeit hineinversetzen? Kann man mitfühlen was ihn (oder auch sie) getrieben haben mag? Kann man den Kreativitätsdrang der damaligen Jugend nachvollziehen, ihre Hin- und Hergerissenheit zwischen Revolution, freier Sexualität, Ernsthaftigkeit, Drogen und Liebe spüren? Kann man, sicherlich. Man kann, wenn man selbst dabei war und man kann es zumindest ansatzweise, wenn man sich auf Olivier Assayas Film Die wilde Zeit einlässt. Natürlich streift ein Film, so gut er auch sein mag, immer nur an der Oberfläche. Mehr ist in zwei Stunden Kino auch nicht möglich. Aber wenn einen diese zwei Stunden wie hier geschehen, aufgrund ihrer Bildsprache und Aussagekraft beeindrucken können, wenn einen jede Randnotiz des Gesehen auf einmal interessiert und nachdenklich macht, dann kann man alles Eingangs erwähnte zumindest in Teilen teilen.


Für Menschen die viele Filme schauen ist auch die Form "handlungsloser Film" nichts außergewöhnliches. Zuseher die das nicht gewohnt sind, könnten die fast beiläufig und ziellos wirkenden Schilderungen verschiedenster Situationen aus dem Leben der unverkennbar autobiographischen Figur Gilles, zu wenig oder sogar zu verwirrend sein. Für genauere Beobachter erschließt sich dadurch wundervoll ein selbst interpretierbares Gesamtbild des Jugendlichen, stellvertretend für eine ganze Generation.

Das meint onyourscreen.de zur Blu-ray


Es gibt Filme, die sind möglicherweise auf DVD oder sogar auf Video besser aufgehoben, als auf dem Hightech-Medium Blu-ray. Wir haben uns Die wilde Zeit zwar auf BR angesehen, können uns aber nicht vorstellen, das diese Art von Bildsprache auf dem günstigeren Medium schlechter rüberkommt. Das zumindest auf unserem Heimkino-Equipment leicht körnige Bild der Blu-ray überzeugte uns eh nicht so ganz, wobei man sich bei einigen Dingen ja auch nicht sicher sein kann, ob es der Macher nicht genau so wollte. Das könnten wir uns bei der körnigen Optik sogar vorstellen. Als Extras bietet man uns einen Trailer und ein 16minütiges Making of - was sich auf der DVD übrigens genauso darstellt.

onyourscreenSHOTs

Bild links Bild rechts
  • Die wilde Zeit: 
Gilles (Clé?ment M?tayer) und seine Freundin Christine (Lola Cr?éton) 
<br>© NFP Carole Bethuel
  • Die wilde Zeit: Gilles (Clément M?étayer) und Christine (Lola Cré?ton) bei der Demonstration im Februar 1971 
auf der Flucht vor der Polizei <br>© NFP Carole Bethuel
  • Die wilde Zeit: Gilles (Cl?ément M?tayer) und seine Freundin Christine (Lola Cré?ton) auf der Fahrt nach Italien <br>© NFP Toma Baqueni
  • Die wilde Zeit: Gilles (Cl?ément M?tayer) <br>© NFP Carole Bethuel
  • Die wilde Zeit: Gilles (Cl?ément M?tayer) geht seiner Leidenschaft, dem Malen, nach<br>© NFP Carole Bethuel
  • Die wilde Zeit: Gilles’ Freundin Christine (Lola Cr?éton)<br>© NFP Toma Baqueni
  • Die wilde Zeit: Gilles politisch aktive Freunde auf ihrer Reise durch Italien <br>© NFP Guido Cacialli
  • Die wilde Zeit: Laure (Carole Combes), Gilles' Freundin, die ihn verlä?sst, als sie nach London geht <br>© NFP Carole Bethuel
  • Die wilde Zeit: Gilles und seine Freunde feiern eine n?chtliche Party <br>© NFP Carole Bethuel
  • Die wilde Zeit: Olivier Assayas bei den Dreharbeiten zu DIE WILDE ZEIT<br>© NFP Carole Bethuel

Das onyourscreen-Fazit zu DIE WILDE ZEIT


Die wilde Zeit versucht auch auf dem Cover nicht mehr zu sein als er ist. Hier wird nicht geprahlt und auch keine Paralellen zu irgendwelchen Blockbustern gesucht. Von daher ist die Gefahr recht klein, das sich jemand genau diesen Film mit nach Hause nimmt, der nicht weiß, worauf er sich da einlässt. Die die das tun, werden auf eine stille, nachdenkliche Art begeistert sein. Begeistert vom Stil, von den Farben, von der Bildsprache, von der Ausdruckstärke und der Geschichte, die einen nachträglich beschäftigt und die jeder für sich selbst arrangieren darf.


© Text: onyourscreen.de / AS


 
 
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