Die Coens on your screen
Artikel vom 29.12.2011 | Themen

Die Coens on your screen



Absurder Humor und ernste Geschichten


Dass Brüder nicht immer unbedingt die besten Freunde sein müssen, ist altbekannt. Kain und Abel. Liam und Noel Gallagher. Die Geschichte hat so manches Bruderpaar parat, das nur bedingt an einem Strang gezogen hat. Im Falle von Ethan und Joel Coen trifft das Klischee des sich grollenden Geschwisterpaares allerdings nicht zu. Die Coens haben sich seit Mitte der 80er Jahre nämlich zu den ernstzunehmendsten Regisseuren hochgearbeitet, die Hollywood in diesen Zeiten zu bieten hat. Dabei waren die Coens zu Beginn ihrer Karriere allein eingefleischten Cineasten bekannt und bedienten mit ihren Filmen noch eher die Nerds unter den Kino-Fans.

Vom Geheimtipp zum Satire-Monster


Alles nahm seinen Anfang mit dem heute allgemein eher unbekannten "Blood Simple", mit dem sie 1984 beim renommierten Sundance Film Festival teilnahmen und gleich mit ihrem Erstling für staunende Gesichter bei Kritikern und Cineasten sorgen konnten. Doch der große Durchbruch blieb aus. Anders als heute benötigte es in den 80ern noch etwas mehr als einen Überraschungserfolg, um sich gleich der Aufmerksamkeit der gesamten Erdbevölkerung erfreuen zu können. Sieben Jahre später sollten die Coens schließlich mit der Groteske "Barton Fink" die Goldene Palme von Cannes gewinnen und damit in den Filmkunst-Olymp der US-amerikanischen Filmszene aufsteigen. Doch wie "Barton Fink" blieb auch der nachfolgende Film "Hudsucker - Der große Sprung" ein kleiner Film zwischen Satire und Groteske, ohne die Chance, den eher müßiggängerischen Kino-Fan für sich begeistern zu können. Zu speziell mutete der Humor an, zu eigen die zumeist absurd gezeichneten Figuren.

Ein Wendepunkt in der Filmographie der Coens sollte die 1996 gedrehte Satire "Fargo" bedeuten. Die Brüder erhielten für die Geschichte über den vom Schicksal gebeutelten William H. Macey den Oscar für das beste Drehbuch und konnten sich damit nach dem Erfolg in Cannes auch in ihrem Heimatland endlich ausreichend geherzt fühlen. Ein Jahr später folgte mit "The Big Lebowski" eine stilbildende Satire, die mit dem "Dude" eine der erinnerungswürdigsten Figuren der modernen Filmgeschichte hervorbringen konnte.


Bisheriges Werk der Coens


Jahr Titel Originaltitel  
1984 Blood Simple Blood Simple Regie, Drehbuch
1987 Arizona Junior Raising Arizona Regie, Drehbuch
1990 Miller’s Crossing Miller’s Crossing Regie, Drehbuch
1991 Barton Fink Barton Fink Regie, Drehbuch
1994 Hudsucker – Der große Sprung The Hudsucker Proxy Regie, Drehbuch
1996 Fargo – Blutiger Schnee Fargo Regie, Drehbuch
1998 The Big Lebowski The Big Lebowski Regie, Drehbuch
2000 O Brother, Where Art Thou? O Brother, Where Art Thou? Regie, Drehbuch
2001 The Man Who Wasn’t There The Man Who Wasn’t There Regie, Drehbuch
2003 Ein (un)möglicher Härtefall Intolerable Cruelty Regie, Drehbuch
2003 Bad Santa Bad Santa Produktion
2004 Ladykillers Ladykillers Regie, Drehbuch
2005 Romance & Cigarettes Romance & Cigarettes Produktion
2006 Paris, je t’aime Paris, je t’aime Regie
2007 No Country for Old Men No Country for Old Men Regie, Drehbuch
2008 Burn After Reading Burn After Reading Regie, Drehbuch
2009 A Serious Man A Serious Man Regie, Drehbuch
2010 True Grit True Grit Regie, Drehbuch


Neue, ernstere Töne


Und auch in der Folge blieben die Coens ihrem Erfolgsrezept treu. Bis 2006 folgten eine Reihe schräger Filme, die sich ohne weiteres in die bisherige Filmographie des Bruderpaares eingliedern ließen. Filme wie "O Brother, Where are Thou?" oder "The Man Who Wasn't There" wurden im Allgemeinen auch nicht mehr als Filme bezeichnet, sondern schlichtweg nur noch als Coens. Im Jahr 2007 sorgten die Brüder dann für eine große Überraschung. Mit "No Country for Old Men" hatten die Coens nämlich das erste Mal seit ihren Anfangszeiten wieder einen Film fabriziert, in dem die offensichtlichen satirischen Momente eher in den Hintergrund treten. Es ist demnach auch kein Wunder, dass "No Country for Old Men" mit seiner für die Allgemeinheit verträglicheren Konzeption zu einem Welterfolg wurde. Die Coens erhielten ihren ersten Regie-Oscar und gelten seitdem auch im Mainstream zu den wichtigsten Vertretern ihres Fachs. 2010 folgte mit dem Remake des John-Wayne-Klassikers "True Grit" schließlich ein weiterer Schritt, mit dem sich die Coens von ihrem reinen Satire-Image entfernen konnten. Ein Coen'scher Neo-Western ohne satirischen Grundtenor wäre etwa in den 90ern noch undenkbar gewesen. Dass Fans der alten Coens befürchten müssen, die Brüder würden sich in Zukunft allein noch dem ernsten Fach widmen, ist aber wohl eher unwahrscheinlich. Erst vor zwei Jahren drehten die Brüder mit "A Serious Man" einen Coen der ganz alten Schule.


© Text: onyourscreen.de / TA / AS


 
 
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