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Artikel vom 03.05.2013 | Heimkino->Blu-Ray

Der Verdingbub



Das Leiden der vergessenen Kinder


Die sogenannten Schweizer Verdingkinder, meist Kinder aus zerrütteten Ehen oder Waisen, wurden zwischen 1800 und 1960 durch Auktionen oder Verlosungen zur Obhut und Erziehung oftmals an Bauernfamilien gegeben. Dort wurden viele unter ihnen ausgenutzt und teils unter unzumutbaren Zuständen, ähnlich wie Nutzvieh gehalten. Authentisch und in düsteren Bildern schildert Regisseur und Grimme-Preisträger Marcus Imboden in Der Verdingbub stellvertretend zwei Kinderschicksale aus jenem dunklen Kapitel der Schweizer Geschichte.

Mediafacts
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Cover: Der Verdingbub
Titel: Der Verdingbub
Originaltitel: Der Verdingbub
getestete Version: Blu-ray
Cast: Katja Riemann, Stefan Kurt, Maximilian Simonischek, Max Hubacher
Regie: Markus Imboden
Produktionsland: Schweiz
Studio/Verleih: Ascot Elite Home Entertainment GmbH
Erscheinungstermin: 2013
Produktionsjahr: 2011
Spieldauer: 107 Minuten
Sprache: Deutsch (DTS -HD Master Audio 5.1), Schweizer Deutsch (DTS -HD Master Audio 5.1), Französisch (DTS -HD Master Audio 5.1), Italienisch (DTS -HD Master Audio 5.1)
Regioncode: 2
FSK: Freigegeben ab 12 Jahren

Filmkurzbeschreibung


Der Verdingbub ist die Geschichte des Waisenkindes Max. Sein größter Traum ist es, Teil einer richtigen Familie zu sein – und tatsächlich scheint sich dieser zu erfüllen: Max wird an eine Bauernfamilie verdingt. Statt Liebe und Anerkennung zu bekommen, wird er hier aber von seinen Pflegeeltern wie ein Arbeitstier behandelt und von deren Sohn Jakob aus Eifersucht gedemütigt. Das Handorgelspiel ist das einzige, was ihm niemand nehmen kann. Hier schöpft er Mut und bekommt das zum Überleben notwendige Quäntchen Selbstachtung. Als eine neue Lehrerin aus der Stadt sein musikalisches Talent erkennt, darf Max sogar am lokalen Schwingfest vor der gesamten Gemeinde, spielen. Das Glück ist allerdings nur von kurzer Dauer. Eifersucht und Missgunst sind stärker. Als die Lehrerin sich für ihn einsetzt, wird das Leben für Max auf der Dunkelmatte noch schlimmer. Das einzige, was seinen Überlebenswillen erhält, ist die Freundschaft zu Berteli. Das Mädchen ist in einer nahe gelegenen Kleinstadt aufgewachsen. Weil die verwitwete Mutter die Familie nicht ernähren kann, werden ihr die Kinder weggenommen und an Bauern verdingt. Mit Berteli träumt Max sich nach Argentinien, in eine Fantasiewelt, wo ausschließlich Fleisch gegessen wird und angeblich sogar die Heugabeln aus Silber sind. Da schlägt die Brutalität ein weiteres Mal zu.



Das meint onyourscreen.de zum Film


Anhand der Schicksale von Max und Berteli zeigt Der Verdingbub das brutale Leben der sogenannten Verdingkinder, die häufig schwerstarbeitend ausgebeutet wurden. Vom 19. bis Mitte des 20. Jahrhunderts gehörte es zur gängigen Praxis, Waisen an Familien zu übergeben, bei denen diese zu harter Arbeit gezwungen wurden. Nicht selten waren sie brutaler Gewalt und Misshandlungen ausgesetzt. Strafrechtlich verfolgt wurden diese Vergehen fast nie und so waren die Kinder machtlos und mussten sich ihrem Schicksal beugen. Die bedrückend stimmungsvollen Bilder die Markus Imboden hier entwirft, ziehen einen unmittelbar in das Schicksal der Protagonisten hinein. Und nicht nur in das der Verdingkinder, sondern lassen einen auch teilhaben am harten Leben der Bauern. Hier ist alles schwer, schwierig, düster, dreckig. Die Arbeit ist extrem hart und bringt wenig ein, das Vergnügen ist spärlich gesät. Selbst der Zusammenhalt in den Familien ist durch die dauerhaften Entbehrungen gering. Ein tief-düsteres Kapitel der schweizer Provinz im vergangenen Jahrhundert.
Neben den nachdrücklichen Bildwelten lebt Der Verdingbub vor allem aber von den herausragenden schauspielerischen Leistungen einer Katja Riemann als kaltherzige Bauersfrau und den glanzvollen Leistungen eines Max Hubacher als Max und Lisa Brand als Berteli. Das beide für ihre Leistungen schon Preise gewonnen haben, ist nur mehr als verdient.
Zarte Gemüter die sich Dinge zu sehr zu Herzen nehmen, wollen wir übrigens warnen: hier wird nichts beschönigt, der Film kann sich einem wie ein großer Klumpen Dreck auf die Seele legen.

Trailer: Der Verdingbub

Das meint onyourscreen.de zur Blu-ray


Der beeindruckende Streifen wird mit einer ordentlichen Blu-ray belohnt. Neben dem guten Bild darf man sich an der deutschen, schweizzerdeutschen, französischen und italienischen Sprachfassung erfreuen. Neben den Untertiteln in deutsch, englisch und französisch erfreuen sich Blinde an der Audiodeskription. Als Extras warten umfangreiches Schulmaterial (sicherlich darf mit einem vermehrten Einsatz in entsprechenden Schulfächern gerechnet werden), ein Featurette, ein Making of sowie der Originaltrailer und eine Trailershow. Prima.

Das Onyourscreen.de Fazit zu DER VERDINGBUB


Brutal authentisch aber scheinbar auch höchst genau skizziert Markus Imboden in Der Verdingbub beispielhaft die vielen Schicksale der Verdingkinder und arbeitet dabei ein dunkles, lange Zeit verschwiegenes Kapitel der Schweizer Geschichte des vergangenen Jahrhunderts auf. Ascot Elite bringt Der Verdingbub ab dem 07. Mai 2013 auf DVD und Blu-ray in den Verkauf. Zugreifen.


© Text: onyourscreen.de / AS

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